Zweifelsohne wird wieder diskutiert werden, wie viel Humor ein "Tatort" verträgt. "Event" hat der MDR vorsichtshalber in dicken Lettern über diesen Außer-der-Reihe-"Tatort" mit dem lustigen Titel "Die Fette Hoppe" geschrieben. Es ist bereits beschlossen, dass das Ermittlerduo Kira Dorn (Tschirner) und Lessing (Ulmen) einen weiteren Einsatz bekommt. Doch lohnte es sich, den ersten zu sehen?

Worum geht’s hier eigentlich?

Brigitte Hoppe, eine Weimarer Wurstwarenfabrikantin, verschwindet spurlos. Ihre Thüringer Rostbratwurst namens "Die Fette Hoppe" ist heiß begehrt unter den Weimarern. Die Industriellenwitwe selbst ist indes so beliebt wie Gammelfleisch. Potenzielle Entführer, wenn nicht sogar Mörder, haben die Kommissarin Kira Dorn und Kollege Lessing schnell an der Hand. Recht spät im Film taucht (und noch später: taut) sie dann auf, die Vermisste: tiefgekühlt in einer Eisbox. Ein bisschen morbider Spaß muss sein, wenn die einstigen MTV-Moderatoren Ulmen und Tschirner ihrem speziellen Humor freien Lauf lassen sollen.

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Wie nervenzerfetzend ist die Spannung?

Trockene Pointen sind eindeutig Trumpf in ihren ersten "Tatort"-Beitrag (Buch: Murmel Clausen und Andreas Pflüger; Regie: Franziska Meletzky). Dennoch ist es auch ein akkurat ausgebreitetes Täterrätsel: altmodisch, aber mit viel Liebe zum Detail. Wie in den Krimiklassikern der 50er- und 60er-Jahre darf man vor dem Bildschirm miträtseln und sich über die vielen ironischen Doppelbödigkeiten freuen - wenn man sie erkennt.

Ergibt das alles Sinn?

Der Fall wird sorgfältig von vorne bis hinten erzählt. Allerdings handelt es sich eher um eine gewitzte Hommage an das Fernsehen von gestern als an das wahre mörderische Leben von heute.

Braucht man das Drumherum?

Na klar, der Fall spielt immerhin in der Wahlheimatstadt Goethes und Schillers. Kein Wunder, dass der Kommissar Lessing heißt. In der Touristenstadt wurde nur an den schönsten Flecken gedreht: auf dem Kutschbock übers Kopfsteinpflaster zum Nationaltheater. Das Weimarer Fremdenverkehrsbüro wird sich gefreut haben.

Würde man diese Kommissare im Notfall rufen?

Wer im Notfall auf schnelle Hilfe setzt anstatt auf trockene Witze, ruft besser woanders an. Ansonsten bieten die beiden Polizei-Exzentriker eine ganz herzerfrischende Gesellschaft.

Wie fies sind die Verbrecher?

Der Kreis der Tatverdächtigen ist übersichtlich: der trunksüchtige Touristenkutscher (Dominique Horwitz), Frau Olm (Ramona Kunze-Libnow) vom Ordnungsamt, Sohnemann Sigmar (Stephan Grossmann) und seine nur vermeintlich durchtriebene neue Freundin (Palina Rojinski). Was sie neben dem Mordmotiv noch gemein haben: Sie sind im Grunde ganz nette Menschen. Freundlichere "Fieslinge" sieht man im "Tatort" selten.

Muss man das sehen?

Absolut. Zum einen, weil am zweiten Weihnachtsfeiertag kurz Pause sein muss mit dem Familiensinn. Zum anderen, weil der Humor des eingespielten Duos Tschirner und Ulmen an Treffsicherheit den anderen "Schmunzelrevieren" aus Münster und Saarbrücken überlegen ist. Dieser Eindruck ist aber – wie immer wenn's um Humor geht – Geschmackssache. Oder wie Christian Ulmen sagen würde: "Entweder du checkst es oder eben nicht."

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