Die Prominenten bekommen ständig Schnaps serviert und in den Untertiteln wird der steigende Alkoholpegel eingeblendet: So lässt sich Hugo Egon Balders neue Talkshow "Der Klügere kippt nach" auf Tele 5 zusammenfassen. Wer jedoch endlich eine unterhaltsame Rederunde im TV erwartet, stellt schnell fest: Alkohol ist auch keine Lösung.

Eigentlich rechnete niemand damit, dass dieses Format wirklich jemals auf Sendung gehen würde. Seit Jahren erklärte Hugo Egon Balder immer wieder in Talkshows, er habe eine geniale Idee für ein neues Format. Der Titel: "Der Klügere kippt nach". Die Idee: Eine Show, in der sich Prominente live vor der Kamera betrinken. So richtig ernst nahm das niemand - bis vor einigen Monaten der Münchner Sender Tele 5 verkündete, er würde mit der Show tatsächlich auf Sendung gehen.

... den Kult-TV-Comedians der 1990er rund um Erkan und Stefan?

Die zugrunde liegende Idee ist so genial wie schwachsinnig. Seit Jahren überflutet das deutsche Fernsehen die Zuschauer mit Talkshows, in denen Prominente wahlweise ihr neues Album/Film/Buch verkaufen oder Politiker das eigene Wahlprogramm herunterbeten. Das ist in den meisten Fällen weder unterhaltsam noch erhellend. Ein neues Format, das sich nicht ganz so ernst nimmt und gleichzeitig hinter die Talkshow-Fassaden blickt, war nach dem Ende von "Roche und Böhmermann" mehr als fällig. Gleich vorweg: "Der Klügere kippt nach" ist es leider nicht.

Balder serviert die Schnäpse

In Balders Kneipe "Zwick" auf St. Pauli gedreht, trinken sich die Prominenten bereits vor der Show warm. Um 22:15 Uhr gehen sie dann live auf Sendung. In der ersten Ausgabe sind Paula Lambert (Sexbuchautorin), Bernhard Brink (Schlagersänger) und Ingmar Stadelmann (Comedian) zu Gast. Zum festen Inventar der weiteren Ausgaben gehören Wigald Boning als Talkmaster und - natürlich - Hella von Sinnen als Stammgast. Hugo Egon Balder selbst hält sich im Hintergrund und erscheint nur, um Schnäpse zu servieren.

Und genau hier liegt das Problem: Von Sinnen und Balder funktionierten immer als kongeniales Duo. Sie die Schrille und Laute, er der Ruhige mit den flapsigen Altherrenwitzen, eindrucksvoll zwischen 1988 und 1992 in der RTL-Show "Alles Nichts Oder?!" zu sehen. Trennt man die beiden, bleibt nur die um sich schreiende Von Sinnen zurück, die alle anderen Gäste niederbrüllt. Die kann außer Balder niemand bremsen – und erst recht nicht Wigald Boning, der als besserer Kartenableser fungiert.

Viel zu viel Themen für eine Stunde Sendezeit

Dabei hätte "Der Klügere kippt nach" durchaus Potenzial. Boning stellt das Format als "Podiumsdiskussion unter ärztlicher Aufsicht" dar, die anwesende Ärztin genehmigt sich daraufhin erst mal ein Bier. Das erste Gesprächsthema sind "der Teufel Alkohol" und ob diese Sendung ein "neuer Tiefpunkt im Trash-TV" sei. Nach diesem selbstironischen Auftakt geht es nur noch bergab. Im Fünfminutentakt wechselt Boning die Themen, nach einer Viertelstunde ist man bereits bei "50 Shades Of Grey" und der weiblichen Ejakulation. Dann geht es weiter mit dem abgestürzten Germanwings-Flugzeug und was Gott damit zu tun hat, Männer mit Bärten, Helmut Kohl, die Griechenlandkrise. Das ist viel Stoff für gerade mal eine Stunde Sendezeit, doch wer immer schon einmal wissen wollte, was Hella von Sinnen zu diesen Themen zu sagen hat, wird nicht enttäuscht.

So krankt "Der Klügere kippt nach" vor allem daran, dass Balders ehemalige Showpartnerin den anderen Gästen kaum Platz lässt. Wer sie unterbricht, wird überschrien. Nun hatte man zumindest gehofft, der Alkohol könnte ein paar Wahrheiten ans Licht bringen oder zumindest enthemmen, wie man das aus der ähnlich gelagerten Show "Inas Nacht" kennt; doch Lambert, Brink und Stadelmann halten sich wacker und somit zurück. Hella von Sinnen hingegen (Endstand: sechs mit Strohhalm getrunkene Bier, ein Eierlikör, ein Ouzo) wird erst immer lauter, bis sie sichtlich angeschlagen an Energie verliert. Doch da ist es schon zu spät. Hugo Egon Balder drängt sich in die Runde und erklärt, dies sei ein "Fernsehexperiment, bei dem noch nicht ganz so klar ist, wohin es führt". Die Show ist vorbei. Und wenn sie nicht schnell ein funktionierendes Konzept findet, bald endgültig.