Macho-Vorwürfe bei "Top Chef Germany": "Als wären wir Frauen die B-Ware ..."

Mehr als einmal ärgerte sich Köchin Annette Glücklich in Folge zwei der Sat.1-Kochshow "Top Chef" über ihre männlichen Kollegen. Was sonst noch in der Folge passierte, sehen Sie in der Bildergalerie.

Zunächst waren sie alle noch guter Dinge, die zehn Spitzenköche, die noch um den Titel "Top Chef Germany" und um 50.000 Euro kämpfen durften, nachdem in der vergangenen Woche zwei Kollegen ausgeschieden waren. Ihre erste Aufgabe in Folge 2: "Zaubert aus einem Maishuhn so viele Gerichte wie möglich, so viele, wie ihr wollt!"
"Ich will hier Superlative sehen", stellte Sternekoch Peter Maria Schnurr (2.v.l.) zu Beginn der Sendung klar. Schließlich heiße es "Top Chef" und nicht "Top Chefchen". Ihn und Restaurantkritikerin Alexandra Kilian galt es neben dem Chefjuror und "Jahrhundertkoch" Eckart Witzigmann zu überzeugen. (Links: Moderator Daniel Boschmann).
Sobald mit "An die Messer, fertig, los!" der Startschuss für die Huhn-Challenge gefallen war, wurde es hektisch. Denn die Kandidaten hatten nur eine Stunde Zeit, um die Aufgabe zu erfüllen – und mussten außerdem zusehen, dass ihnen die Konkurrenz nicht die besten Präsentierteller vor der Nase wegschnappte.
Serkan Güzelcoban (Bild), der im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste, hatte sich gleich vier verschiedene davon geschnappt, was dem Ältesten der Runde, Bernhard Reiser (53), sauer aufstieß. Sein junger Kollege kommentierte schulterzuckend: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Es geht hier auch ums Gewinnen."
Frechheit siegt. Denn tatsächlich schaffte es der junge Sternekoch bei dieser Aufgabe in die Top 5, die sich für die anschließende Aufgabe aus den verbliebenen fünf Kandidaten jeweils einen Kochpartner wählen durften. Kleine Genugtuung für Bernhard Reiser: Mit Platz 3 stand er, anders als Güzelcoban (Platz 4), auf dem imaginären Siegertreppchen.
Das fiese Gefühl, als Letztes gewählt werden – manch einer erinnert sich sicher noch an den Sportunterricht - hatten die einzigen Frauen: Hou Hua (r.) und Annette Glücklich, die klagte: "Mich hat's wütend gemacht, dass Männer schon wieder alles unter sich ausmachen, und wir Frauen stehen da wie bestellt und nicht abgeholt – als wären wir die B-Ware."
Annette Glücklich landete im Team von Serkan Güzelcoban und musste sich gleich noch auf einen weiteren Mann einstellen: Als nächste Herausforderung galt es, zwei Gerichte vom Küchenchef der Berlin-Kreuzberger Long March Canteen, Guanfeng "Afon" Guan, möglichst exakt zu kopieren – wobei die Zutaten und Zubereitungsart erschmeckt werden mussten.
Natürlich vermuteten alle eine Art Vorteil für Deutsch-Chinesin Hou Hua. Sie selbst war davon genervt, und als "Afon" erzählte, dass er auf Shanghai und Szechuan-Küche spezialisiert sei, rutschte ihr prompt ein "Ach du Scheiße" heraus. Das sei nämlich komplett konträr zur kantonesischen Küche, mit der sie vertraut sei.
Ob es trotzdem für den Sieg reichte? Nach der Verkostung der Gerichte mit den klangvollen Namen "Wan Tan schwimmt im Roten Meer" und "Das Lamm tanzt auf dem Reisfeld" wurde pro Team ein Kandidat zum Einkaufen in den Asialaden geschickt, in der Hoffnung, dort die richtigen Zutaten zu finden – was sich zum Teil als gar nicht so einfach entpuppte.
Auch beim Kochen lief nicht alles harmonisch. "Er ist ein Typ Mann, der gerne den Ton angibt", störte sich Annette am Ton ihres Teamchefs Serkan, der ihre Vorschläge meist abbügelte. Was wohl Eckart Witzigmann und "Afon" von seinen Gerichten halten würden? Die beiden berieten sich nach der Verkostung ausgiebig.
Letztlich konnten diese Aufgabe das Team Sven Wesholek und Hou Hua für sich entscheiden und sich damit ihren Platz in der kommenden Woche sichern. Die anderen Teamchefs mussten jeweils entscheiden, ob sie selbst oder ihr Helfer in die finale "Witzigmann-Challenge" einziehen und damit riskieren sollten, auszuscheiden.
Diese Challenge drehte sich um das Lieblingsgetränk Witzigmanns: Der "bekennende Champagner-Genießer" wünschte sich zu seinem Edelschaumwein "ein deliziöses, delikates Kanapee". Und zwar "nicht zu irgendeinem Champagner", betonte Moderator Daniel Boschmann, sondern zu einer eigens vom Jahrhundertkoch persönlich kreierten Cuvée.
Obwohl seine Avocado-Hummer-Kreation auf Kräuterseitling der Jury durchaus mundete, reichte es schließlich nicht für Johannes Sommer. Der junge Sous-Chef (26), der an einer Nervenkrankheit leidet, konnte seine Tränen nicht zurückhalten, als er sein Ausscheiden kommentierte: "'Top Chef' war ganz, ganz toll, aber tat auch ganz, ganz doll weh."