Eine neue Spielshow sollte das Angebot von ProSieben bereichern. Zwei Familien duellierten sich eben nicht im ausgeleuchteten Studio bei einer erneuten "Schlag den ..."-Variante gegeneinander. Sondern bei sich daheim im Wohnzimmer und davor auf der Straße. Die Ergebnisse waren: Ärger und Langeweile.

Eine Kritik
von Andreas Schöttl

"Das wird eines meiner Highlights: Zu kommentieren, wie ein Stück Butter in der Pfanne schmilzt", sagte Elmar Paulke. Der Kommentator war zu diesem Zeitpunkt nach 22 Uhr schon recht verzweifelt. Paulke ist von zahlreichen "Schlag den Star oder Raab"-Varianten bei seltsamen Spielchen mit Bälle werfen oder an Hindernissen hängen einiges gewohnt. Doch darüber zu reden, wie Butter sich auflöst, wenn es in einer Pfanne auf einer mit Vollgas laufenden Herdplatte liegt, ist so spannend wie die Sendung "Die Liveshow bei Dir zuhause".

ProSieben hat sich mit seinem neuen Format an einer weiteren Duell-Variante versucht. Es waren nicht Stefan Raab oder ein Star im Wettbewerbs-Modus, sondern zwei ganz normale Familien, die bei "Sport-, Spaß- und Geschicklichkeitsspielen" möglichst Spannung erzeugen sollten. Der Clou: Schauplatz waren Wohnzimmer und Küchen der Köhn-Brötz' sowie der Kortbuz'. Auf der Knoopstraße in Bochum-Weitmar, wo sie wohnen, sollten auch mal Schuhe auf eine Leine geworfen werden.

Dass ProSieben in dieser Knoopstraße ein "Mini-Stadion" für 340 Besucher aufbaute, sorgte etwas für Unmut in Bochum-Weitmar. Anwohner beschwerten sich um Vorfeld darüber, dass die TV-Produktion zu viel Lärm, Dreck und weiteres Ungemach verursache. Die Moderatoren Matthias Opdenhövel und Steven Gätjen beteuerten deshalb immer wieder, das ganz bestimmt alles um "halb eins" vorbei sei. Und hinterher werde sowieso aufgeräumt.

Familien-Teilnehmer bei "Die Liveshow bei Dir zuhause": "Ich schlafe ein"

Und es war auch Schluss - noch vor halb eins. Besser so! Denn die als vierstündige Livesendung angekündigte Sendung zog sich doch sehr in die Länge. Es ging darum, dass die beiden Familien, die nebeneinander in den Hausnummern 23 und 25 wohnen, in neun Spielen gegeneinander antraten. 90.000 Euro hätten sie bestenfalls einsacken können. Fürs erste Spiel gab es 1.000 Euro, fürs zweite 2.000 Euro und so weiter. Und auch noch prominente Unterstützung erhielten sie. Gil Ofarim und "Tatort"-Kommissarin Aylin Tezel waren dabei. Ebenso der singende Schauspieler Tom Beck mit Sonya Kraus.

Gebracht hatte die Promi-Unterstützung so viel, dass Tezel meinte, man könne doch schneller machen. Ja, auch sie musste wie alle Zuschauer seltsame Dümmlichkeiten ertragen wie schmelzende Butter, explodierende Eier in der Mikrowelle oder Wattestäbchen, die auf Zahnbürsten von A nach B getragen werden sollten.

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"Ich schlafe ein", sagte einer der Familien-Teilnehmer, der wohl zum allerersten Mal in einer Livesendung mitten im Fernsehen war. Es war aber auch zum Heulen, wie Opdenhövel und Gätjen versuchten ein Nichts wie schmelzende Butter noch zu einem Spektakel zu verkaufen.

In 14 Tagen wollen die beiden übrigens mit einer weiteren Ausgabe ihrer neuen Sendung antreten. Ort, Straße und die teilnehmenden Familien aber seien noch geheim, sagten sie. Nicht dass die nächsten Anwohner schon jetzt auf die Barrikaden gehen.