Am Mittwochabend stellte der Multimillionär und Comedian Mario Barth zum zweiten Mal in diesem Jahr "die da oben", die Behörden und andere Steuerverschwender, an den TV-Pranger - mit mehr oder weniger bekannten Mitstreitern. Dafür aber mit Hackschnitzel-Heizwerk und Mathe für Anfänger.

Wenn man in der Automobilbranche neue Produkte für die Zielgruppe plant, greift man gerne auf die Crossover-Idee zurück: Da werden wahllos verschiedene Fahrzeug-Typen hin und her gekreuzt, "cross" eben. Beispiel SUV: Geländetauglich, multi-und-alles-könnend, irgendwie kernig, irgendwie nervig und aggressiv - aber dann doch harmlos und mit viel zu kleinem Kofferraum.

Eine Crossover-Kiste von RTL heißt "Mario Barth deckt auf", eine Kreuzung aus Investigativformat-Imitation ("Wir bleiben für Sie am Ball"), Verbrauchersendung ("Wieso? Isso!"), Comedy ("Dat kennse, wa!) und missglücktem Politiker-Bashing (Mario Barth: "Die Diktatur haben wir doch längst, wenn ich die Merkel so beobachte").

Einigen wir uns bei der Sendung auf "investigative Comedy-Show", immerhin gab's dafür letztes Jahr den Bayerischen Fernsehpreis, und "Show" klingt immer nach großem Auftritt.

So rollt Mario Barth in Doc Browns Zeitmaschine aus "Zurück in die Zukunft" ins Studio. Der DeLorean DMC-12 muss für einen etwas mühsamen Einstiegsfilm herhalten: Aufdecker Mario zischt damit im Jahr 2116 zum Berliner Flughafen BER, freut sich über dessen Retro-Look und stellt dann fest, dass er am alten Flughafen Tegel gelandet ist. Von einem neuen Flughafen keine Spur.

Im "seriös-investigativen" Teil des Beitrags darf Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa wieder einmal die Fehlplanung und Unterdimensionierung von Gepäckbändern anprangern.

Pannen-Millionär und Marios Perlen

In der anschließenden Studiorunde gibt Gast Ingo Appelt den Günther Jauch und spielt "Wer wird Pannen-Millionär?". Kandidat Mario darf über Kostenexplosionen und 50.000 Werkpläne des BER-Flughafens rätseln.

Reiner Holznagel, Präsident beim Bund der Steuerzahler, assistiert fröhlich mit ebenso populären wie simplen Forderungen ("Ein paar Bundesländer können wir abschaffen") und altbekannten Milliarden-Euro-Beispielen desaströser IT-Projekte. LKW Maut, Gesundheitskarte und so.

Mario ("Nicht quatschen, machen!" steht auf seinem T-Shirt) quatscht davon, dass man solche Technik-Projekte einfach Facebook geben sollte, weil doch da alles funktioniert. Ein Studiobrüller.

Dann bekommen die Zuschauer Marios Perlen zu sehen - also Beispiele für Steuerverschwendung, die Barths Produktionsfirma bevorzugt im Bereich alternativer Energien findet.

Eine Photovoltaik-Anlage über dem Plenarsaal des Kieler Landtags zum Beispiel - "rechnet sich erst in 236 Jahren" - gefolgt von einem Beitrag mit TV-Rechtsanwalt Franz Obst über den "Hotspot der Verschwendung", nämlich Waldfischbach-Burgalben in Rheinland- Pfalz, inklusive einem angeblich 843.000 Euro teuren Holzhackschnitzel-Heizwerk für 15 Energie-Abnehmer und "Gülle-Verwertungs-Tempel" - sprich: einer Biogasanlage für 4,5 Millionen Euro.

Da die Milchmädchen-Rechnungen wahllos und schwer nachvollziehbar durch die Show geistern, gehen Barth und seine Co-Spürnasen auf Nummer sicher und lassen zwei hübsche junge Damen schubkarrenweise Geldscheine aus dem Studio-Kulissenfenster werfen, um die Botschaft zu visualisieren. Ja, schon klar ...

Nach noch mehr Planungsfehler-Beispielen über gemietete Ampeln und überteuerte Bushaltestellen entpuppt sich der Film mit Jung-Comedian Maxi Gstettenbauer als ein Highlight der Sendung.

In mehreren zünftig-bayerischen Kapiteln beschäftigt er sich mit den umstrittenen Behördenverlagerungen von München auf die Region in Bayern: Juristisch vorsichtig - aber zwischen den Zeilen vielsagend - wird das Förderprojekt am Beispiel Höchstadt auseinandergenommen.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Winter mit guten Beziehungen zum bayerischen Finanzminister Söder kommt ebenso vor wie ein 20-Millionen-Neubau, der statt eines alten Krankenhauses als Standort verwendet werden soll - und alles für eine Abteilung des Münchner Finanzamtes, dessen Mitarbeiter gar nicht aufs Land ziehen wollen.

Natürlich bekommen auch wieder die Beamten ihr Fett weg ("Es gibt keinen Unterschied zwischen Beamten und Komapatienten") und Mario Barth lässt dann noch einmal über den Berliner Flughafen BER lästern ("Beim Fußball-Misserfolg würde man den Trainer entlassen - hier hat man die Mannschaft entlassen") und wundert sich, dass eine Top-Immobilie der Bundesregierung an der New Yorker 5th Avenue leer steht und vergammelt, obwohl sie bis 40 Millionen Euro wert ist.

"Tanzgott" Joachim Lamby bei Schietwetter auf Hafentour

"Tanzgott" Joachim Lamby darf dann auf der Couch für RTLs "Let's dance" werben - wohl als Belohnung dafür, dass er zuvor bei Schietwetter über die Elbe in Brandenburg und Sachsen schippern musste, um nie oder kaum genutzte Containerhäfen wie Mühlberg oder Riesa anzuprangern. Denn beim Ausbau der Elbe wurde angeblich nicht bedacht, dass Containerschiffe an 120 Tagen im Jahr wegen Niedrigwasser gar nicht fahren können.

Nina Moghaddam witzelt sich dann nach Ostfriesland, wo das Projekt "Zentralklinikum Georgsheil" bis zu 500 Millionen Euro kosten könnte und ein Notarztwagen bis zu 20 Minuten vor einem Bahngleis warten müsste. Last Exit Friedhof!

Zum Schluss rechnet "Super Mario" noch mal vor, wie viele Zebrastreifen, Feuerwehrleute und Sportvereine bezahlt werden könnten, wenn "die da oben" nicht so viel Geld verbrennen würden.

Eine Lösung will Mario Barth nach der manchmal zähen, teils wirklich unterhaltsamen Sendung natürlich gar nicht bieten. Und so bleibt außer "Sie dürfen nicht die Frösche fragen, wie man den Sumpf trocken legt" und "Wählen gehen!" nur noch Ingo Appelts böse Ahnung: "Die Merkel-Raute macht die Grätsche" im Gedächtnis des Wut-Steuerzahlers am Bildschirm.

Gut, dass wir noch "Super Mario" haben. Als Crossover-Backup, Sie verstehen.