Weil es erst am Pfingstmontag einen taufrischen "Tatort" aus Weimar gibt, wird der klassische Sonntagstermin mit einer Wiederholung bedient. Die ist allerdings nicht so alt, wie man bei Ansicht denken könnte. Der Krimi "Bausünden" mit den in Ehren ergrauten Ermittlern Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) lief erstmals im Januar 2018. Damals wusste man noch nicht, wie desaströs der zu diesem Zeitpunkt amtierende Fußballweltmeister Deutschland beim sommerlichen Turnier in Russland abschneiden würde. Die umstrittene WM in Katar 2022 schwang als Hintergrundthema des Films aber schon mit.

Worum geht es im "Tatort: Bausünden"?

Die Empfangschefin eines Kölner Nobelhotels wurde vom heimischen Balkon gestürzt. Gleichzeitig sucht der traumatisierte Afghanistan-Veteran Lars Baumann (Hanno Koffler) nach seiner verschwundenen Ehefrau. Die arbeitet für ein Architekturbüro, das für die Fußball-WM 2022 in Katar baut. Just in jenem Hotel, in dem das Mordopfer angestellt war, organisierte die unauffindbare Frau Baumann Treffen zwischen FIFA-Funktionären und ihren Chefs. Max Ballauf und Freddy Schenk fahnden nach dem Zusammenhang zwischen zwei "Frauengeschichten". Ex-Soldat Baumann ist ihnen dabei keine große Hilfe - im Gegenteil: Während seiner ersten Vernehmung springt er den Ermittlern aus dem fahrenden Wagen.

Warum denkt man die ganze Zeit, dieser Krimi wäre noch älter?

Komponist Klaus Doldinger ist eine lebende Legende. Nicht nur das berühmte "Tatort"-Thema stammt von ihm, sondern auch epische Filmmelodien wie "Das Boot". Doldinger ist mittlerweile 83 Jahre alt und hat erst vor wenigen Wochen ein neues Album veröffentlicht. In "Bausünden" bläst sein Saxofon, als wären die 80-er und 90-er nie zu Ende gegangen. Der Altmeister ist für den Jazzrock-Score dieses Krimis zuständig, der dem Film ein anachronistisch-fiebriges Spannungsgefühl verleiht.

Auch das Drehbuch stammt von einem Veteranen: Autor Uwe Erichsen (Jahrgang 1936) schrieb schon für die WDR-Kommissare Haferkamp (1974-1980) und Schimanski (1981-1991). Regisseur Kaspar Heidelbach, geboren 1954, setzte 1997 den ersten Fall der aktuellen Ermittler, den "Tatort: Willkommen in Köln", in Szene. Mehr "Erfahrung" geht wohl nicht. Leider merkt man dies auch anhand zahlreicher Old-School-Krimi-Klischees binnen 90 Minuten.

Wie urteilten Publikum und Kritik über den "Tatort: Bausünden"?

Dem Publikum gefiel dieser arg konservative Auftritt der meist quotenstarken Kölner: 11,52 Millionen Zuschauer schalteten damals ein. Die Kritik fand jedoch wenig Gutes an den 90 Minuten. "Ein solider Krimi", wohlwollende Umschreibung für "langweilig", war öfter im Pressespiegel zu lesen. Viele Kritiker gingen auf die altmodische Machart des Films ein, der mitunter wie ein Krimi-Baukasten aus dem Vorabend-Programm wirkte. "Ein bisschen wenig für das Jahr 2018" schrieb "Spiegel Online". Die "FAZ" kommentierte: "Der Kölner 'Tatort' verbindet ein Ehedrama mit dilettantischer Wirtschaftskriminalität".

Lohnt sich das Einschalten?

Köln gilt als konservatives "Tatort"-Revier, doch gerade das Beständige der kumpelnden Kommissare und Wurstbuden-Stammkunden wird von vielen Fans geschätzt. Trotzdem kamen von Ballauf und Schenk zuletzt starke neue Fälle: Das brillant beobachtete Familienhass-Kaleidoskop "Niemals ohne mich" (März 2020) und die "Einer flog über das Kuckucksnest"-Psychiatriefilm-Hommage "Gefangen" vom 17. Mai. Der überraschungsarme und ästhetisch biedere Krimi "Bausünden" gehört allerdings zu den schwächsten Kölner Folgen der letzten Jahre. Man darf sich am Abend des Pfingstsonntags also gern etwas anderes vornehmen.

(tsch)  © 1&1 Mail & Media/teleschau