Muskelmänner, die sich an Stahlträger klammern. Das ist das RTL-Rezept für die Ferienmonate. Bei "Ninja Warrior Germany" treffen Profi- und Hobbyathleten auf einen knallharten Hindernis-Parcours. Das ist trotz gewisser Längen sogar recht unterhaltsam – wenn nur nicht die Moderatoren wären.

Ein Kommentar
von Felix Reek, Freier Autor

Das Fernsehen steckt mitten in der Sommerpause. Woran man das erkennt? Dass es TV-Shows wie "Ninja Warrior Germany" auf den besten Sendeplatz der Woche schaffen: den Samstagabend.

Das Format aus Japan, das dort seit 1997 zweimal im Jahr unter dem Namen "Sasuke" den kompletten Fernsehabend füllt, hat Ableger in mehreren Ländern und wird dort meist in knackigen 60 Minuten ausgestrahlt. In Deutschland hat RTL daraus eine zweistündige Show gemacht.

Am Ende winkt ein satter Gewinn

Das Konzept ist simpel: Eine Reihe von Kandidaten muss einen Parcours mit Hindernissen durch Geschicklichkeit und Kraft meistern. Nach mehreren Vorrunden entscheidet sich im Finale der Showreihe, wer 100 000 Euro gewinnt und sich "Ninja Warrior Germany" nennen darf.

Den Auftakt macht Robert aus Berlin. Der Stuntman hat eine ausgeprägte Vorliebe für zu enge T-Shirts, es soll schließlich jeder sehen, dass er allmorgendlich um sechs Uhr aufsteht, um zu trainieren. "Da dürfte der Parcours hier ja kein Problem sein", sagt er.

Bei der ersten Aufgabe muss er fünf angeschrägte Plattformen durch Springen überqueren. Danach an einer Art Sandsack über einen Abgrund schwingen, eine Rolle zu Fuß passieren, ins Netz hechten und ohne Wasserberührung mit dem Rücken nach unten entlanghangeln. Die Freundin von Robert läuft die ganze Zeit brav lächelnd an der Seite des Parcours entlang.

Beim Schwingen an den Ringen bekommt der Stuntman allerdings Probleme. Er bleibt wie ein nasser Sack hängen. Da nützen keine Muskeln mehr. Er knallt ins Wasser. Die Freundin schlägt die Hände über dem Gesicht zusammen und der Buzzer aus "Geh aufs Ganze" ertönt. Jetzt wissen wir zumindest, was der Zonk inzwischen macht.

Carey hat große Probleme mit dem Reißverschluss ihres Tauchanzugs.

Thorsten Legat soll auch antreten

So geht das 80 Minuten lang weiter. Ohne große Unterbrechung versuchen sich die Kandidaten an dem Parcours. 60 sind es pro Folge, 240 insgesamt. Piercer, Hausfrauen, Pole-Dancerinnen, Bodybuilder, ein Kerl im Spiderman-Kostüm. Der ganz normale Kosmos des Kölner Senders. Unterbrochen immer wieder durch Profisportler, die ihr Glück versuchen. In der Auftaktsendung zum Beispiel Boxweltmeisterin Nicole Wissmann. In weiteren Folgen sollen unter anderem die Ex-Fußballer David Odonkor und Thorsten Legat antreten.

Das alles könnte ganz unterhaltsam sein, wenn es das Moderatorentrio nicht gäbe. Jan Köppen und Frank Buschmann reden sich um Kopf und Kragen, Außenreporterin Laura Wontorra fällt kaum auf. Wie Waldorf und Statler aus der "Muppet Show" sitzen Köppen und Buschmann in ihrer Loge und quasseln auf Autopilot sinnentleert mehr zu sich selbst als zum Zuschauer.

Das kennt man von der US-Ausgabe, die im Moment der Schwestersender RTL Nitro ausstrahlt, doch den beiden Kommentatoren gelingt das Kunststück, selbst das so zu unterbieten, dass man sich bereits nach wenigen Minuten wünscht, sie würden doch nur einmal kurz die die Luft anhalten. Stattdessen muss der Zuschauer Sätze wie "Alle drei im Finale am 30. Juli, wenn es um die Wurscht geht. Oder vielmehr um den ganzen Grill", ertragen. Das kann man lustig finden, muss man aber nicht.

An der Umsetzung hapert es

Dass das auch anders geht, zeigte RTL 2 vor einigen Jahren, als sie das japanische Original ausstrahlten. Da übernahmen die beiden Comedyautoren Norman Cöster (unter anderem "Bernd das Brot") und David Cromer die Moderation und brachten zumindest etwas absurden Witz in die Show. Besser kann das nur noch der ehemalige Sprecher der "Harald Schmidt Show" Peter Rütten, der in ProSiebens ähnlich gelagerten "Crash Games" das sinnentleerte Geschehen auf dem Bildschirm als Vorlage für einen Ein-Mann-Comedy-Marathon nutzt.

Von Buschmann und Köppen kann man das leider nicht behaupten. Zum Glück hat der Dauerkommentar der beiden aber einen so belanglosen Charakter, dass er nach einer halben Stunde nur noch als Hintergrundrauschen wahrgenommen wird. Spätestens dann funktioniert "Ninja Warrior Germany" erstaunlich gut. Wenn zum Beispiel drei Freunde, die in ihrer Freizeit unter anderem Parcours betreiben, mühelos die Hindernisse passieren. Und ihnen das in der zweiten Runde noch einmal gelingt, die sie fürs Finale am 30. Juli qualifiziert.

Dann zeigt sich die Eleganz der Show, die man aus YouTube-Schnipseln kennt, die immer wieder in sozialen Netzwerken auftauchen. Was nichts daran ändert, dass es an der Umsetzung hapert. Aber RTL hat ja noch einige Shows Zeit, das zu optimieren. Und falls es nicht gelingt: Das nächste Sommerloch kommt bestimmt.