Die Dramawochen bei "Promi Big Brother" kollabieren ihrem Höhepunkt entgegen. In vier Tagen ist Finale. Bis dahin werden aber noch viele Tränenbäche die botoxgeschwängerten Wangen der Weltraum-Promis hinabgleiten. Die ersten direkt zum Start in Tag 18.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
von Marie von den Benken
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Pinkel-Prinz Papis Loveday beschwert sich über Ina Aogo. Die Spielerfrau mache ihm immer ein schlechtes Gewissen, wenn er mal das Stille Örtchen aufsucht. Im Raucher-Asyl der Raumkapsel beichtet er Psychologie-Papst Paco unter Tränen sein Pipischam-Dilemma.: "Immer, wenn ich nachts aufstehe, um Pipi zu machen, macht Ina am nächsten Morgen ein Drama."

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Anschließend ist er bestärkt genug, das Thema auch bei Ina direkt anzusprechen. In einem hochemotionalen Gedankenaustausch gesteht Papis Loveday, als Kind hin und wieder ins Bett gemacht zu haben, bis er elf Jahre alt war. Das hat selbstverständlich Spuren hinterlassen. Ein sehr mutiges Geständnis von Papis, das auch Ina berührt. Selbstverständlich konnte sie das nicht ahnen und zeigt echtes Verständnis. Mal abseits aller spöttischen Sätze, die in dieser Kolumne regelmäßig fallen: Man kann niemanden in die Seele schauen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen – und meistens erkennt man es nicht auf den ersten Blick

Sex and the Shitty

Zum Glück gibt es aber auch noch Dr. Danny Liedtke. Der Arzt, dem Trash-TV-Resozialisierungsfälle vertrauen. Der Halbintelligente in Weiß gilt unter D-Promis als Dr. Brinkmann des Weltraums. Seine erste Patientin Melanie Müller empfängt er in seiner provisorischen "Big Planet"-Praxis, dem Whirlpool. Das kennt man aus diversen Arzt-Serien: Leicht bekleidet therapiert es sich besser.

Auch Dr. Liedtke zeigt vollen Körpereinsatz und klärt Melli in einem zotendurchsäten Softporno-Monolog darüber auf, er habe "seit zwei Wochen nicht gekeult", laufe aber dennoch "nicht mit einem Dauerständer rum". Insgesamt zeigt sich Sexoholic Danny stolz, "wie lange ich es aushalten kann, ohne mich anzufassen". Die ihm hilflos ausgelieferte Lyrikerin Müller ("Wir sind Mallorcageil") kann ihm jedoch keine Entspannung zuteilwerden lassen. Sie hat genug eigene Beziehungsprobleme.

Aber auch im "Pasta mit Ketchup" Gourmet-Restaurant der Raumstation geht es um Abgründe fehlgeleiteter Männlichkeit. Eric Sindermann, Deutschlands unbekanntester Top-Modedesigner, und Paco Steinbeck, das einzige Model unter den Superhändlern, geraten in einem testosterongeschwängerten Bitchfight aneinander. Eric brüllt die Raumkapsel zusammen: "Was will dieser Idiot? Seine Zeit ist bald vorbei, meine hat gerade erst angefangen! Der soll Respekt haben!" In totaler Selbstaufgabe kreischt er anschließend seinen Lebenslauf runter: "Ich habe mich vier Jahre hochgearbeitet, google mich mal!" Paco scheint davon wenig beeindruckt: "Muss ich dann jetzt deswegen niederknien?"

"Promi Big Brother": Toxische Männlichkeit am Abgrund

Auslöser dieses verbalen Schwanzvergleich-Desasters ist, dass Eric sich von Paco als Geschäftsmann nicht respektiert fühlt. Eine Frechheit. Wie kann man Eric Sindermann - den Bill Gates der Mode, den Jeff Bezos der Haute Couture, den Barack Obama der Fashion Weeks - für einen nicht mega erfolgreichen Superbusiness-CEO halten? Immerhin steht er mit seiner Burger King-Kindergeburtstagskrone wild fuchtelnd vor Paco und fordert ein, als "Geschäftsmann ernst genommen zu werden". Lustiger ist eigentlich nur noch Armin Laschet, wenn er über das Klima redet.

Aggro-Momente begleiten Sextalk-Legende Sindermann schon länger. Nach einer eher durchwachsenen Karriere als Handballspieler, bei dem ihm die großen Erfolge durch Undiszipliniertheiten verwehrt blieben, gründet er ein Modelabel. Nach nur drei Jahren steht er damit jetzt quasi vor dem großen internationalen Durchbruch, denn aktuell entwirft er wohl (das ist kein Witz!) eine Kollektion für Claudia Effenberg.

Das ist in der Prêt-à-Porter-Welt natürlich ein Ritterschlag. Claudia Effenberg, die Mode-Ikone, die schon Karl Lagerfeld, Hedi Slimane und Yves Saint Laurent zu Höchstleistungen inspiriert hat. Die Coco Chanel der Doppelspielerfrauen gilt als Trüffelschwein für lukrative Eheverträge und Designer-Talente.

Aussprache aus der Hölle

Um neben Danny, Melanie, Papis und Paco die Glatzen-Quote noch mal nach oben zu treiben, schickt Big Brother nach Janine Pink für Paco jetzt Melanie Müllers Ehemann Mike Blümer in den Aktionsraum. Damit sind heute mehr Menschen ohne Haupthaar in Köln-Ossendorf auf der Raumstation als "BILD TV" Zuschauer hat.

Im eher an einen Verhörraum in ZDF-Freitagkrimis erinnernden Date-Zimmer sprechen sich Melli und ihr Ehemann, naja, aus. Fast hofft man, gleich kommt "Derrick" rein, klärt kurz im Vorbeigehen den Fall auf, kittet die Ehe und dann fährt Harry schon mal den Raumgleiter vor. Morgen wird dann Eric überrascht. Ihn besuchen alle Supermodels, die ihn für einen echten Geschäftsmann halten. Günstig für Sat.1, denn Honorare oder Reisekosten fallen nicht an.

Kein Date hat Mike Singer. Einen guten Song aber auch nicht. Egal. Dafür ist sein Name lustig: Mike Singer ist Sänger. Morgen kommt dann Sebastian Koch. Was der wohl von Beruf ist? Diesen Gag überlasse ich Ihrer komödiantischen Fantasie. Die Showacts bei "Promi Big Brother" waren also bisher David Hasselhoff und Mike Singer. Wenn jetzt zum Finale noch Bernhard Brink kommt, hat Sat.1 wirklich alle Generationen Zahnarzthelferinnen abgearbeitet.

Zur Beruhigung schickt Big Brother dann Danny zum Einkaufen. Sein Auftritt am Kühlregal gleicht eher eine Runde Speed-Dating, aber auf Koks. Hinsichtlich der Sex-Enthaltungsnervosität, die er vorab im Whirlpool gestanden hat, macht man sich kurz Sorgen, er würde statt einzukaufen womöglich spontan eine grobe Leberwurst begatten.

Ostern im Welltall

Zum heutigen Duell geht es dann erstmals mit der gesamten Belegschaft in die Arena, wo um schleimige Eier gespielt wird. Und bevor Sie jetzt denken: Schon wieder geht es nur darum, was in Dannys Hose los ist – Entwarnung! Sat.1 ist ein Familiensender. Das Team Big Planet verteidigt seinen Luxusstatus.

Nicht nur deswegen ist Melancholie-Alarm in der Raumkapsel. Nach dem entronnenen Bereichswechsel schicken die Zuschauer auch noch Geheimfavorit Jörg Draeger nach Hause. Der Zonk-Master verliert den Machtkampf gegen den ebenfalls nominierten Paco. Das kommt so überraschend, ich glaube ja, es war ein manipulierter Racheakt der Supermarktbetreiber, nachdem Draeger gestern Nacht die Kasse im Weltall-Späti zerstört hat. Eine Verschwörung der TV-Eliten? Mehr dazu morgen auf dem Telegram-Kanal von Michael Wendler.

Das waren aber noch nicht genug Emotionen. Es gibt noch Videos. Danni entgeht nach einer Grußbotschaft von ihren Kindern nur haarscharf dem Kollaps durch einen inszenierten Nervenzusammenbruch. Der Fachbegriff dafür lautet: Authentizitätsdilemma. Nach dieser oscarreifen Darbietung muss man konstatieren: Die bisherigen Gewinner der "Goldenen Himbeere" für die schlechteste schauspielerische Leistung müssen sich warm anziehen, um ihren Titel zu verteidigen. Mehr Tränen nach seiner virtuellen Postkarte vergießt nur noch Papis. Carmen Geiss sieht aber auch wirklich zum Fürchten aus.

Nominierungstaktieren mit Danni Büchner

Um die Achterbahnfahrt der Apperzeptionen auf die Spitze zu treiben, müssen die verbliebenen Weltraumhelden direkt ein weiteres Mal nominieren. Danni Büchner, das alte Trash-TV-Schlachtross, spielt dabei ihre gesamte Erfahrung aus 15 Jahren Privatfernseherfahrung aus.

Hatte sie am frühen Abend noch Marie nominiert, weil die "bestimmt nicht gewählt wird", entscheidet sie sich in der zweiten Runde erneut für Marie Lang. Das Argument "keiner wählt sie" zieht dabei allerdings nicht mehr, denn Marie stand anschließend auf der Nominierungsliste. Danni wäre aber nicht Danni, wenn ihre Begründungslogik nicht mindestens so flexibel wäre wie der Lebenslauf von Annalena Baerbock. Eine knappe Dreiviertelstunde und den Exit von Jörg Draeger später lautet ihre Begründung daher: "Marie sah so traurig aus, ich glaube, sie möchte nach Hause".

So kann man argumentieren, wenn man nicht zugeben will: Ich möchte möglichst die stärksten Konkurrenten aus dem Weg räumen. Das wäre in einem Format wie "Promi Big Brother" nur verständlich. Es geht am Ende ja nicht darum, neue Freunde fürs Leben zu finden, sondern 100.000 Euro mit nach Hause zu nehmen. Paco Steinbecks und Marie Langs Chancen darauf sind momentan geringer als die der anderen, denn beide sind nominiert. Wer von den Zuschauern abgesägt wird, das verrate ich hier morgen. Bis dann!