Dirk Stermann, Christoph Grissemann und Heinz Strunk sind wieder auf der Leinwand zu sehen: In "Drei Eier im Glas" wandeln sie als gescheiterte und traurige Figuren durchs Leben - geschmückt mit allerlei skurrilen und schwarzhumorigen Szenen und Zitaten. Im Interview spricht Regisseur Antonin Svoboda über die Arbeit am Film, Bademäntel und nicht vorhandene Sinnbotschaften.

Dirk Stermann, Christoph Grissemann und Heinz Strunk haben sich wieder zusammengetan: In "Drei Eier im Glas" spielen sie gescheiterte Herren, die sich in einer WG dem gepflegten Wahnsinn widmen. Barney Schweinheimer (Dirk Stermann) hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen: Einst als Model international begehrt, dreht er nun Treppenlift-Spots. Der traurige wie trunksüchtige Saxophonist Michael Kiesel (Heinz Strunk) steht unter der Fuchtel seines grundgemeinen Vaters, der ein Pflegefalls ist. Dragan Kuhl (Christoph Grisseman) spielt in seiner Freizeit in seiner riesigen Villa Pingpong. Er betreibt ein Reisebüro, das bizarre Urlaubsträume auf den Spuren von Tod und Zerstörung realisiert. Schlussendlich nimmt das Leben der verkrachten Männer dank Youtube, Tod und Tschernobyl doch noch eine überraschende Wende.

Sie haben das Drehbuch gemeinsam mit Heinz Strunk, Dirk Stermann und Christoph Grissemann geschrieben. Wie kann man sich die Arbeit daran vorstellen?

Antonin Svoboda: Es ist ein längerer Prozess – wir haben fünf Jahre daran gearbeitet, nachdem wir nach dem letzten Film "Immer nie am Meer" eine Pause gehabt haben. Zuerst kursieren Ideen, nicht allzu konkret, man sucht sich ein Thema. "3 Eier im Glas" war nicht die erste Idee, wir haben dazwischen zwei andere Drehbücher ausgearbeitet. Wenn Autoren auch Darsteller sind, ist das ein komplexerer Prozess. Als Regisseur und Co-Autor versuche ich die Ideen zu ordnen und im richtigen Moment als Geschichte zu spinnen. Es hat gedauert, weil die drei Herren ja auch sehr beschäftigt sind. Die Arbeit an dem Film war nicht unbedingt ein herkömmlicher Prozess.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Man muss sich nicht nur mit Ideen, sondern mit ganzen Welten herumschlagen. Dirk, Heinz und Christoph sind Humoristen und schreiben teilweise auch - sie bringen ihre Romanwelten mit. Der Film folgt auch keiner herkömmlichen Dramaturgie. Wir wollten keinem Plot folgen und keine gängige Schiene bedienen. Das sind Herausforderungen, die man auch umsetzen muss. Eine Geschichte muss man formen, wir sind da schon ein paar Mal im Kreis gelaufen.

Dirk Stermann und Christoph Grissemann arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Gab es am Set so etwas wie Selbstläufer?

Nein, das würde ich nicht sagen. Weil eine Inszenierung am Set unterscheidet sich nochmal deutlich vom Drehbuch. Am Set kommen noch Szenenanweisungen, Kameraperspektiven etc. dazu. Die drei haben da auch ihre Mitautorenschaft vergessen und sind voll in den Rollen aufgegangen. Sie wussten, sie können mir vertrauen – und ich konnte mich auf meine Arbeit konzentrieren.

Die Hauptcharaktere sind auch gescheiterte, traurige Figuren – braucht es einen gewissen Mut, um diese Antihelden darzustellen?

Sie sind ja erfolgreich mit dem, was sie machen. Das ist oft nicht Mainstream, sie machen Kabarett, das erstmal nicht zum Lachen ist, dann aber sehr wohl. Sie versuchen über die Blaupause zu kommen – einige Szenen haben den Darstellern schon Mut abverlangt. Aber auch wenn sie sich bei den Dreharbeiten sträuben wollten, konnte ich sagen, sie haben es selber geschrieben. Mutig klingt etwas selbstlobend.

Es geht in dem Film um eine Generation, die mehr und mehr ausgetauscht wird – und es geht um Wellness und Fitnesswahn. Heute ist die Tendenz: man muss mitmachen, dran bleiben und fit bleiben. Wir haben versucht, dem etwas entgegenzustellen, eine andere Art von Wohlbefinden darzustellen. Dafür stehen dann auch die Bademäntel, die die Figuren ab der Hälfte des Films tragen – egal in welcher Lebenssituation. Der Film spricht in leisen Tönen gegen eine Anpassung unserer westlichen, sehr zielstrebigen und kurzatmigen Erfolgsgesellschaft.

Ist das so etwas wie die Hauptbotschaft des Films?

Das mag man ja selber nie so sagen. Das Rauslesen überlässt man gerne dem Publikum und den Journalisten. Ich kann natürlich nicht leugnen, dass wir uns bemüht haben, möglichst wenig Sinnbotschaften zu vermitteln. Wir haben das Gefühl, jede Zeitschrift ist voll mit Ratgebern, wie am besten man leben soll. Wir vermissen da die Fragezeichen und die Leerstellen dazwischen.

Antonin Svoboda wurde 1969 in Wien geboren. Er studierte Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte und an der Filmakademie Wien. 1999 gründete er mit Barbara Albert, Jessica Hausner und Martin Gschlacht die Produktionsfirma coop 99. Als Regisseur drehte er u. a. "Der Fall Wilhelm Reich" (2012) und "Immer nie am Meer" (2007).