Endlich ging's mal um Goethe im "Tatort" aus der thüringischen Kulturstadt. Aber ob der alte Dichterfürst diesem Drehbuch wohl seinen Segen gegeben hätte? "Der kalte Fritte" strotzte vor skurrilen Einfällen bis an die Grenze der Gag-Überflutung.

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Was war los?

Jede Menge! Ausgangspunkt einer wilden Krimi-Farce war der geplante Bau eines "Goethe-Geomuseums".

Zwei Parteien hatten sich mit Standorten für den Bau beworben. Ein Dritter, der Mäzen und Milliardär Alonzo Sassen, drohte, mit einer großzügigen Grundstücks-Schenkung an die Stadt dazwischenzugrätschen. Da wurde er des Nachts von einem finnischen Auftragskiller liquidiert.

Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) waren schnell auf der richtigen Spur: Wollte sich einer der anderen Bewerber das Geschäft nicht verderben lassen?

Ergab die Story Sinn?

Eigentlich war das eine Geschichte, wie der konservative "Tatort"-Fan sie liebt. Keine Experimente! Es gab zwei Leichen (den Milliardär und seinen Killer), dann noch eine (einen Architektur-Professor), und die Kommissare Lessing und Kira Dorn befragten ausdauernd einen kleinen Kreis an Verdächtigen.

Darunter den herrlich schnoddrigen Bordellbetreiber Fritjof "Fritte" Schröder (Andreas Döhler). Die Strippen auf diesem Tableau schräger Figuren liefen aber kreuz und quer, sodass mancher Hobby-Detektiv daheim mit einen Knoten in der Hirnwindung ins Bett gegangen sein dürfte.

Wie realistisch ging es zu?

Maximal realitätsfern - wie immer! Nennen wir das Genre einfach: Schwank Noir. Vielleicht schoss der Weimar-"Tatort" hier auch deshalb etwas ins Kraut, weil der Gag-Experte Murmel Clausen erstmals ohne den kongenialen Struktur-Experten Andreas Pflüger das Drehbuch geschrieben hat.

So gab es zwar haufenweise merk-würdige Sinnsprüche und Nora Tschirner mit Strapsen an der Poledance-Stange, aber auch wenig Halt im Strudel der Zoten und Dichter-Zitate. Mit löblicher Ausnahme der beiden in sich ruhenden Kommissare.

Wie waren die Ermittler in Form?

Hervorragend! Christian Ulmen und Nora Tschirner führen sich noch immer auf, als wären ein Germanistikdozent und eine Café-Bedienung ohne erkennbaren Grund im Körper zweier Kriminalbeamter erwacht.

Ihre Kommissarsfragen nach dem Wann, Wo und Wie, jubiliert der Regisseur Titus Selge treffend, "kullern ihnen so trocken aus dem Ärmel, als wären sie eben zum ersten Mal gestellt worden".

Wer spielte die schöne Witwe des Mäzens?

Haben Sie sich auch ein bisschen in die schöne Lollo verguckt? Nun, das ist auch die Spezialität von Shootingstar Ruby O. Fee. Die Kreuzung aus Lolita-Unschuld und Femme fatale hat derzeit keine so gut drauf wie die in Costa Rica geborene 21-Jährige.

Sie machte schon den Kölner "Tatort: Kartenhaus" (2016), die Romanverfilmung "Als wir träumten" (2015) und sogar den SAT.1-Mittelalter-Mumpitz "Die Ketzerbraut" (2017) zu kleinen Film-Ereignissen.

Welchen Spruch sollte man auf der nächsten Party ausprobieren?

"Ich glaub', mein Hering hupt!" - Auch wenn wir ihn niemals so herrlich trocken rüberbringen werden wie der Darsteller von Kripo-Chef Kurt Stich, Thorsten Merten.

Wie gut war der "Tatort"?

Unschlagbar charmant, aber auch unsagbar verworren! Sieht man von dem etwas unnötig pathetischen Western-Showdown im Steinbruch ab, ergibt sich immerhin ein wirklich wasserdichtes Konzept: Den Weimarern ist nichts und niemand heilig. Sie nehmen nicht mal ihre eigenen Pointen ernst.

Wir vergeben eine Drei.