Der Weimarer "Tatort" "Der scheidende Schupo" war wieder einmal ein Fall mit ebenso witzigen wie skurrilen Einfällen. Ein kakaosüchtiger Polizist wird vergiftet, ein Schwesternpaar streitet ums Erbe, eine Kräuterhexe treibt ihr Unwesen und in all dem Chaos witzeln sich die Kommissare Dorn und Lessing durch einen Mordfall. Klar, dass da Fragen auftauchen. Zum Beispiel zu Rizin. Der Weimarer Fall im Faktencheck.

Glück gehabt, denkt sich der Zuschauer, als Polizist Ludwig Maria Pohl (Arndt Schwerig-Sohnrey), genannt Lupo, nur knapp einem Bomben-Attentat in seinem Garten entgeht. Doch das Glück des Polizisten währt nur kurz. Als die Kommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) mit Lupo sprechen, kippt dieser einfach um.

Im Krankenhaus erfährt er dann auch warum: Jemand hat seine Trinkschokolade mit Rizin vergiftet; ihm bleiben nur noch wenige Stunden zu leben.

Was ist dieses Rizin überhaupt?

Rizin (oder auch Ricin) ist ein giftiges Eiweiß, das in den Samenschalen des Wunderbaumes (Ricinus communis) vorkommt. Bereits kleinste Mengen Rizin können für einen erwachsenen Menschen tödlich sein. Rizin kann entweder oral, durch eine Injektion oder durch Einatmen aufgenommen werden. Je nach Aufnahmeart äußern sich die Symptome.

Rizin unterbindet die Proteinproduktion im Körper und hemmt dadurch das Wachstum der Zellen – mit tödlichen Folgen. Hat man eine tödliche Dosis Rizin zu sich genommen, tritt der Tod nach etwa zwei bis drei Tagen ein; ein Gegenmittel gibt es derzeit noch nicht.

Wird Rizin, wie beim gestrigen "Tatort", über den Magen aufgenommen, kann es etwa vier bis acht Stunden nach dem Verzehr zu hohem Fieber, Übelkeit, Erbrechen, blutigem Durchfall, Koliken, Kreislaufproblemen und Herzrhythmusstörungen kommen. Als Erste-Hilfe-Maßnahmen werden sofortiges Erbrechen, Aktivkohlepulver und Magenspülungen empfohlen.

Dass der Polizist Lupo nach seiner Vergiftung noch seinen Chef entführen und mit ihm durch Weimar und Umgebung kurven konnte, ist angesichts der Symptome von Rizin also zumindest erstaunlich.

Auf welcher Burg spielt der "Tatort: Der scheidende Schupo"?

Ein vergiftetes Getränk, ein riesiges Erbe, böse Stiefgeschwister und eine alte Kräuter-Hexe – Regisseur Sebastian Marka hat den Weimarer "Tatort" ganz bewusst als eine Mischung aus Märchen und Krimi inszeniert. Und bei einem Märchen darf natürlich eines nicht fehlen: eine Burg. In diesem Fall geht es um eine Festung namens Burg Schwanitz.

So fiktiv der Weimarer Fall ist, so real ist die Burg – auch wenn sie nicht Schwanitz heißt. Der richtige Name der Festung ist Leuchtenburg und sie liegt in der Nähe des kleinen Örtchens Seitenroda in Thüringen.

Die Leuchtenburg liegt auf etwa 400 Metern über Normalnull auf dem Lichtenberg. Anders als im "Tatort" kann man die Burg aktuell nicht kaufen. Sie gehört einer Stiftung, in dessen Kuratorium unter anderem der ehemalige thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel sitzt.

Die Leuchtenburg wurde erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt und beherbergt neben einer Gastronomie auch die Ausstellung Porzellanwelten, die auch im "Tatort" kurz zu sehen war. In einer Szene ganz am Anfang ist außerdem zu sehen, wie Lupos Freundin auf den "Steg der Wünsche" geht und dort aus Wut schreit, nachdem Lupo mit ihr Schluss gemacht hat.

Diesen Steg gibt es tatsächlich auf der Leuchtenburg, er ragt 20 Meter weit ins Tal hinein und ist 35 Meter hoch.

Was Sie vielleicht noch nicht über Trinkschokolade wussten

Ein Mülleimer voller Kakao-Tüten, der Kühlschrank ist ebenfalls vollgestopft mit Schokoladenmilch: Der unscheinbare Polizist Lupo hat eine Leidenschaft für Trinkschokolade – die ihn allerdings das Leben kostet. Doch bei Kakao denkt man erst einmal nicht an tödliches Rizin.

Wenn Trinkschokolade tötet, dann doch wahrscheinlich eher wegen der üblichen Zutaten. So haben 100 Milliliter einer handelsüblichen Kakaomilch stolze 53 Kilokalorien. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Coca-Cola hat rund zehn Kilokalorien weniger.
Dass Polizist Lupo alles andere als ein Feinschmecker ist, zeigt übrigens die Tatsache, dass er seine Trinkschokolade aus einem Trinkpäckchen mit einem Strohhalm schlürft.

Wie ein spanisches Forscher-Team herausfand, schmeckt heiße Schokolade nämlich dann am besten, wenn man sie aus einer Tasse mit einer ganz bestimmten Farbe trinkt. In dem Versuch servierten die Forscher den Testpersonen die gleiche heiße Schokolade in roten, cremefarbenen, orangenen und weißen Tassen. Das Ergebnis: Die Schokolade schmeckte den Versuchspersonen am besten, wenn sie in der orangefarbenen Tasse serviert wurde.

Was für Lupo der Trink-Kakao, ist für seinen Darsteller Schwering-Sohnrey übrigens der Kaffee. Ohne seine morgendlichen drei Tassen, komme er nur schwer in Gang, erzählte er in einem Interview.