Wenn man den Song "Africa" von Toto nicht erkennt, kann man schon mal ausrasten. Klar, man muss nicht gleich wie Joko Winterscheidt, der auf seine Lauscher einfach mächtig sauer war, ein Loch in eine Wand treten. Tom "Mach ihn, mach ihn. Er macht ihn!" Bartels, der am Dienstagabend "Wer stiehlt mir die Show?" moderierte, erinnerte dieser Furor an Klinsmann und Trapattoni. Und obwohl Mark Forster, der zuletzt Winterscheidts Baby entführte, sich vorzüglich um das Kleine kümmerte, musste er es am Dienstagabend wieder seinem Daddy retournieren.

Robert Penz
Eine Kritik

Man wähnte sich beim 1. FC Kaiserslautern auf dem "Betze". Auf dem Betzenberg quasi. Sänger Mark Forster, der zuletzt Joko Winterscheidt buchstäblich die Show stahl, holte nämlich die Atmosphäre des Fritz-Walter-Stadions aus seiner Heimatstadt Kaiserslautern kurzerhand ins Studio. Es schien ihm ein Bedürfnis zu sein. Fantribüne, Schlachtgesang, Trainingsanzug und später sogar ein Nacktflitzer - alles war da.

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"Ich bin leidenschaftlicher Musiker und ich hatte das Glück, dass viele meiner Träume in Erfüllung gegangen sind. Aber es gibt da noch eine Sache: Ich liebe den 1. FC Kaiserslautern. Schon als Kind sang ich die Lieder, pfiff den Gegner aus, bekam Gänsehaut beim Torjubel", zitiert ihn der Sender im Vorfeld der zweiten Ausgabe von "Wer stiehlt mir die Show?".

"Wer stiehlt mir die Show?": Tom Bartels in der Kommentatorenkabine

Kommentiert wurde der hypertrophe, aber durchaus angenehm unkonventionelle Einzug Forsters, aber auch der Rest der Sendung von niemand Geringerem als Tom "Mach ihn, mach ihn, er macht ihn!" Bartels, längst legendärer deutscher Sportkommentator. "Das ist der echte Tom Bartels von der ARD", meinte ein auf sein bombastisches Intro stolzer Forster, nachdem er "You’ll never walk alone" dargeboten und gleich mal den frechen Joko mit einer Gelben Karte bedacht hatte.

Der Musiker ließ auch gleich alle wissen, dass er an diesem Abend keine Gefangenen machen werde: "Ich mach hier die Regeln heute, das ist meine Show.", so der 39-Jährige.

Dessen Herausforderer am Dienstagabend: Komikerin Anke Engelke, Entertainer und Influencer Riccardo Simonetti, Joko Winterscheidt sowie Wildcard-Kandidatin Marie, die laut eigenen Angaben an der Show teilnimmt, um zu belegen, dass sie "doch gar nicht so doof" sei. Eines vorweg: Im Gegensatz zu Palina Rojinski, die sich am Abend zuvor beim "Gipfel der Quizgiganten" nervös und fahrig präsentierte, agierte Forster von Start weg wie eine coole Socke. Durchaus beachtlich.

"Ding-Dong"-Geshake in Runde eins

In aller Kürze zu den Regeln: Die vier Kandidaten kämpften wie immer in drei Gewinnstufen um den Einzug ins Finale, in dem man sich dann mit Forster duellieren durfte. Insgesamt gab es in der ersten Gewinnstufe acht Quizkategorien, hinter denen mitunter - und auch da hob man sich vom "Gipfel der Quizgiganten" deutlich ab - echte Kreativleistung steckte.

"Für mich so ein Altstar, der vielleicht noch ein paar gute Minuten hat", lästerte Tom Bartels vor dem Anpfiff aber noch über Joko ab. Doch der präsentierte sich zunächst mehr aggressiv als gut, trat er doch beim Spiel "O Sole Trio", bei dem bekannte Songs erkannt werden mussten, vor Zorn ein Loch in die Requisitenwand, weil er "Africa" von Toto nicht erkannt hatte.

Highlight des Spiels: Anke Engelke, die in einer Runde lediglich "Skyfall" und sonst nichts heraushörte, schrieb mit "Hey Baby, please shake your Ding-Dong" einfach irgendwas auf ihr digitales Täfelchen. Danke, Anke!

Engelke zündet den Turbo

Richtig beachtlich und natürlich eine Spur ernsthafter präsentierte sich die inzwischen 56-Jährige beim Spiel "Das Cover ist besser als das Original". Anhand von fiktiven Magazintiteln und Headlines musste in dieser Runde auf historische Persönlichkeiten geschlossen werden. Ein Geschichtsquiz also.

Engelke präsentierte jetzt ihren scharfen Verstand und schloss etwa anhand des Magazinnamens "Der Fiskus" sowie den Headlines "Sag ja zum Haar: Die fünf besten Helmfrisuren" und "Blamieren oder Privatisieren" umgehend auf "Iron Lady" Margaret Thatcher. Auch kam ihr anhand der Postille "Hörnix" und den Anreißern "Ohropax im stylischen Pink" sowie "Bonn: wie diese langweilige Stadt ein solches Talent hervorbringen konnte" im Nu Ludwig van Beethoven in den Sinn. Auch Tom "The Voice" Bartels wurde da zum Engelke-Fan.

Joko macht den Superpfälzer

Froster wusste in seiner Show natürlich auch die Pfalz zu inszenieren. "En echter Pälzer raacht ken Hasch. Denn unserer Stoff kummt aus de Flasch", intonierte er vor dem Spiel "Zum Wohl die Pfalz", bei dem er dann in einem Pfälzer Planwagen die Kandidatenschaft mit Fragen rund um seine Hood löcherte.

Winterscheidt, geborener Mönchengladbacher, machte plötzlich einen auf Superpfälzer und konnte sie alle beantworten. Er wusste unter anderem, dass Zwiebel zum Pfälzer Handkäs gehört, welche Bundesländer an Rheinland-Pfalz grenzen und dass Schauspieler Bruce Willis in Idar-Oberstein zur Welt kam. Wildcard-Kandidatin Marie konnte da nicht mithalten, weshalb sie auch nach der Runde die Show verlassen musste.

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Forster wird derb: "Langweiliger Kackjob"

In der sechsten Kategorie hatten die verbliebenen Kandidaten - Engelke, Simonetti und Winterscheidt - Serien anhand der Titelsongs, die allesamt gleichzeitig vorgetragen wurden, zu erkennen. Kein einfaches Unterfangen. "'Akte-X', 'Friends', 'Das A-Team' und 'Die Simpsons' hätte ich. Und dann hab ich einfach noch ein paar Serien aufgeschrieben, die ich schön finde", war es jetzt Simonetti, der nach Engelkes "Ding-Dong" für Gelächter im Publikum sorgte.

Nett auch, dass man sich an diesem Abend auch etwas mehr traute, was auch mal erfrischend Derbes hervorbrachte. So erntete der junge Mann aus dem Publikum, der jetzt nicht so der große Kaiserslautern-Fan war, dies auch gern kundtat und sich zuvor als Angestellter in einem Versicherungs- und Finanzunternehmen in Dresden outete, beinhart ein "Langweiliger Kackjob und Dresden eine hässliche Stadt" vom in Sachen Fußball durchaus sensiblen Mark Forster.

Joko: "Ich weiß sehr viel"

Der nächste, der an diesem Abend die Show verlassen musste, war der sympathische Riccardo Simonetti, der Engelke zwischenzeitlich ein "eiskaltes Monster" rüberschob und mit seinem entsetzten "Dass ich als schwuler Mann Kate Perry nicht erkenne" für einen der Sätze des Abends sorgte. Im anschließenden Halbfinale zwischen Engelke und Winterscheidt, in dem es darum ging, spontan einen Lückentext am Teleprompter mit den fehlenden Worten zu befüllen, bewies Letzterer einmal mehr, wie geistig beweglich er ist.

Engelke, die für ihre Verhältnisse an diesem Abend - vermutlich ihrem Ehrgeiz und ihrer Konzentration geschuldet - ein wenig mit Bonmonts geizte, hatte keine Chance und musste jetzt abtreten. "Mein Name ist Joko Winterscheidt, und ich weiß sehr viel", brüllte der stolze Finalist in die Kamera. Forster musste sich nun warm anziehen.

Joko gewinnt "El Classico"

Moderiert wurde "El Classico", wie Fußball-Aficionado Forster das Finale bezeichnete, von Katrin Bauernfeind. Winterscheidt freute sich bereits darauf, Forster "intellektuell den Hintern zu versohlen". Und er war auch äußerst gut darin, so traute er Forster etwa nicht zu, zu wissen, dass der größte Fisch der Welt der Walhai ist und der Rhein in der Schweiz einspringt.

Und Forster hatte tatsächlich keine Ahnung, weshalb Winterscheidt dafür Punkte erntete und dem Musiker seine Show wieder zurückklaute. Der Sieger des Abends jubelte, lobte aber gleichzeitig den Kurzzeit-Neo-Moderator und großen Verlierer des Abends, der sich tatsächlich als echtes Moderationstalent erwies. Auch bei allen anderen Kandidaten bedankte sich Winterscheidt am Ende der Show. Am Ende seiner Show.