• Tim Mälzer, Haya Molcho, Viktoria Fuchs, Max Strohe, Max Stiegl und Alexander Wulf haben während der Pandemie Videotagebuch geführt.
  • Erschreckend ehrlich berichten prominente Küchenchefs aus "Kitchen Impossible" über ihre Ängste während der Restaurant-Schließungen.
  • Drei Stunden Video-Protokolle, die weit über das Berufliche hinaus gehen - das geht auch dem Publikum an die Substanz.

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Der Tisch ist reichlich gedeckt: Wein und sicherlich erlesene Käsevarianten mit buntem Allerlei vom Frischobst. Diese Stärkung brauchen Gastgeber Tim Mälzer und seine Gastro-Kollegen Haya Molcho, Viktoria Fuchs, Max Strohe, Max Stiegl und Alexander Wulf aber auch, denn beim Talk über ihre Erlebnisse und Schicksalsschläge während der zwangsweisen Schließung ihrer Betriebe gehen sie über die lange Distanz. Drei Stunden Video-Protokolle, laut Mälzer ein weltweit einzigartiges Projekt, über ihre Hoffnungen und Enttäuschungen während der Lockdowns 2020 und 2021, die weit über das Berufliche hinaus gehen - das geht auch dem Publikum an die Substanz.

Endloses Vakuumieren

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Sechs Gastro-Profis, die die Pandemie in die Knie zwang - zum Glück nur vorübergehend. Tim Mälzer (3.v.l.) hatte die Idee, dass jeder von ihnen Videotagebuch führen sollte.

Über einem guten Essen im Austausch sein: Genau das ist es auch, was nicht nur kulinarische Genießer, sondern auch die dafür Zuständigen seit März 2020 über eine vorher unvorstellbar lange Zeit entbehren mussten. "Corona kam wie eine dunkle Wolke", erinnert sich Mälzer und zeigt sich immer noch sichtlich "angefasst" von der Unsicherheit dieser Monate, von Mitarbeitern in Kurzarbeit, Geldverlust und "endlosem Vakuumieren", um die für feines Porzellan gedachten Kreationen im Take-Away-Gewand zu den nicht freiwillig daheim Dinierenden liefern zu können.

Um sich mit der Herausforderung nicht allein zu fühlen, aktivierte Medienprofi Mälzer bereits zu Pandemiebeginn befreundete Küchenchefs, die Krisenphase privat zu dokumentieren: Wie sehr geht es ihnen professionell an den Kragen? Was macht es mit ihnen und ihrem Umfeld?

Tim Mälzer: "Ich stand vor einer Mitarbeiter-Triage"

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"Ich fühlte mich wie ein Versager": Die Coronakrise traf auch Starkoch Tim Mälzer bis ins Mark.

"Wir wussten ja alle nicht, wie lange es gehen würde", fasst Mälzer die Grundsorge zusammen. "Das Schlimmste am dreiwöchigen Lockdown sind die ersten fünf Monate." Dass es ihm und den anderen Betroffenen aus Deutschland und Österreich allerdings um mehr geht als die "unwürdige" (Wulf) Verpackung ihrer luxuriösen Schöpfungen, zeigt sich in einer Rückblende zu einem emotionalen Auftritt bei "Markus Lanz" im Mai 2021: "Ich hatte blanke Angst, dass alles, woran ich glaube und wofür ich die letzten 30 Jahre gearbeitet habe, ohne mein Verschulden den Bach runtergeht", so Mälzer. Besonders die Verantwortung für sein perspektivloses Team ("Ich stand vor einer Mitarbeiter-Triage") machte ihm zu schaffen: "Wir standen und stehen alle unter enormen Stress. Und immer die Frage: Wie weit kann man mit seinen eigenen Mitteln gehen?"

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"Wir haben unsere Gäste unterschätzt": Die Unterstützung vieler Heim-Gourmets brauchte Viktoria Fuchs und ihr Hotel "Spielweg" durch die Krise.

"Danke, dass du Mut und Gesicht gezeigt hast und zu unserem Sprachrohr wurdest", dankt ihm Max Strohe vom Sterne-Restaurant "Tulus Lotrek" in Berlin. Auch Vicki Fuchs vom Schwarzwälder "Spielweg" rechnet es Mälzer hoch an, dass es ihm nicht nur um seine eigenen Läden, sondern die ganze Gastronomie-Branche ging. Sie selbst stand "mit meinen 29 Jahren" als vorzeitig berufene Geschäftsführerin des "Spielweg" im Frühjahr 2020 vor "zwölf Azubis, die wissen wollten, wie es mit ihnen weiter geht".

"Mich hat alles angekotzt"

Überforderung spürte auch Alexander Wulf, der ausgerechnet im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg ein Gourmetrestaurant betreibt. Schlaflosigkeit und "depressive Anwandlungen" waren da nur das geringste Übel: Das Sortiment lokaler Spezialitäten, das Wulf statt des Restaurantbetriebs zusammenstellte, wollte, vermutlich aufgrund der Herkunft aus dem "deutschen Wuhan" (Max Strohe), kaum jemand haben. "Mich hat alles angekotzt", so Wulf: "Auch die Lieferei - ich liebe doch das blöde Kochen! Du legst die Seele in ein Gericht, um es dann zu vakuumieren."

Völlig ausgehungert

Seine Kollegen zeigten sich da offener: Vicki Fuchs wurde zur Delikatessenboxen-Expertin, deren Kochanleitungen die Kunden gerne aufgriffen ("Ich habe unsere Gäste unterschätzt"), und Max Stiegl, der mitten in der Pandemie österreichischer "Koch des Jahres" wurde, verlegte sich kurzzeitig auf Gourmet-Take Away für Haustiere.

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"Wir haben verlernt zu verzichten": Haya Molcho vom Wiener "Neni" sieht die Krise philosophisch.

Der Berliner Szene-Gastronom The Duc Ngo erinnert an den Müllberg an Verpackung, während Max Strohe spätestens zum Wiedereinstieg im Mai 2021 moralische Bedenken kommen: "Ist es pietätlos, trotz Pandemie ein 8-Gänge-Menü anzubieten?" Sei es denn überhaupt "angemessen, sich wieder auf Fressen und Saufen zu freuen?", stellt Tim Mälzer die ultimative Frage. Da verweisen alle Anwesenden auf ihre nicht nur kulinarisch ausgehungerten Gäste: Die Antwort laute "Ja!" und das Gefühl "fühle sich fast an wie Sex", vergleicht es Alexander Wulf.

Doch bei aller Lebensfreude: "Ich find's krass, was es immer noch mit dir macht", reflektiert Vicki Fuchs beim Sichten des Archivmaterials. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen, mussten unsere Visionen anpassen, aber sind, auch dank der Hilfen, wieder da", resümiert Mälzer. Klagen auf hohem Niveau? Und wenn: "Ich glaube, das ist derzeit erlaubt." (tsch)  © 1&1 Mail & Media/teleschau

Hans Rosenthal
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