Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf ohne Klaas? Der Lange ohne den Lustigen? Kann das funktionieren? Ja, kann es - und zwar sogar ganz gut. Mit seiner neuen Show "Beginner gegen Gewinner" zeigt Joko gestern Abend nicht die Neuerfindung der Samstagabendunterhaltung, aber zumindest, dass er auch solo bestehen kann.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Es dauert gerade einmal bis zum ersten Spiel, da waren die beiden wieder vereint. Zumindest ein bisschen.

Als Moderator Joko Winterscheidt eine kleine Wand aus Gemälden umdreht, die als Hindernis beim Elfmeterschießen gedacht ist, guckt da nicht das Mädchen mit dem Perlenohrring von der Wand, sondern Winterscheidts scheinbar ewiger Show-Partner Klaas Heufer-Umlauf.

Zumindest in Öl auf Leinwand war Klaas also gestern mit dabei, das war es dann aber auch schon.

Der Lange und der Lustige So traten Joko und Klaas alias "Joko & Klaas" all die Jahre auf. Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass die zwei auch ohne einander können.

Das ist, zumindest in Teilen, Geschichte, denn die beiden sind nun auch wieder auf Solopfaden unterwegs.

Heufer-Umlauf hat bei seinen Politiker-Interviews vor der Bundestagswahl bewiesen, dass er nicht nur lustig kann, sondern auch scharfsinnig und lustig.

Und nun hat also auch sein langjähriger Berufslebensabschnittsgefährte Joko Winterscheidt seine eigene Show. "Beginner gegen Gewinner" heißt die und hatte gestern Abend ihre Premiere bei Pro7.

Die Idee

Die Show besteht im Grunde aus zwei Teilen. Im Mittelpunkt stehen die Duelle Beginner gegen Gewinner. Beginner ist in diesem Fall ein Normalo, der einen Profisportler, den Gewinner, in dessen Fachbereich herausfordert.

Da dieses Duell natürlich ein ungleiches wäre, darf sich der Beginner aus drei Handicaps eines aussuchen, das den Profi im Wettkampf behindern soll.

Begleitet werden die Duelle von drei Prominenten im Studio, die eigentlich nichts weiter tun müssen, als auf ihren Stühlen zu sitzen und vor jedem Duell unterschiedliche Geldbeträge zu setzen.

Gewinnt der Beginner das Duell, wandert das Geld in den Finaltopf, verliert er, ist das Geld futsch. Im Finale spielen dann alle Finalkandidaten um das große Geld.

Das ist auf einer Innovationsskala von eins bis Daniel Düsentrieb natürlich nur eine gemütliche drei. Ähnliche Konzepte kennt man aus "Schlag den Raab" oder von der ARD-Show "Klein gegen Groß", bei der Kinder gegen Prominente antreten. Kann aber natürlich trotzdem funktionieren.

Die Wettbewerbe

Sportholzfällen, Shorttrack, 400-Meter-Lauf, Tischtennis, Elfmeterschießen, Weitsprung - alles Wettbewerbe, die sich prächtig für ein TV-Show-Duell eignen.

Wesentlich schwieriger war da sicher die Auswahl der Sportler und der Handicaps, um einigermaßen faire Duelle hinzubekommen. Wie schwer das war, zeigte sich am besten beim Elfmeterschießen.

Hier trat Kandidat Chris gegen den ehemaligen Fußballprofi Arne Friedrich an. Hobbyfußballer Chris hat eigenen Angaben zufolge in seiner, sagen wir einmal Fußballer-Karriere, gerade einmal ein einziges Tor geschossen. Da klingt ein Duell gegen Friedrich natürlich erst einmal unfair.

Zur Einordnung der Schwierigkeit muss man dann aber wissen, dass Abwehrspieler Friedrich auch nicht gerade als Knipser in die Geschichte eingegangen ist. In seinen 82 Länderspielen hat er nur ein einziges Tor geschossen und dafür 76 Spiele Anlauf gebraucht.

In der Bundesliga kam er in 246 Spielen immerhin auf 14 Tore. Ein Elfmetertor war aber nie darunter, weil man bei seinen Vereinen lieber andere als Friedrich beim Elfer hat antreten lassen.

Knapp wird das Duell am Ende dementsprechend nur deshalb, weil Kandidat Chris selbst zweimal verschießt, Friedrich den Ball aber viermal daneben drischt. "Verteidiger. Ist halt so", erklärt Friedrich dann lapidar sein Versagen.

Die Show

Ihren Reiz gewinnt "Beginner gegen Gewinner" auf mehrere Wege. Zum einen natürlich aus dem eigentlichen Duell. Wenn Profis, und seien sie noch so sympathisch wie zum Beispiel gestern Timo Boll, gegen Hobbysportler verlieren, hat das immer seinen Reiz.

Ganz besonders, wenn die Profis sich zusätzlich durch das Handicap zum Affen machen. Richtig fies erwischte es gestern Abend Weitspringer Alyn Camara, der in einem Plastik-T-Rex-Kostüm springen musste.

Dann ist da natürlich noch die Frage, ob sich die Kandidaten auch für das richtige Handicap entschieden haben. Soll Timo Boll lieber mit einer Bratpfanne, einem Handy oder einem Tischtennisschläger mit überlangem Griff spielen?

Und zu guter Letzt sind da noch die Promis und die Frage, ob sie die Kandidaten richtig einschätzen und den richtigen Geldbetrag setzen.

Wie zum Beispiel beim Shorttrack, als die Promis das gewählte Handicap als das schwächste einschätzen und nur 400 Euro setzen, die Kandidatin dann aber die Profi-Sportlerin trotz eines Sturzes eiskalt überrundet.

Das Fazit

Gebrauchte Idee hin oder her: In Summe macht Winterscheidts neue Solo-Show Spaß. Spannende Duelle, witzige Handicap-Ideen und mit Winterscheidt einen Moderator, der zwar nicht durchgehend witzig ist, aber immer angenehm locker.

So muss man am Ende anerkennend feststellen: Der Lange funktioniert auch ohne den Lustigen.