Marlon Brando: Die größten Filme des legendären Charakterdarstellers

Am 3. April wäre Marlon Brando 95 Jahre alt geworden. Bis heute gilt der Schauspieler als einer der wichtigsten Charakterdarsteller der Filmgeschichte. Dazu gehören besonders seine Rollen in "Endstation Sehnsucht" (1953) und "Der Pate" (1973). Seinen Ruhm hat er vor allem der damals noch ungewöhnlichen Schauspieltechnik, dem "Method Acting" zu verdanken. Aber auch sein rebellisches, unangepasstes Wesen machten seine einzigartige Persönlichkeit aus. Die größten Filme des US-Schauspielers … © spot on news

Die Verfilmung von Tennessee Williams' Drama "Endstation Sehnsucht" (Originaltitel: "A Streetcar Named Desire", 1951) sollte nicht nur Filmgeschichte schreiben, sondern auch zum Wendepunkt für Marlon Brandos Karriere werden. Brando verkörperte darin einen damals neuartigen männlichen Sexappeal. Statt den üblichen Draufgänger mimte er den launenhaften, von Selbstzweifeln geplagten Typ. Gleichzeitig nabelte er sich mit dem Film vom Broadway ab, wo er immer wieder bei seinen Vorgesetzten aneckte.
In "Viva Zapata!" (1952) verkörperte Brando den mexikanischen Revolutionsführer Emiliano Zapata. Während der Dreharbeiten erhielt er allen Spielraum, um die innere Zerrissenheit seiner Figur nach eigener Intuition rüberzubringen. Für diese Leistung wurde Brando für einen Oscar nominiert. Brando selbst soll von seinen schauspielerischen Qualitäten aber enttäuscht gewesen sein, heißt es.
Im nach Shakespeares Bühnenstück adaptierten Film "Julius Caesar" (1952) verkörperte Brando die Rolle des Antonius, welcher er sich eigentlich nicht gewachsen fühlte. Ihm fehle die Bildung, weil er zu oft die Schule geschwänzt hatte, erklärte er damals. Doch die Kritiker waren mal wieder überzeugt und so bescherte ihm diese Rolle seine bereits dritte Oscar-Nominierung.
Jener Film, der Brando zum Idol der rebellischen Jugend machen sollte: "Der Wilde" (1953). Seine Rolle des Johnny Strabler, Anführer einer Jugend-Motorrad-Gang, beeinflusste die Jugendkultur der 1950er-Jahre maßgeblich. Und zwar derart, dass er in Deutschland für die damals stattfindenden "Halbstarken-Krawalle" mitverantwortlich gemacht wurde.
Brando nahm die Hauptrolle für das Hafenarbeiter-Drama "Die Faust im Nacken" (1954) nur widerwillig an. Dabei wusste Regisseur Elia Kazan nur zu gut über sein herausragendes Improvisations-Talent Bescheid und ließ Brando schauspielerisch freien Lauf. Offenbar die richtige Entscheidung: Die Art, wie Brando es bei den Dreharbeiten vermochte, sein Innerstes preiszugeben, bescherte ihm seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller.
Dass Marlon Brando in "Désirée" (1954) wieder eine historisch bedeutende Persönlichkeit, nämlich den jungen Napoleon Bonaparte, verkörpern durfte, hatte er seinem außergewöhnlichen Charisma zu verdanken. Und er war sich dessen absolut bewusst. Seine Sexsucht war kein Geheimnis, ebenso werden ihm Affären unter anderem mit Marilyn Monroe und Marlene Dietrich nachgesagt. Erotischen Begegnungen mit Männern war er eigener Aussage nach ebenfalls nicht abgetan.
In "Meuterei auf der Bounty" (1962) spielt Brando den ersten Offizier Fletcher Christian, der es wagt, sich dem tyrannischen Kapitän Bligh zu widersetzen. Ein Meilenstein der Filmgeschichte. Und auch für Brando selbst. Angetan von der Schönheit des Drehortes Tahitis, gönnte sich der Weltstar ein eigenes Südsee-Atoll. Sein Plan, auf der Inselgruppe eine Kolonie für Künstler und Intellektuelle zu errichten, erwies sich allerdings als undurchführbar.
"Der Pate" (1973) von Francis Ford Coppola belegt laut IMDB (Internet Movie Database) bis heute Platz zwei der Liste der besten Filme aller Zeiten. Die Rolle des Mafia-Paten Don Vito Corleone war dem damals 46-jährigen Marlon Brando wie auf den Leib geschnitten, da ihn Themen wie Macht und Kontrolle zeitlebens beschäftigten. Und genau das machte er auch wenig später zum Politikum. Den Oscar, den er für seine Rolle bekommen sollte, nahm er nicht an. Damit wollte er auf die unterdrückten Bürgerrechte der amerikanischen Ureinwohner aufmerksam machen.
"Der letzte Tango von Paris" (1972) wird bis heute als herausragendes erotisches Meisterwerk gefeiert. Doch darum ging es Regisseur Bernardo Bertolucci nach eigenen Angaben gar nicht. Er wollte vielmehr das Psychogramm eines Mannes in sexueller Obsession, Isolation, Trauer, Schmerz und Verzweiflung zeichnen. Es heißt, dass Brando während der Dreharbeiten mehr von seiner eigentlichen Persönlichkeit offenbarte als in jedem anderen Film.
"Apocalypse Now" (1979) gilt nach wie vor als einer der wichtigsten Antikriegsfilme und er wurde zu einem weiteren Meisterwerk von Francis Ford Coppola. Brando, der bei den Dreharbeiten bereits 110 Kilo wog und sich in gesundheitlich schlechter Verfassung befand, spielte darin den abtrünnigen Colonel Kurtz während des Vietnamkrieges. Im Laufe des Films zeigt sich, wie Krieg die menschliche Psyche systematisch zerstört und so unvorstellbare Grausamkeit hervorbringt.
In der Komödie "Don Juan" (1995) spielte Brando einen alternden Psychiater, Darin wird nicht er von seinem Patienten kuriert, sondern sein Patient weckt bei ihm den Glauben an die Liebe zu neuem Leben. Privat sah es bei Brando dagegen düster aus. Fünf Jahre zuvor schlug sein Sohn Christian den Freund seiner schwangeren Tochter Cheyenne tot. Cheyenne, bei der kurze Zeit später Schizophrenie festgestellt wurde, beging 1995 Suizid. Für Brando das schlimmste Ereignis seines Lebens.
In "The Score" (2001) übernahm Marlon Brando seine letzte Filmrolle. Darin überredet der alternde Meisterdieb Nick (Robert De Niro) den ebenfalls in die Jahre gekommenen Max (Marlon Brando) zu einem letzen großen Coup. Ein Großteil der Dialoge zwischen Brando und De Niro sind improvisiert. 2004 sollte Brando in Ridha Behis Film mit dem Titel "Brando, Brando" noch einmal sich selbst spielen. Doch am 1. Juli 2004 starb Brando in Los Angeles an den Folgen seiner Lungenfibrose. Seine Asche wurde anschließend über dem Death Valley zerstreut.