Es war kein herkömmlicher TV-Krimi mehr, sondern ein Psycho-Horror-Thriller, der ganz tief unter die Haut ging. Die "Tatort"-Fans bekamen mit "Das Nest" am Sonntagabend aus Dresden einen für die deutsche Krimi-Landschaft ziemlich ungewöhnlichen Film serviert.

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In "Das Nest" treibt der unheimliche Serien-Killer Dr. Christian Mertens sein Unwesen und bringt dabei beinahe auch Kommissarin Gorniak zur Strecke - gleich zweimal. Diese Fragen drängen sich nach dem Film auf:

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"Tatort" Dresden: Wer ist die neue Kommissarin Leo Winkler?

Nach dem freiwilligen Ausstieg von Alwara Höfels übernahm in "Das Nest" zum ersten Mal Cornelia Gröschel den frei gewordenen Kommissars-Platz neben Karin Hanczewski alias Karin Gorniak.

Die 31-Jährige ist tatsächlich gebürtige Dresdnerin und freut sich natürlich dementsprechend über ihre neue Rolle: "Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben, dass ich als Tatort-Kommissarin angefragt wurde und zudem auch noch in meiner Heimatstadt. Jetzt kann ich zweimal im Jahr wieder mehrere Wochen an dem Leben meiner Familie teilhaben, die noch in Dresden wohnt."

Das Dresdner Tatort-Team v.l.: Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie "Leo" Winkler (Cornelia Gröschel).

Wie sie selbst im Interview mit dem Portal "Nordbuzz" erzählte, bereitete sie sich auf ihre neue Rolle ziemlich speziell vor - und absolvierte ein Praktikum bei der Polizei.

"Mir war es sehr wichtig, mit echten Polizisten ins Gespräch zu kommen." Sie habe dank eines privaten Kontakts zur Bundespolizei in Dresden zwei Tage mitlaufen dürfen. "Ich habe viel mitbekommen und gelernt, auch den Umgang mit der Waffe."

Gorniak wird schwer verletzt und kämpft danach mit den psychischen Belastungen. Wie oft werden Polizisten wirklich zu Opfern?

In einem Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurden für das Jahr 2017 4.527 Polizeibeamte als Opfer von Gewalt genannt. Doch damit sind natürlich nur die direkten, physischen Verletzungen gemeint, die im Einsatz passieren.

Doch häufig sind es auch psychische Probleme, mit denen Beamtinnen und Beamte konfrontiert werden. Dr. Volker Reinken, Chefarzt der Akutklinik Urbachtal und Spezialist bei der Psychotherapie von Polizeibeamten setzt sich damit täglich auseinander:

"Wichtig zu wissen ist aber, dass häufiger die Ereignisse belastend sind, an denen die Polizeibeamten nur mittelbar beteiligt sind: die Bilder von Unfallopfern, getöteten Personen oder von Personen, die sich suizidiert haben."

Eine Abwehr halte hier lange, aber wenn zum Beispiel etwas dem privaten Umfeld ähnelt oder anderweitig plötzlich sehr unter die Haut geht, bekomme man die Bilder nicht mehr aus dem Kopf: "Dann beginnt möglicherweise die Entwicklung einer Traumafolgestörung."

Der Killer setzt Benzodiazepin als K.o.-Tropfen ein. Entspricht die Wirkung der Realität?

Rechtsmediziner Dr. Lammert spricht von Benzodiazepin, welches von Mertens als Betäubungsmittel eingesetzt wird. In einer Überdosierung würde dies wie K.o.-Tropfen wirken.

Benzodiazepine sind eine Gruppe organischer Verbindungen, die angstlösend, beruhigend, schlaffördernd und muskelentspannend wirken. Die bekannteste Variante ist wahrscheinlich das Medikament Diazepam, auch unter dem Namen Valium bekannt.

Als K.o.-Tropfen werden hauptsächlich die Benzodiazepine Flunitrazepam und Temazepam verwendet.

Welches Medikament Mertens seiner Familie genau verabreicht, wird jedoch nicht klar. Bei einer Überdosierung solcher sogenannten Benzos stellt sich eine tiefe Bewusstlosigkeit ein, die oft auch gepaart mit einer Amnesie ist.

Die Betroffenen können sich an nichts mehr erinnern, erleiden einen Blackout über den Zeitraum der kompletten Wirkdauer. Was allerdings etwas unrealistisch ist: Sowohl seine Tochter als auch seine Frau fallen nahezu im selben Augenblick in Ohnmacht.

Dafür müsste der Arzt jedoch eine genaue Dosierung vorgenommen haben, die auf das Körpergewicht und viele andere Faktoren hätte abgestimmt werden müssen.

Wer spielt den unheimlichen Killer Mertens?

Gespielt wird der gruselige Part vom Schauspieler Benjamin Sadler (48), der im "Tatort"-Universum kein Unbekannter ist. Ab 2011 war Sadler in vier Folgen im Furtwängler-"Tatort" zu sehen. Dort verkörperte er die Rolle des Jan Liebermann, in den sich die Kommissarin Charlotte Lindholm verliebt hatte. 2012 war er allerdings in der Krimi-Reihe das letzte Mal zu sehen.

Dr. Christian Mertens (Benjamin Sadler) und Pfleger Bernd Haimann (Wolfgang Menardi) beäugen sich misstrauisch in der OP-Umkleide. (v.l.)

2006 spielte Sadler in dem Kriegsdrama "Dresden" an der Seite von Felicitas Woll die Hauptrolle. Sein bisher größter Erfolg war allerdings seine Rolle als betroffener Vater im ARD-Zweiteiler "Contergan", für die er 2007 auch mit einem Bambi ausgezeichnet wurde.

Einem jüngeren Publikum wurde Sadler durch ein ganz besonderes Projekt bekannt: In den beiden Kinderfilmen "Wendy - Der Film" und "Wendy 2 - Freundschaft für immer" verkörpert er den Vater der Hauptfigur.

Wann gibt es neue Folgen des Dresden-Spin-offs "Lammerts Leichen"?

Sie sind schon da! Endlich hat die beliebte Webserie "Lammerts Leichen" wieder neue Folgen rund um den schrulligen Gerichtsmediziner Dr. Falko Lammert aus dem Dresdner "Tatort" bekommen.

Im Internet sind alle sechs Episoden der neuen Staffel zu sehen. Natürlich stehen dort auch die Folgen der alten beziehungsweise ersten Staffel zur Verfügung. Gespielt wird Lammert wie gewohnt vom Schauspieler Peter Trabner.

In den kurzen Clips wird das Arbeitsleben des Rechtsmediziners beleuchtet. Pro Folge erleben die Zuschauer den Gerichtsmediziner in kurzen Fünf-Minuten-Clips mit einem seiner Toten.

Auf der Flucht vor der verrohten Welt und seiner anstrengenden Familie kann Falko Lammert seinen Toten stundenlang mit viel schwarzem Humor seine Sicht auf die Dinge erklären, während er sie untersucht und über ihr Schicksal sinniert. Kleine, böse, schwarzhumorige, lustige Storys aus der Dresdener Pathologie. (dr)  © spot on news

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