"Sing meinen Song": Emotionaler Ausbruch von Michael Patrick Kelly

Eigentlich stand in der fünften Folge von "Sing meinen Song" der belgische Songwriter Milow im Mittelpunkt. Doch nicht mit ihm, sondern mit Gastgeber Michael Patrick Kelly gingen die Emotionen durch.

Das Leben und Werk von Milow standen im Fokus der fünften "Sing meinen Song"-Folge. Der belgische Songwriter, der sonst wenig über sein Privatleben spricht, zeigte sich in der Show so nahbar wie vielleicht nie zuvor. Das ging vor allem Gastgeber Michael Patrick Kelly nahe. Warum Milow ihn ganz fest in den Arm nehmen musste, verrät die Galerie.
"Ayo Technology", eine Coverversion von 50 Cent, gehört zu Milows größten Erfolgen. "Ich finde, der beste Weg, dich vorzustellen, ist mit dieser Nummer", sagte Gastgeber Michael Patrick Kelly und holte die Akustikgitarre raus. Der Text sei eigentlich total sexistisch. "Meine Version war eine Parodie", verriet Milow.
Eigentlich hätten sie sich vorgenommen, bei jedem deutschen Wort, das Milow falsch sagt, einen Schnaps zu trinken, scherzte Wincent Weiss. "Aber das wäre zu krass gewesen. Deswegen trinken wir nur bei unserem Lieblingswort: 'unglaublich'." Keine fünf Minuten vergingen, bis Milow es zum ersten Mal sagte. Prost!
Dann ging es endlich los mit der Musik: Johannes Oerding nahm sich "You Don't Know" vor. "Den habe ich geschrieben, als ich Student war, mit 21", erinnerte sich Milow. "Dieser Song hat wirklich mein Leben verändert." Oerding brachte etwas Hip-Hop, Urban Beat und Sprechgesang in seine Version.
Jennifer Haben von der Metal-Band Beyond The Black sang "Out Of My Hands" - ein Song mit einer bewegenden Geschichte: Milow hat ihn geschrieben, nachdem er eine Anfrage eines Fans bekommen hatte. "Sie erzählte, dass ihre Freundin im Krankenhaus war, und fragte, ob ich Zeit hätte, sie zu besuchen", erinnerte sich Milow.
Milow meldete sich ein paar Wochen später - doch es war schon zu spät, das Mädchen war verstorben. "Ich habe in den letzten zehn Jahren gelernt: Es kann sehr schnell vorbei sein. Eine Karriere, aber auch ein Leben", so Milow. Jennifer Haben widmete den Song ihrem Großvater, der erst vor Kurzem gestorben ist.
Als nächstes war Jeanette Biedermann mit "Howling At The Moon" dran. Die Botschaft des Songs: Egal, wo du bist auf der Welt, der Mond ist immer der gleiche und verbindet uns alle. Biedermann verpasste dem Song eine melancholische Note. Milow: "Ich liebe die Version von Jeanette!"
Natürlich durfte auch Milow selbst ans Mikrofon: Er sang seinen neuen Song "Help". Aber irgendetwas stimmte nicht mit seinen Kopfhörern. Michael Patrick Kelly eilte zur Hilfe. "Kriege ich auch einen Glückskuss", fragte Milow. Na klar!
"Help" handelt vom Tod seines Vaters. "Ich habe mir damals keine Zeit genommen, wirklich darüber nachzudenken", gestand Milow. "Irgendwann habe ich gemerkt: Du musst eine Pause machen oder es wird ein Burnout folgen. Im Song geht es darum, zu sich selbst zurückzufinden."
"I never said I loved you", heißt es in dem Stück. "Hast du deinem Vater das wirklich nie gesagt?", wollte Kelly wissen. "Nein, das war nicht unser Stil", so Milow. "Er war ein sehr typischer, dominanter Mann. Er hat niemals gesagt 'Ich liebe dich' oder 'Ich bin stolz auf dich'."
Danach sang Wincent Weiss den ersten Gute-Laune-Song, den Milow je geschrieben hat: "You And Me". "Jede Woche lese ich irgendwo, dass ich ein Psychopath bin", lachte Milow in Bezug auf den humorvollen Text. In Wirklichkeit bedeute jeder Satz genau das Gegenteil davon, was er singe.
Ein Duett mit sich selbst gab Alvaro Soler zum Besten: Halb Englisch, halb Deutsch sang er "Lay Your Worry Down". "Was für eine Überraschung", staunte Milow. "Er hat das gesungen, als ob das sein eigener Song wäre."
Als Letzter im Bunde war Gastgeber Michael Patrick Kelly an der Reihe. Er sang "Way Up High", einen Song, den Milow ebenfalls für seinen Vater schrieb. "Mein Vater war die Quelle für sehr viel Frust. Es gab oft Streit zwischen uns", gab Milow zu. "Seit er gestorben ist, ist es viel ruhiger. Aber ich vermisse ihn."
Danach lag Kelly lange in Milows Armen, musste tief ein- und ausatmen. "Ich glaube nicht, dass ich je auf einer Bühne so viel Schmerz rausgeschrien habe wie heute. Heute Abend ist etwas passiert, was ich selbst noch nicht ganz verstehe", sagte er. Konnte er danach überhaupt weitermoderieren?
Konnte er nicht. Kelly übergab das Zepter an Johannes Oerding. Viel war ja zum Glück nicht mehr zu tun. Milow musste sich nur noch für den Song des Abends entscheiden. Diese Ehre ging an - wen sonst! - Michael Patrick Kelly. Milow: "Das war Kommunikation ohne Worte, aber durch die Musik."