Mario Barth will ernster werden. Mit einem Live-Video aus New York, in dem er die vermeintlich erfundenen Proteste gegen Donald Trump bloßstellen möchte und einer Rechtfertigung, nachdem ihm seine Denkfehler aufgezeigt wurden, blamiert er sich jetzt bis auf die Knochen - scheint das aber gar nicht zu merken.

Ein Kommentar
von Mathias Ottmann, Redakteur Unterhaltung (nicht mehr im Unternehmen)

Mario Barth ist mittlerweile 44 Jahre alt und scheint sich überlegt zu haben, dass es so langsam an der Zeit ist, auch mal politischer zu werden. Auch mal die ernsteren Dinge anzupacken. Mit seiner Investigativ-Show "Mario Barth deckt auf" versucht er das seit einer Weile auf einem ziemlich überschaubaren Niveau - aber sein Publikum bleibt ihm treu.

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Nun hat er sich mit einem "Facebook live"-Video bis auf die Knochen blamiert - will das aber so gar nicht wahrhaben. Barth filmte sich selbst vor dem Trump-Tower in New York und sprach über die Anti-Trump-Demonstrationen - über die die Medien berichteten, die aber seiner Meinung nach gar nicht stattfanden. Dass die Proteste jeweils abends stattfanden und nicht am Vormittag, als er dort stand, war Barth nicht aufgefallen.

Jeder Komiker bekommt das Publikum, das er verdient

Und weil jeder Komiker das Publikum hat, das er verdient, erntete er mit seinem Video einen Sturm der Begeisterung von Verschwörungstheoretikern, "Lügenpresse"-Skandierern und Rechtsnationalisten. Der österreichische Rechtsaußen Heinz-Christian Strache zum Beispiel teilte das Video mit dem Kommentar "Mario Barth zeigt auf, wie uns diverse Medien für dumm verkaufen wollen".

Jetzt macht sich Barth in einem neuen Video über die Kritik an seinem Beitrag lustig: Er habe doch nur gezeigt, wie es in New York eben aussehe. Die Medien sollten sich mal entscheiden, was sie von ihm wollten: Solle er bei seinen "Mann/Frau"-Nummern bleiben oder auch mal ernster werden? Und überhaupt: Die ganze Nummer mit dem Kandidaten für das Amt des deutschen Bundespräsidenten sei doch auch komisch.

Wenn man sich die Videos ansieht, ist man sich nicht sicher, was man genau von Mario Barth denken soll: Ist er wirklich so dumm, wie es seine Aussagen vermuten lassen? Ist er betrunken? Ist das am Ende alles eine große Satire, für die er sich den Charakter eines debilen Vollidioten hat einfallen lassen und mit dem er die Leere in den Gehirnen seiner Fans entlarven will?

Mario Barth ignorieren geht leider nicht

Am Ende gibt Barth dann noch zu Protokoll, dass er bitteschön weder rechts noch links angeordnet werden wolle. Er wundert sich im Ernst darüber, dass er für seine Videos Applaus von rechts bekommt. Das ist, als würde er in einem Facebook-Post auf besorgten Bürger machen, der nicht als "Natzi" oder "Publizist" bezeichnet werden möchte und sich dann wundern, dass ihm Kritik entgegenschlägt. Ach, Moment, das ist ja auch passiert.

Vielleicht muss man sich damit abfinden, dass es Menschen wie Mario Barth gibt, die sich für schlauer halten, als sie sind. Man möchte sie einfach ignorieren. Traurig wird es aber, wenn sich diesen Mist 1,3 Millionen Menschen anschauen, die ihm vorwiegend Beifall spenden.

Da hört sich sein Witz, er wolle jetzt in die Politik gehen, plötzlich wie eine ganz finstere Drohung an. Denn dass viele Menschen nicht dazu neigen, Dinge zu hinterfragen, wenn sie nur laut und polemisch genug geschrien werden, das haben wir gerade bei der US-Wahl deutlich vor Augen geführt bekommen.