"Supertalent" 2018: "Es fließt auch mal Blut!" - Jury entsetzt über Kandidaten

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"Echt fertig", war Sylvie Meis, nachdem sie am Samstagabend in ihrer Funktion als "Supertalent"-Jurymitglied eine Martial-Arts-Darbietung der extremen Art in Augenschein genommen hatte. Ein echter Schocker, der auch ihren Jury-Kollegen zu weit ging ...

Dabei startete der Abend friedlich. Er liebe es zu flirten. Liebe es, "dass Frauen verführerisch sind". Liebe es, auf der Bühne zu stehen - viele der Sätze des US-amerikanischen Artisten, Hairstylisten und Gymnastikcoaches Benjamin Kirsch begannen mit "I love ..." Und die Jury liebte seine komödiantische Performance, in deren Verlauf er in einem überdimensionalen Luftballon "verschwand". Eine Runde weiter!
Diese unbedarfte Fünfjährige und ihr Plüschschaf Elsa würde Ben Kirsch sicher ebenfalls lieben: "Ich hab die vergessen", gestand die kleine Melissa Malandrino auf die Frage hin, ob sie die Jurymitglieder kenne. Auch aus welchem Land ihre Mama komme, konnte die Halbthailänderin nicht sagen. Den traditionellen Tanz beherrschte sie dagegen wie eine Große. Dreimal Ja!
Es blieb international: Die US-Amerikaner Marvin Scott, David Stanley Johnson und David Roßteutscher wohnen in Nordhausen und sind so gute Kumpel, dass sie das englische Wort dafür, "Fellas" prompt zum Bandnamen machten. Für ihre wild-charmante Mischung aus Oper, Operette, Musical, Jazz und Rock bekamen die drei Tenöre Standing Ovations und dreimal Ja.
Mit Gesang wollte auch der schräge Einzelhandelskaufmann Norbert Ciuca, Künstlername Legolas, überzeugen und wählte dafür "eine der besten Produktionen von dir", wie er Dieter Bohlen schmeichelte: "Glücksmomente" von Prince Damien, dem "DSDS"-Sieger von 2016. War wohl nix: Nach wenigen Takten gab es die ersten Buhrufe und Pfiffe und schließlich drei Nein-Kreuze der Jury.
Auf Selbstüberschätzung folgte Bescheidenheit: "Ich kann Sachen mit Rauch machen", untertrieb David Pablico sein Können. Der 18-Jährige Halbwaise verzauberte mit einer Show, die Dieter Bohlen glatt zum Poeten werden ließ: "Alle, die wir hier sitzen, werden uns irgendwann auflösen. Deshalb war das für mich ein Sinnbild für das ganze Leben." Dreimal Ja!
Mit mehr als nur Rauch hatte der nächste Kandidat, Helmut Orosz, einst zu kämpfen: 2010 war der Top-Ten-Kandidat wegen seiner Kokainsucht aus der RTL-Castingshow "DSDS" geflogen. Drei Therapien später ist er drogenfrei und schlägt sich weiter als Musiker durchs Leben. Ein "Supertalent" sah die Jury aber nicht in ihm. Nur von Dieter Bohlen gab es "aus alter Verbundenheit ein Trost-Ja."
Adrenalin dürfte die Droge der ukrainischen Akrobaten Volodymyr Karvatyuk, Vladimir und Kateryna Snitko sein: Bei ihrem waghalsigen Auftritt stockte nicht nur Bruce Darnell der Atem. Noch schnaufend bekannte der: "Ich hab gedacht, die wird sterben!" Tat Kateryna nicht: Quicklebendig ging es für sie und ihre Kollegen mit drei Ja-Stimmen weiter in die nächste Runde.
Gesang oder Akrobatik sind es nicht, doch irgendwann kam Friseurmeisterin Gülnara Ragimova die Idee, was ihr "Supertalent" ist: Haare schneiden natürlich! "Ich kann das blind." Das wollte sie zeigen, kam aber nicht weit: Bevor sie zum Schnitt ansetzen konnte, gab es drei Nein-Kreuze von der Jury. Vielleicht hätte sie es lieber als Carmen-Geiss-Double versuchen sollen?
Mehr überzeugen konnte ihr US-amerikanischer Kollege Roberto "Rob the Original" Ferrel, der zwei Freiwilligen je einen Juror ins Kopfhaar rasierte. Zwischen 500 und 3000 Dollar berechnet er normalerweise für solch ein Kunstwerk. Ob's auch für die 100.000 Euro "Supertalent"-Preisgeld reicht? Eine Runde weiter kam Rob zumindest erst mal.
Mit hübscher Haarpracht ausgestattet war auch US-Yogalehrerin Nikki Borodi, die sich offenbar nicht entscheiden konnte, ob sie die Jury lieber mit Akrobatik, Gesang oder Musizieren überzeugen sollte. Sie kombinierte einfach alles und zeigte gemeinsam mit Software-Ingenieur Ian Nathan kunst- und kraftvolle Posen, während sie zur Ukulele "Dream A Little Dream Of Me" sang. Dreimal Ja!
Und noch ein Landsmann, Brian Jackson vom Stamm der Cherokee, hatte es über den großen Teich geschafft. 12 Weltrekorde hält der Mann mit den "Lungen aus Stahl", darunter den Weltrekord im Aufblasen von Wärmflaschen. Eine davon brachte er auf der "Supertalent"-Bühne zum Platzen. Sylvie Meis reichte das nicht, die männlichen Juroren wählten ihn aber eine Runde weiter.
Keine Lungen, dafür Arme aus Stahl schien Physiotherapie-Studentin Rieke Kanbach zu haben, die ihre geschmeidige Handstand-Akrobatik zum Teil direkt auf respektive über dem Jury-Tisch absolvierte. "Aus der Nähe sieht man erst mal, wie anstrengend das ist", erkannte Dieter Bohlen: "Du hast Kraft ohne Ende!" Wie er stimmten auch Sylvie Meis und Bruce Darnell mit Ja.
"Unser Stunt ist sehr gefährlich. Das Schicksal entscheidet." Karamjit und Kawaljit Singh von der indischen Gemeinschaft Bir Khalsa, einer Untergruppe der Sikh-Religion, hatten offenbar die Ruhe weg. Einen "Kokosnuss-Stunt" kündigten die letzten Kandidaten des Abends an und gaben zu, dass beim Einstudieren ihrer Nummern auch mal Blut fließe.
Nachdem der arme Bruce Darnell schon den Tod der Akrobatin Kateryna Snitko gefürchtet hatte, wurden seine Nerven zum Schluss der Sendung erneut auf eine harte Probe gestellt. "Ich liege auf dem Boden, um mich herum sind Kokosnüsse, Äpfel und Melonen. Er kommt dann mit dem Hammer, einem Schwert und einer Axt und wird alles zerteilen", erklärte Karamjit den Plan. Ooookaaaaay ...
"Ich glaube, der ist ein bisschen gestört", überlegte Bruce Darnell, als er Kawaljit Salz auf die Augen streuen und zwei Säcke über den Kopf stülpen sollte. Zudem legte Karamjit sich auch noch Bananen zum Zerteilen direkt auf den Körper! Das anschließende Obst-Massaker wurde begleitet von entsetzten Schreien der Jury. "Zu unheimlich!", befanden alle drei und stimmten mit Nein.