Netflix setzte zuletzt einige beliebte Serien ab. Der Streaminganbieter verfolgt mit dieser Vorgehensweise ein klares Ziel. Künftig könnten noch mehr Serien betroffen sein.

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Eine Serie wird solange fortgesetzt, wie sie erfolgreich ist. So lautet ein Grundsatz, der in der Unterhaltungsbranche jahrzehntelang Bestand hatte.

Umso überraschender kam in letzter Zeit das Aus für einige der beliebtesten Serien bei Netflix. "Orange Is The New Black" wurde nach sieben Staffeln und 91 Episoden abgesetzt, für andere Formate kam das Ende noch viel früher. Die Serie "The OA" etwa fand eine treue Fangemeinde, trotzdem wird sie nach zwei Staffeln nicht fortgeführt.

Selbst "Stranger Things", das Aushängeschild des Streamingdienstes schlechthin, bekommt im nächsten Jahr ebenfalls nur noch eine vierte Staffel, dann ist Schluss.

Netflix fährt also offensichtlich einen neuen Kurs, bei dem der Großteil der Serien auf wenige Staffeln begrenzt werden soll. Die deutsche Erfolgsserie "Dark" beispielsweise wurde von vorneherein nur auf drei Staffeln ausgelegt und wird 2020 enden.

Auch für "The Rain" ist nächstes Jahr nach drei Staffeln das Ende gekommen, genauso wie für "Tote Mädchen lügen nicht" nach immerhin vier Staffeln.

Aber warum setzt Netflix so viele Serien ab, die gefühlt ihren Zenit noch nicht überschritten haben? Antworten darauf gibt es mehrere, wenig überraschend haben sie alle mit Einnahmen- und Gewinnmaximierung zu tun.

Netflix will neue Kunden gewinnen

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Zunächst einmal gelten die bisherigen Gesetze der Unterhaltungsbranche für Netflix nur bedingt. Ein Netflix-Film muss keine Tickets an der Kinokasse verkaufen, eine Serie keine Werbeeinnahmen generieren.

Es geht einzig und alleine darum, die derzeit rund 160 Millionen zahlenden Abonnenten zu halten und, wichtiger noch, neue dazuzugewinnen. Ein wachsender Kundenstamm ist das, was die Aktionäre wollen, das Geschäftsmodell ist auf stetiges Wachstum ausgelegt und angewiesen.

Und zur Vermehrung der Kundenzahl trägt nach Einschätzung der Netflix-Verantwortlichen die Präsentation von immer wieder neuen Formaten besser bei als die Fortsetzung von erfolgreichen Formaten.

Während die Fans von "Orange Is The New Black" dem Streaminganbieter über die Jahre treu geblieben sein dürften, gewinnt man mit der Ankündigung einer fünften oder sechsten Staffel wohl kaum neue Kunden dazu. Dann schon eher mit einem frischen Format, das aggressiv beworben wird und potenzielle Neukunden neugierig machen könnte.

Steigende Gebühr macht Serien immer teurer

Das Gefühl, mit dem Anschauen neuer Serien nicht mehr hinterherzukommen, täuscht also nicht. Der Geschäftsbericht des vergangenen Jahres wies die enorme Summe von 19,3 Milliarden US-Dollar aus, die für "Streaming Content Obligations", also für geplante Eigenproduktionen und den Ankauf von Serien und Filmen, vorgesehen sind.

Netflix beauftragt mit diesen Mitteln Produzenten und geht dabei in Vorleistung. Wie das Film- und Fernsehportal "deadline.com" berichtete, zahlt Netflix den Produzenten dabei auch eine Gebühr, die bei jeder weiteren Staffel exponentiell steigt.

Was ein weiterer Grund ist, warum es immer weniger langlebige Serien gibt. Denn jede Fortsetzung wird dadurch teurer, der Gewinn sinkt. Aus Sicht des Streaminganbieters ergibt es also Sinn, nur eine begrenzte Anzahl an Staffeln zu bestellen.

Auch Marvel-Serien werden abgesetzt

Zuletzt wurden auch Marvel-Serien wie "The Punisher" oder "Jessica Jones" abgesetzt. Hier ist der Grund aber ein anderer: Die Zusammenarbeit mit dem Comic-Konzern wurde beendet.

Was wiederum damit zusammenhängen dürfte, dass Marvel Entertainment vor zehn Jahren von Disney übernommen wurde. Da Disney Ende des Jahres in den USA mit Disney+ ein eigenes Streaming-Portal startet, wird Marvel-Content künftig dort zu sehen sein.

Dies gilt ebenso für Star Wars- und Pixar-Filme sowie die Eigenproduktionen und Klassiker Disneys, weshalb Disney+ aus dem Stand ein starker Rivale für Netflix sein dürfte.

Apple drängt auf den Markt

Auch Apple drängt auf den Markt, mit Amazon Prime ist ein weiterer Big Player längst im Geschäft. Zuletzt war teilweise schon von einem drohenden Streaming-Krieg die Rede.

Das Werben um Neukunden dürfte künftig also immer heftiger werden. Was die Inhalte angeht, fährt Amazon Prime dabei die gleiche Strategie wie Netflix und produziert kaum eine eigene Serie, die mehr als vier Staffeln hat.

Streaming-Fans müssen sich also darauf einstellen, dass Serien künftig nicht mehr so langlebig sein könnten wie früher. Und sie sollten gleichzeitig die Daumen drücken, dass die eigene Lieblingsserie nicht von einer vorzeitigen Absetzung betroffen ist.

Quellen:

  • Deadline.com: Feeling The Churn: Why Netflix Cancels Shows After A Couple Of Seasons & Why They Can’t Move To New Homes
  • Chip.de: Netflix: Warum so viele Serien schnell wieder abgesetzt werden
  • Moviepilot.de: Orange Is the New Black: Mit dem Ende ist das alte Netflix endgültig tot
  • bgr.com: Why Netflix canceled ‘The OA,’ and why your favorite streaming show might be on death row too
  • Sueddeutsch.de: Was wirklich hinter den guten Netflix-Zahlen steckt

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