"Pleite unter Palmen": Hunger und Armut - Wenn Auswandern in der Katastrophe endet

Sie hofften auf ein besseres Leben in Übersee - stattdessen leben diese deutschen Auswanderer in bitterer Armut. "Pleite im Paradies", die neue Sozial-Reportage von RTL II, ist beste Anti-Auswanderer-Werbung.

Der Titel der neuen Sozial-Reportage auf RTL II lässt keine Zweifel aufkommen: "Pleite unter Palmen" berichtet über deutsche Auswanderer, deren Pläne für ein besseres Leben im Ausland gnadenlos gescheitert sind. Der 56-jährige Bäcker Heinz ist arbeitslos geworden und muss sich seitdem seine Möbel auf dem Müll zusammen klauben.
"Wir leben in Armut, wir wollen das Land verlassen", sagen Rosa (29) und Ehemann Eugen (29). Sie fühlen sich mit ihren drei Kindern "in Paraguay gefangen". Ohne Ausbildung und ohne Geld haben sie keinerlei Perspektive mehr. Der Plan, einen Bauernhof aufzubauen, scheiterte. Jetzt haben sie nicht einmal mehr Geld für die Flugtickets zurück.
"Hunger macht depressiv", sagt Claudia. Der tägliche Kampf ums Essen belastet auch die Beziehung. Hinzu kommt, dass Claudias Mann Darren eher traditionell denkt - während die 53-Jährige von sich sagt, sie sei "sehr emanzipiert". Streitigkeiten sind an der Tagesordnung. Dennoch bereut Claudia nicht, dass sie ausgewandert ist.
Im Gegensatz zu Rosa: "Uns ging es in Deutschland viel besser. Wir haben auf Hartz IV gelebt", sagt die 29-Jährige. Nachdem sie in einer schäbigen Holzhütte hausten, hat eine Bekannte sie vorübergehend aufgenommen. Vor allem die Kinder leiden unter den bedrückenden Verhältnissen. Eine Tochter erkrankt an Parasiten. Die Eltern: komplett überfordert.
Noch nicht aufgegeben hat hingegen Heinz. Der Bäcker lebt zwar seit drei Monaten in einer Felshöhle auf Gran Canaria, setzt aber alles daran, bald wieder zu arbeiten. "Ich hoffe, mein alter Chef nimmt mich wieder", so der 56-Jährige. Heinz hatte zuvor selbst gekündigt für einen neuen Job auf Ibiza - doch daraus wurde nichts.
Im Müllcontainer seines alten Mietkomplexes wühlt Heinz nach Möbeln für seine Höhle. Dass es einmal so weit kommen würde, hätte der 56-Jährige nie gedacht. Zehn Jahre arbeitete er auf Gran Canaria in seinem Beruf als Bäcker. Alles war gut. Doch als er seinen Job verlor, konnte er seine Miete nicht mehr zahlen und wurde obdachlos.
Peter aus Österreich lebt ebenfalls in einer Felshöhle auf Gran Canaria - er half Heinz in seiner schwersten Zeit. Im Interview mit RTL II lässt er jedoch kein gutes Haar an ihm: "Du siehst schon jetzt aus wie ein 90-Jähriger", lästert er. Viele Auswanderer würden nicht sparen oder alles "für ihre Süchte" ausgeben, schwadroniert er.
Eine sehr gute Meinung hat hingegen Heinz' alter Chef von ihm. Er gibt dem Bäcker eine neue Chance in seinem alten Job - und reagiert bestürzt, als er von dessen Obdachlosigkeit erfährt. "Wir holen dich da raus aus der Höhle", sagt er und organisiert kurzerhand eine vorübergehende feste Bleibe für den 56-Jährigen. Der ist überwältigt vor Freunde.
Claudia hofft, dass Touristen auf Tobago ihre selbst gehäkelten Handtaschen kaufen - doch das Geschäft läuft nur schleppend. Darren und sie haben das Glück, dass sie mietfrei in einem Haus von Freunden leben können. Sie halten es dafür in Schuss. Doch am allerliebsten würde Claudia wieder als Tauchlehrerin arbeiten.
Claudia beschließt eines Tages, direkt zur Tauchschule zu fahren, die an ein beliebtes Hotel angeschlossen ist. Eigentlich kann sie sich die Fahrt mit dem Taxi gar nicht leisten. Vor Ort trifft sie ihren Chef, den sie noch von früher kennt. Er hat gute Nachrichten: Ein Angestellter geht für sechs Wochen in Urlaub - Claudia kann ihn vertreten.
Claudia überbringt die gute Nachricht direkt ihrem Mann Darren - der hat an diesem Tag Geburtstag und freut sich darüber mehr als über jedes Geschenk. Beide wollen auf Tobago bleiben. "Ich hoffe, dass wir eines Tages unser eigenes Haus bauen können", wünscht sich Claudia. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg.
Rosa ist fertig. Sie sucht verzweifel nach der Geburtsurkunde eines ihrer Kinder - ohne die können sie keine Rückreise nach Deutschland bei der Botschaft beantragen. Doch das wichtige Dokument ist nirgendwo aufzufinden. Rosa lässt ihren Tränen freien Lauf. Nach einem Telefonat mit Mann Eugen schöpft sie jedoch neue Hoffnung.
Das Paar erinnert sich daran, dass die Geburtsurkunde ihrer Tochter noch bei einer Übersetzerin deponiert sein könnte - und tatsächlich: Dort findet sie sich an. Jetzt kann die Familie den Antrag beim deutschen Konsulat einreichen. Sie hofft, dass ihr Flug zurück nach Deuschland übernommen wird.
"Sie sind unbglaublich naiv", sagt eine Bekannte über die Familie. Mit Unterstützung eines deutschsprachigen Pfarrers wird die Kostenübernahme für die Rückreise bewilligt. Die 7.000 Euro werden jedoch nur vorgestreckt - Rosa und Eugen müssen das Geld wieder zurückzahlen. Die Probleme werden auch in Deutschland nicht weniger ...