Die Mutter und der Großvater - das waren am Ende so ziemlich die einzigen Unschuldigen. Der Kölner "Tatort" mutete seinen Zuschauer in Sachen Auflösung einiges zu. Ansonsten ging es eher unspannend zu.

Eine Art Verschwörung mit drei Beteiligten lag dem 73. Fall der Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zugrunde. Eine etwas gewagte Drehbuchkonstruktion war das sicher.

So richtig mitfühlen konnte man daher nicht mit den Hauptfiguren im "Tatort: Familien", die mehrheitlich etwas kühl wirkten.

Ausnahme: Wie Jessica Dahlmann (Marie Meinzenbach) leise und laut in ihren wenigen Szenen um ihren überfahrenen Verlobten trauerte, war großes Kino.

Worum ging es?

Die junge Charlotte Ritter (Anke Sabrina Beermann) kam bei einem Unfall auf einem Spielplatz ums Leben. Doch der Mann ihrer Mutter, ihr Freund und ihr Bruder inszenierten daraus einen Entführungsfall, bei dem Charlottes vermögender Großvater um eine halbe Million Euro erleichtert werden sollte.

Der Plan enthüllte sich jedoch erst ganz am Ende des Krimis. Bis dahin tauchte die Polizei, die eher zufällig von der Entführung erfuhr, tief ein in die Geheimnisse von zwei Familien, mit denen es das Schicksal in der Vergangenheit nicht gut meinte.

Wie glaubhaft waren die Darsteller?

Es sind, und das spürt man auch, ziemlich normale Leute, die in diesem "Tatort" in den Mittelpunkt rücken. Keine Exzentriker, keine Lebenskünstler. Tatsächlich rutschen sie dann alle mehr oder minder zufällig hinein in ihre Straftaten.

Oder wie es Regisseurin Christine Hartmann ausdrückt: "Es handelt sich nicht um einen professionellen Mörder, sondern um rechtschaffene Menschen, die sich nie und nimmer vorgestellt hätten, in eine solche Situation zu geraten."

Alle Darsteller spielen das durchaus überzeugend, auch wenn einige Dialoge und Monologe eher referierenden Charakter hatten.

Wie spannend war der "Tatort"?

Das Problem mit dem Titel ist offensichtlich. Nachdem der Film schlicht mit "Familien" überschrieben wurde, war selbst unerfahrenen Krimizuschauern sofort klar, dass hier kein Außenstehender der Täter sein würde.

Blieb nur die Frage, was an diesem Abend wirklich geschah und das Bangen um das Leben der Entführten, was sich nach zwei Dritteln des Films dann erledigt hatte. Nein, sonderlich spannend war die Story sicher nicht, zumal auch der Showdown vergleichsweise unspektakulär ausfiel.

Karussell-Tod - Gab es einen solchen Vorfall wirklich?

Im Jahr 2012 kam ein damals 20-Jähriger in Bayern so ums Leben. Freunde von ihm hielten den Reifen eines laufenden Motorrads an ein Drehkarussell. Der darin Sitzende wurde herausgeschleudert und starb.

Bei Youtube wimmelt es darüber hinaus von genau solchen Videos, die nicht selten mit einem schweren Sturz enden.

Gut, dass mal ein populärer "Tatort" diesen Unsinn, wenngleich nur kurz, zum Thema macht. Schade nur, dass die Schnittmenge jener, die solcherlei Mutproben geil finden, und jenen, die "Tatort" schauen, vermutlich eher gering ist.

Liebt Freddy seine Frau noch? Und wer ist sie eigentlich?

Den 30. Hochzeitstag hat er eben mal vergessen. Versuche, mit Ring oder Blumen das Versäumte wiedergutzumachen, scheitern.

Um die Ehe des Kriminalers Freddy Schenk scheint es nicht zum Besten zu stehen. Und das ja nun seit Jahren. Zumal der Vater zweier Tochter immer seltener freundliche Worte über seine Angetraute findet.

Fest steht - und so ist es auch diesmal: Freddy arbeitet lieber, als zu Hause bei seiner Frau auf dem Sofa zu sitzen. Und die am Ende zum Wogenglätten notwendige Ayurveda-Woche sieht er auch eher wie einen Gefängnis-Aufenthalt.

Übrigens: Tatsächlich tauchte diese ominöse Gemahlin in 21 Jahren Köln-"Tatort" nicht ein einziges Mal auf. Ein beliebtes Rätsel-Element, das man aus einigen Serien kennt. Vorbild war wohl Mrs. Columbo, die einst auch häufig erwähnt, aber nie gezeigt wurde.

Andere Beispiele: Robin Masters aus "Magnum", Charlie aus "Drei Engel für Charlie" oder zuletzt Melvina Wolowitz aus "Big Bang Theory".

Wie gut war der "Tatort"?

Über weite Strecken war dieser WDR-Krimi ein ziemlich konservativ erzählter Entführungsfall, wie es schon so einige im TV zu sehen gab. Zwischen dem interessanten Anfang und der mutigen Auflösung kam er leider nicht ohne inhaltliche Längen aus.

Jedoch: Es war mal wieder ein Sonntagabend-Krimi für all jene, die sich beim "Tatort" nach der eher klassischen Krimi-Unterhaltung sehnen und mit den künstlerischen und erzählerischen Experimenten nur wenig anzufangen wissen.

Wir vergeben demnach eine glatte 3.

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