Lena Odenthal untersucht den Mord an einem Ludwigshafener Nachtclubbesitzer. Dabei entdeckt die Kommissarin einen gefährlichen Geschäftszweig: Private Securityfirmen, die nicht nur Türsteher beschäftigen, sondern auch Politiker beschützen. Ein Komparse im "Tatort" entpuppte sich nach Drehschluss als gesuchter Verbrecher. Fünf Fragen zum "Tatort".

Iris Alanyali.
Eine Kritik
von Iris Alanyali

Warum ist die Privatisierung von Sicherheitsaufgaben ein Problem?

Die Beschäftigung von Security-Unternehmen, die wie im "Tatort" von Politikern zur Sicherheit eingesetzt werden, wird von der deutschen Polizei schon länger kritisiert: 1990 hatten private Sicherheitsdienste 56.000 Mitarbeiter, 2016 waren es 233.000. Aber das Gewaltmonopol liegt allein beim Staat, nur er darf in die Grundrechte seiner Bürger eingreifen.

"Wenn wir von Rechtsstaat reden und hohe Qualität hier in Deutschland gewährleisten wollen, dann bedeutet das, dass Sie qualifizierte Leute haben und es bedeutet letztendlich, dass der Staat seiner Verpflichtung nachkommt", erklärte Oliver Malchow, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei 2016 in einem Bericht des Deutschlandfunks.

Die Gefahr liege vor allem darin, dass privaten Firmen auch Aufgaben in sensiblen Bereichen wie Kernkraftwerken, Flughäfen, Häfen oder Asylbewerberheimen übertragen würden.

Für Sicherheitsmitarbeiter gebe es aber nur eine Schulung bei der IHK von 40 Stunden. Und bei der Vergabe von Aufträgen werde, so die Gewerkschaft Verdi, vor allem auf den Preis und weniger auf die Qualität geachtet, und viel zu wenig Personal eingesetzt. Das gelte auch für höher qualifizierte private Mitarbeiter, die inzwischen zum Beispiel die Sicherheitskontrollen am Flughafen übernehmen.

Wenn so jemand "fünf bis sechs Stunden Fluggäste kontrollieren muss, ohne Pause zu haben", so ein Verdi-Vertreter gegenüber dem DLF, "dann passieren auch Fehler, die nicht passieren dürfen in diesem Bereich".

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Könnte man statt privaten Firmen nicht Wachpolizisten einsetzen?

Diese Alternative wird von manchen Bundesländern angewandt, um die hohen Kosten durch ausgebildete Polizeibeamte zu vermeiden, ohne Aufträge an Privatunternehmen abgeben zu müssen.

Denn das Problem liegt, anders als im "Tatort" und manchen Medienberichten suggeriert, weniger darin, dass reguläre Polizeistellen abgebaut werden, sondern eher, dass immer mehr Aufgaben übernommen werden müssen: Das Statistische Bundesamt meldete 2018, dass es Mitte 2017 genau ein Prozent mehr Beschäftigte als 17 Jahre zuvor gab, seit Mitte 2016 betrug der Anstieg sogar 2,1 Prozent.

Die so genannte Wachpolizei wird von den jeweiligen Landespolizeien in drei Monaten ausgebildet, hat weniger Befugnisse und ein niedrigeres Gehalt. Doch auch sie ist umstritten. Sie suggeriert durch ihre Uniformen reguläre Polizeikompetenz, seien den Anforderungen unter Druck aber nicht immer gewachsen.

In Berlin beschützen Wachpolizisten zum Beispiel Regierungsgebäude, in Sachsen Asylbewerberheime.

Es soll nach Drehschluss zu einer echten Verhaftung gekommen sein?

Das stimmt: Für die Szenen im Boxclub (gedreht übrigens im Karlsruher Bulldog Gym) wurden Statisten einer Heilbronner Kickbox-Akademie engagiert. Ein Heilbronner Wochenblatt berichtete über die lokale Fernseh-Connection und interviewte dafür im August 2019 den Italiener Santo Polistena, der stolz erzählte und leichtsinnig seinen richtigen Namen angab.

Dadurch aber - und durch seine Aktivitäten in den sozialen Medien – wurden die italienischen Behörden wieder auf den 1976 geborenen Polistena aufmerksam: Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung" war er unter anderem wegen bewaffneten Überfalls und einer Entführung, die er 2008 begangen hatte, in drei Gerichtsverfahren verurteilt worden, jedoch erfolgreich untergetaucht. Ende April 2020 konnte er dann in Heilbronn festgenommen werden.

Regisseur Tom Bohn kann sich gut an ihn erinnern: "Der Herr stand beim Pressefoto dicht bei mir und war bei Dreh einer der Engagiertesten", erzählt er im Presseheft zu "Unter Wölfen": "Vielleicht hätte er vor seiner kriminellen Berufswahl mal bei uns vorsprechen sollen. Aus dem hätte ein guter Stuntman werden können."

Was wird aus Kater Mikesch?

Der nach einem Kinderbuch benannte Kater Mikesch gehört praktisch seit Beginn von Ulrike Folkerts Kommissarinnen-Karriere 1989 zum Ludwigshafener "Tatort"-Inventar und diente zur Charakterisierung Lena Odenthals als unabhängige Einzelgängerin.

In ihrem 50. Fall 2010 durfte er eine etwas größere Rolle spielen, als die Kommissarin den verletzten Kater mit ins Büro nahm.

Aber 2014 sprach die Fansite "Tatort-Fundus.de" anlässlich von Lena Odenthals 25. Dienstjubiläum mit Darstellerin Ulrike Folkerts über die Zukunft der Kommissarin und die war darüber nicht ganz so glücklich: "Was ich mir wünsche für die Figur, dass man sie weiterentwickelt, weil das ist zu Ende erzählt – das Zusammenwohnen von Kopper und Lena ... Die Katze ... Da muss mal was passieren!"

Nachdem bereits 2018 Odenthals Kollege und Mitbewohner Kopper das Team verließ, fand in "Unter Wölfen" auch die WG mit dem Kater ein trauriges Ende.

Spekulationen, ob Stefano Mazza (Roberto Guerra) ein neuer Mann an Odenthals Seite werden soll, wurden übrigens bereits dementiert. In "Unter Wölfen" hilft der Kollege von der Mannheimer Drogenfahndung den Kommissarinnen bei der Recherche in der Ludwigshafener Nachtclubszene.

Eine SWR-Sprecherin erklärte gegenüber der dpa: "Es gibt keine Pläne, die Figur zu verstetigen."

Warum sitzt der Kriminelle Gerhard Arentzen im Zug?

Der private Security-Unternehmer Arentzen im "Tatort" führt seine Geschäfte von einem Pullmanwaggon aus. George Pullman war im 19. Jahrhundert ein amerikanischer Hersteller von Eisenbahnzügen und gilt als der Erfinder des Schlafwagens.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert war sein Unternehmen so erfolgreich, dass es sich als "das größte Hotel der Welt" bezeichnete.

In "Unter Wölfen" unterstreicht die Eisenbahn den Westerncharakter, den Regisseur und Drehbuchautor Tom Bohn seinem Film geben wollte: "Es ist für mich ein Tatort nach klassischer Western-Mentalität. Und Lena ist – zum Schluss – der lonesome Sheriff, der sich gegen einen sehr mächtigen Gegenspieler durchsetzen muss."

Nicht nur Fans von Italowestern dürften sich da an "Spiel mir das Lied vom Tod" erinnern: In Sergio Leones Klassiker von 1968 spielt die Eisenbahn eine Hauptrolle. Der Film beginnt mit der berühmten Mundharmonikaszene auf einem verlassenen Bahnhof, und auch der skrupellose Eisenbahnmogul Mr. Morton hat sein Büro in einem Salonwagen seines Privatzuges.

Verwendete Quellen: