Hoffnungslos verliebt: Eigentlich eine Floskel, doch im Falle verknallter "Tatort"-Kommissare trifft sie den Nagel auf den Kopf. Den Romanzen mit Zeugen, Verdächtigen und anderen Beteiligten ist nie ein glückliches Ende vergönnt. Wie auch neulich bei Inga Lürsen in Bremen: Es ist immer dieselbe traurige Geschichte, der jetzt mit dem Konstanzer "Tatort"-Krimi "Letzte Tage" ein neues Kapitel hinzugefügt wurde. Bodensee-Ermittler Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) erlebte sein persönliches "Love Story" reloaded. Was für eine leidenschaftliche, rührende, mitunter auch schräge Liebesgeschichte war das denn bitteschön?

Mit seinen Töchtern Luna, Lilli und Emma hat Til Schweiger unter anderem die Kinofilme "Männerherzen", "Keinohrhasen" oder "Kokowääh" gedreht. Mit seiner ältesten Tochter Luna stand Schweiger bei seinem "Tatort"-Debüt "Willkommen in Hamburg" vor der Kamera. Nun ist offenbar seine Freundin Svenja Holtmann an der Reihe.

Für Perlmann war es Liebe auf den ersten Blick – doch genau wie Jenny (Ali MacGraw) im Filmklassiker, der in den 70er-Jahren Millionen Zuschauer Tränen vergießen ließ, litt auch das schöne Mädchen Mia an Leukämie. Gespielt wurde die unheilbar kranke Medizinstudentin von Natalia Rudziewicz. Die 1,60 Meter kleine, 26 Jahre junge Nachwuchsschauspielerin machte aus einem ansonsten mäßig spannenden Fall, dem letzten vor der "Tatort"-Sommerpause, etwas Besonderes.

Klar, eigentlich war dieses Mädchen viel zu jung für den Kommissar, und eigentlich passiert so etwas sowieso nicht. Doch als Mia plötzlich in der Konstanzer Fußgängerzone vor ihm stand, schien das Schicksalhafte der Begegnung auf einmal plausibel. Ohne Frage stark gespielt von Bezzel und der in Hamburg lebenden Natalia Rudziewicz. Wie sie aus dem Nichts eine emotionale Fallhöhe aufbauten, ihre Figuren in eine zum Scheitern verurteilte romantische Liaison fallen ließen, hatte etwas zutiefst Melancholisches. Mia flüsterte seltsame Sätze in die Nacht. "Einmal in der Woche lasse ich mich einfach nur treiben, nichts planen, nur gucken, was passiert" – sprach's, und schon ging es auf dem Kinositz zur Sache. Getrieben wurde dieses seltsame Wesen mit den blaugrünen Augen von einer fatalistischen Lust auf Leben und Liebe, wie sie wohl nur jene haben, die dem unvermeidbaren Ende entgegensehen.

Gut jedoch, dass die "Tatort"-Macher der Versuchung widerstanden, das Ganze komplett zum Melodram zu verkitschen und die Geschichte unter Tränen am Krankenbett enden zu lassen. Statt Hollywood für Arme ließ man Perlmann eher beiläufig von seiner Wolke Sieben purzeln. "Vielleicht zu ’ner anderen Zeit und unter anderen Umständen", sagte Mia, als sich die beiden nach dem unausgesprochenen Liebes-Aus wiedertrafen. Doch Perlmann antwortete nur: "Sag’s nicht, wenn’s nicht so ist."

Große Momente eines länderübergreifenden Pharma-Krimis, der auch seine Längen und Absonderlichkeiten hatte: Dass die schöne Mia just mit dem Thurgauer Kollegen Matteo Lüthi (Roland Koch) auch noch etwas anfing, war in dieser Hinsicht wirklich nicht mehr zu toppen. Wobei man sagen muss: Der Lüthi passt wunderbar ins Konstanzer "Tatort"-Setting. Das Kompetenzgerangel zwischen der angestammten Bodensee-Ermittlerin Klara Blum (Eva Mattes) und ihrem (wie schon im Fall "Nachtkrapp" abermals sehr bereichernden) Schweizer Kollegen war zwar manchmal ein bisschen albern, aber es machte Lust auf mehr. Steht uns da etwa die nächste Liebesgeschichte ins Haus?