Der idyllische westfälische Wald. Die Natur, so flach wie die Witze von Chris Tall, so beliebt wie die CDU. Eigentlich ist die gesamte Region rund um die hier stationierte "Sommerhaus"-Crew ein genaues Abbild der Union: Wenn man hineingeboren wird, zählt man die Jahre, bis man endlich wegdarf. Und wenn man sich zufällig hin verirrt, denkt man: Scheiße, ich kenne Horrorfilme, die so begonnen haben. Der berühmteste Sohn der Stadt Bocholt ist Simon Terodde, und der findet eserdrei sogar in Gelsenkirchen schöner. Das ist ein bisschen so, als würde Ihre große Liebe sagen: "Klar ist es superschön, mit dir zusammen zu sein, aber bist du mal nachts auf dem Weg zur Toilette voll in einen Legostein getreten?"

Marie von den Benken
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Stichwort höllische Schmerzen: Familie Almklausi hat am Vorabend hochgerechnet mehr Stimmen bekommen als SPD, Grüne und FDP zusammen, nämlich deutliche 4 von 7. Das schmerzt natürlich, zumal sie sich in der Vorwoche noch gänzlich ohne jede Stimme in Sicherheit gebracht hatten. Keine optimale Woche also für den Erfinder der "Mama Lauda"-Folter. Aber auch für das aktuell unbeliebteste Paar gilt die neue Exit-Challenge-Regel, über die sich zuletzt auch Mike und Michelle Monballijn in die Verlängerung retten konnten. Und so treffen sich heute Almklausi und Maritta sowie Jana Pallaske und Sascha zum Showdown auf dem Feld der zerplatzten Träume.

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"Sommerhaus der Stars" 2021: King Mike, der Ehefrau-Stalker

Vorher schlägt aber erst wieder Feminismus-Ikone Mike Cees-Monballijn zu. Ihm missfällt, dass seine Ehefrau im Bad mit Peggy Jerofke spricht. Ohne Notwendigkeit stürmt er das Badezimmer und fordert Aufklärung über die Gesprächsthemen. Als er keine zufriedenstellende Antwort erhält, wirft er seiner Frau vor, sie würde ihn "immer unterdrücken, wenn jemand dabei ist" und sie würde "ihn demütigen". Das ist in etwa so, als würde Bernd Höcke der Linkspartei vorwerfen, sie wäre zu ausländerfeindlich.

Anschließend erteilt er Michelle im Sprechzimmer einen offiziellen Tadel, denn "auf der einen Seite will sie Ruhe, auf der anderen Seite geht sie dann in so Mädchen-Smalltalks rein, da kriege ich einen Hals". Seine Ehefrau sitzt derweil schweigend und mit gesenktem Kopf daneben. Erst als Mike in einem Redeschwall von der epischen Länge einer durchschnittlichen Wagner Oper erläutert, was seine Frau in den wenigen Minuten, in denen sie eigentlich nur mit einer Mitbewohnerin über Gesichtscreme gesprochen hat, alles unentschuldbar falsch gemacht hat, zuckt es endlich einmal kurz in ihr auf: "Ich gehe gleich raus. Ich kann es nicht mehr hören. Ich muss mich so zusammenreißen." Mike reagiert souverän mit einem erneuten Sprechverbot: "Sei mal leise!" Ein schauderhaftes Szenario, das mit seiner Kälte ein beklemmendes Unwohlsein über die Zuschauer an den TV-Bildschirmen ergießt.

Nikeata Thompson kann nicht jeden retten

Diese Hilflosigkeit, die ich bei Michelle Monballijn spüre, und dieser unterschwellige Schmerz darüber, wie ihr Mann sie vor allen Mitbewohnern und der TV-Nation behandelt, machen mich inzwischen wirklich sprachlos. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich mir wünsche, es wären neben toxischen Emotions-Wracks auch noch aufrechte und emphatische Frauen wie Nikeata Thompson oder Annabel Mandeng ins "Sommerhaus" eingezogen.

Beide haben gerade ihren Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse abgesagt, weil dort auch Verlage ausstellen dürfen, die mit ihren ultra-rechts-gesinnten Publikationen und ihrer Führungsriege landläufig als "rechtsradikal" bezeichnet werden. Damit verzichten sie auf eine durchaus relevante Plattform zur Vermarktung ihrer Bücher. Auch wenn das Medienecho zu ihrer öffentlichkeitswirksam inszenierten Absage die auf der Buchmesse verlorene Reichweite womöglich auffangen oder gar übertreffen wird, macht man sich mit einer solchen Entscheidung nicht nur Freunde. Diesen Mut gilt es also erstmal aufzubringen.

Sehr stringente Frauen also, Nikeata und Annabel, die Kollege Mike vermutlich innerhalb von wenigen Minuten gehörig den Kopf gewaschen hätten. Mit all den Dingen, die ihm so ziemlich jeder Mensch, der sich das "Sommerhaus" dieses Jahr auch nur 20 Sekunden angesehen hat, auch gerne nachdrücklich mit auf den Weg geben würde. Selbstverständlich rangieren Nikeata Thompson und Annabel Mandeng im Celebrity-Ranking etwa so weit vor der Belegschaft im RTL-Auffangbecken für Karriere-Deserteure, wie der FC Bayern München vor der Ü60-Mannschaft des TSV Gerbrunn. Eine Teilnahme der beiden ist daher auch für die Zukunft leider ausgeschlossen.

Runaway Bride

Stichwort Bücher. Ich schreibe gerade eins über die faszinierenden Personal- und Agenda-Rochaden in großen Verlagshäusern und habe daher keine Zeit, einen Ratgeber für Michelle Monballijn zu verfassen. Andererseits gibt es natürlich auch schon einen, den ich ihr empfehlen könnte: "Wie werde ich ihn los in 10 Tagen". Obwohl Mike selbstverständlich schuldlos ist.

In seiner Eigenschaft als Dr. Freud der Trash-TV-Szene eröffnet er seiner Frau und dem Publikum die entschuldigende Selbstdiagnose Sexentzug: "Sex ist ein Ausgleich, darum bin ich unausgeglichen. Dann hast du keinen Bock, nett zu sein, weil du kriegst ja eh keinen Sex". Ja, da kann man doch nur sagen: Hauptgewinn! Wer möchte keinen Mann, der nur nett ist, wenn er Sex bekommt.

Wie oft Mike sich wohl ärgert, dass er nicht in den 50er Jahren geboren wurde, wo die Frauen noch nicht solche Zicken waren. Oder wenigstens in Utah bei den Mormonen, wo man mehrere Frauen haben darf. Eine hätte da bestimmt immer Bock. Man hat es eben wirklich nicht einfach als testosteronschwangerer Alpha-Mann in "Sommerhaus"-Quarantäne. Als sich Michelle auch noch erdreistet, kollegial für alle Kaffee zu kochen, platzt Mike endgültig der Kragen: "Du widersetzt dich! Lerne endlich, was an erster Stelle kommt!"

Ich weiß, was du letztes Sommerhaus getan hast

Da kann ich nur noch RTL zitieren, das Michelle Monballijn zuletzt subtil über einen Danger-Dan-Song einen Ratschlag erteilte: "Lauf davon, lauf davon, lauf davon. Lauf davon so schnell du kannst. Und fang irgendwo noch mal von vorne an". Zum Glück lenkt die emotional etwas angespannte Jana Mikes Bannstrahl der Hasstiraden von seiner Frau auf sich ab. Der Mann, der seiner Frau jedes Mal bis auf die Toilette hinterherläuft, um zu kontrollieren, was sie macht, welche Kleidung sie trägt und mit wem sie spricht, findet Janas Verhalten "übertrieben". Lustiger wird es heute nicht mehr.

Obwohl, vielleicht doch. Denn Mike hat natürlich auch zu Jana ein offizielles Sprechzimmer-Statement: "Ich will sie nicht diskrebidieren, aber sie spielt eine Rolle". Ja, Sie lesen richtig. Diskrebidieren. Das ist das Verb zum Hauptwort "Diskrebidion". Unabhängig von seiner Gabe, der deutschen Sprache zuverlässig ganz neue Vokabeln zuzuteilen, ist Mike sicher: "Jana ist einfach nur das Böse. Jeder Horrorfilm hat ein schöneres Ende als sie". Michelle Monballijn nickt traurig in den Abendhimmel. Ja, mit Horrorfilmen kennt sie sich aus. Immerhin ist sie mit Mike verheiratet.

Janageddon – Teil II

In der Exit-Challenge geht es dann wieder um Säcke und in der Luft hängende Mülleimer. Anders als bei den bisherigen Shoot-Outs müssen heute aber die Frauen halten und die Männer werfen. Ziemlich eindeutig geht das Spiel an Jana und Sascha. Das erfreut einige, naturgemäß eher genervt reagiert Mike. Und dann will Jana, jetzt wo sie noch eine Weile bleiben wird, die Wogen glätten. Doch Versöhnungs-Gespräche mag Mike offensichtlich noch weniger, als wenn seine Frau mit jemand anderem als ihm spricht. Der Annäherungsversuch bleibt jedoch weitestgehend unwirksam. Mike schaut Jana nicht mal an: "Wenn sie meine Augen gesehen hätte, wäre sie zur Hölle gefahren". Ob er sich damit selbst zu Luzifer ernannt hat? Wer weiß. Die Friedenspfeife jedenfalls wird von Phrasen-Mike direkt weggepflügt.

Auch Michelles Kapitalvergehen, überhaupt freundlich mit Jana gesprochen zu haben, hat das traditionelle Verbots-Nachspiel. Mike, der sich offensichtlich nicht für ihren Ehemann, sondern für ihren Vorgesetzten hält, schreibt ihr für heute ein ganz mieses Arbeitszeugnis: "Erklär' mir mal, warum du unser Agreement über den Haufen wirfst! Zwinge mich nicht noch mal in so eine Situation! Hier wird nicht eigenmächtig gehandelt!" Lassen Sie das mal sacken! Hier wird nicht eigenmächtig gehandelt. Das bedeutet übersetzt: Du machst das, was ich sage. Und auch Jana bekommt den Zorn des allwissenden und unfehlbaren Mike zu spüren: "Ich habe mehr Wissen über Spiritualität als die, also schiebt man die raus, die Hexe!"

Mit diesen schönen, versöhnlichen und sympathischen Worten ist diese "Sommerhaus"-Woche bereits wieder zu Ende. Nächsten Dienstag geht es dann in die Finalwoche. Irgendjemand aus diesem traurigen Ensemble der Mike-Untertanen wird sich über den zweiten Platz hinter Mike Cees-Monballijn freuen dürfen. Jedenfalls ist das die absolute Überzeugung von Mike. Ob er dann noch glücklich verheiratet ist, darauf möchte ich keine höheren Geldbeträge setzen. Im Teaser für die nächsten Folgen schreit er seine Ehefrau so lange an, bis sie das Sprechzimmer verlässt. Man wünscht ihr von Herzen, dass sie letztendlich nicht nur das Sprechzimmer hinter sich lässt. Dazu aber dann kommende Woche mehr. Bis dann!

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