Der Sturz des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ließ auch seine Frau Bettina ganz unten ankommen. Jetzt kämpft sie sich zurück ins Rampenlicht: Bei "Grill den Henssler" will sich die ehemalige First Lady in die Herzen der Deutschen kochen. Das könnte sogar gelingen.

Bettina Wulff trägt dezentes Make-up, ihre Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. Die Kleidung ist schlicht, sie sieht aber auch aus nach: Adel auf Besuch beim Prekariat. In ihren Händen hält sie einen kleinen Kuchen. Den haben ihre beiden Söhne, 6 und 11 Jahre, für Steffen Henssler gebacken, der mit seiner Koch-Sow auf VOX aus der Sommerpause zurückkehrt. Die Mission der ehemaligen deutschen First Lady ist klar. Sympathien gewinnen. Ein neues Image aufbauen, ein neues Leben. Sie will nicht mehr nur die Ex-Frau des Mannes sein, der als erster deutscher Bundespräsident zurücktreten musste.

Ex-First-Lady spricht erstmals im TV über ihr Buch und sehr Privates.

Dazu suchte sie sich einen Imageberater, der die Marke Bettina Wulff vollkommen neu positionieren soll: Florian Kumrey, einst Tennisprofi und verantwortlich für Lothar Matthäus, Michael Ballack und Oliver Bierhoff. Er entwarf einen "Masterplan Bettina Wulff", wie im Magazin der Süddeutschen Zeitung ausführlich zu lesen war. Dass der nicht so einfach umzusetzen ist, zeigte sich in den vergangenen Monaten. Wulff bekam die üblichen Angebote, "Promi Big Brother", der "Playboy". Sie hingegen will sich vor allem für wohltätige Zwecke engagieren. Der Weg dorthin ist lang und kann Jahre dauern. Einer Marktforschungsumfrage zufolge kennen sie zwar 88 Prozent der Deutschen, aber nur 44 Prozent davon finden sie sympathisch.

Kochen ist unverfänglich

Ein Zwischenstopp zu besseren Werten ist offenbar "Grill den Henssler". Es ist ihr erster Auftritt in einer Unterhaltungsshow. Kochen, das ist die neue Familienunterhaltung, mit der sich jeder identifizieren kann. Essen müssen wir schließlich alle. Es ist unverfänglich. Es ist nicht der Promi-Container, es ist nicht das Dschungelcamp.

Wulff muss wieder ganz von vorne anfangen. Zusammen mit Annie Friesinger, ehemalige Weltklasse-Eisläuferin und Arne Friedrich, der unter anderem bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 für Deutschland teilnahm, steht sie in der Küche. Sie ist von der ersten Reihe der Weltpoltik am Fernsehherd von VOX gelandet. Sie wirkt angespannt. Moderatorin Ruth Moschner fragt sie, wie sie sie ansprechen soll und Wulff sagt: "Bettina". Selbst der sonst so schnodderige Steffen Henssler siezt sie immer wieder. Bundespräsidentengattin, das ist eben doch etwas anderes als einem Ball hinterherlaufen oder auf Eis im Kreis fahren.

"Wie ist es denn als First Lady …?"

Wulff versucht sich nichts anmerken zu lassen. Sie hält sich zurück, wirkt fast schon demütig. Sie gibt ihren Teamkollegen High fives, sie pustet bei blöden Partyspielchen mit einem Strohhalm Bierdeckel um. Sie signalisiert: Ich habe meine Lektion gelernt. Etwa, dass sie mit ihrem Buch "Jenseits des Protokoll" nicht aufklärte sondern alles nur noch schlimmer machte.

Dass es noch lange dauern wird, bis sie zumindest ein normaler Promi ist, reibt ihr Ruth Moschner immer wieder unter die Nase. Jeder zweite Satz beginnt mit: "Wie ist es denn als First Lady …?" Tja, wie soll es wohl sein, wenn der eigene Mann Bundespräsident ist, in eine Affäre gerät, zurücktritt, monatelang von der Presse niedergeschrieben wird und sich am Ende herausstellt, dass alles doch ganz anders war? Dass man den mächtigsten Konzern der Welt verklagen muss, damit der eigene Name fälschlicherweise nicht mehr mit einer Escort-Agentur in Verbindung gebracht wird? Und dass man sich dann in einer Kochshow fragen lassen muss, auf was für Männer man steht und ob Christian Wulff auch in der Küche mitgeholfen hat?

Bettina Wulff macht gute Miene zum abgekarteten Spiel. Sie weiß, sie muss da durch. Sie ist Medienprofi. Und als ihr rausrutscht, dass sie noch gar nicht von ihrem Mann geschieden sei, und sich Moschner an ihre Fersen heftet mit dem Satz: "Seid ihr wieder zusammen?", da sagt sie nur: "Können wir übers Essen reden?" Sie kocht nämlich Saltimbocca mit Himbeersahnesoße und Bandnudeln. Ein Standard im Hause Wulff. Hensslers Kommentar, dass sie damit "heute keine First Lady" wird, ignoriert sie.

Die Jury sieht das wenig später anders. Sie gewinnt als einzige an diesem Abend gegen den Fernsehkoch, mit einem deutlichen Vorsprung von 20 zu 16 Punkten. Es sei geradezu "himmlisch in der Zubereitung", sagen Heinz Horrmann, Reiner Calmund und Natalie Lumpp. Bettina Wulff lächelt. Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Ein kleiner Schritt die Sympathien der Menschen zurückzugewinnen, ist getan. Hier, in einer Kochshow. Der "Masterplan Bettina Wulff" nimmt seinen Lauf.