Zwei Neuzugänge sollen Schwung in die zweite Folge von "Kampf der Realitystars" bringen. Doch selbst Mobbing-Meister Andrej Mangold gibt sich auf einmal ganz handzahm.

Felix Reek
Eine Kritik
von Felix Reek
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Die Kandidatinnen und Kandidaten von "Kampf der Realitystars" haben Post. Vom Sender, sonst spricht ja niemand mit ihnen. Sie versammeln sich und schauen auf die Nachricht. Sie ist ziemlich lang. Es wird aufgezählt: Rauchen außerhalb der angegebenen Zone, zu weit ins Meer hinein gelaufen, alleine auf die Toilette gegangen und vor allem tagsüber geschlafen.

Letzteres verrät, worum es eigentlich geht: Die Pseudo-Promis haben es geschafft, in nur wenigen Tagen 69 Regelverstöße zu begehen und trotzdem bereits nach dem Auftakt dieser Staffel immens zu langweilen.

Claudia Obert? Stets angesäuselt, aber erstaunlich friedlich. Gina-Lisa Lohfink? Meist verwirrt. Frédéric von Anhalt? Nur ein Tourette-artig vor sich hin lamentierender Fensterbank-Senior, den die Enkel (aus gutem Grund) nur einmal im Jahr besuchen.

"Kampf der Realitystars": Zwei Neuzugänge

Aber natürlich kann das nicht so bleiben. Kein Stress, keine Quote lautet schließlich das Motto dieses Mikrokosmos aus Promis, die durch die immer gleichen Formate tingeln. Um das zu beheben, helfen nur die bewährten Maßnahmen: Noch mehr "Stars" weit über ihrem Ablaufdatum - und durch Strafen den psychologischen Druck erhöhen.

In Folge zwei von "Kampf der Realitystars" heißt das: Das Wasser wird rationiert. Glücklicherweise ist das in Thailand gerade Mangelware, weswegen es auch nichts bringt, die Genfer Konventionen zu bemühen. Für jeweils fünf Duschminuten müssen die Prominenten die beiden Neuzugänge erraten, die in einem Maus- und Bienenkostüm auflaufen.

Das Spiel selbst ist schnell vergessen, die Reaktion nach der Enttarnung eigentlich immer dieselbe: "Selbst als die Maske gefallen ist, wusste ich nicht, mit wem ich es zu tun habe."

Endlich kommt Niveau in die Sendung

Wir helfen ein wenig nach: Nummer eins, Evil Jared, der in den Neunzigerjahren Bass bei der US-Band "Bloodhound Gang" spielte. Seine Spezialität: Passend zum Pipi-Kacka-Humor seiner Band nutzt er jede Gelegenheit, blank zu ziehen.

Bereits in seinem Einspieler lässt er frei schwingen und deutet mit heruntergelassener Hose einen Stuhlgang an. Endlich kommt Niveau in die Sendung. Aber es ist schließlich 2021, frei schwingende Genitalien im Fernsehen lösen nur noch in Evil Jareds Heimatland mehr als ein Gähnen aus.

Zeit für Neuzugang Nummer zwei, der seit seinen Mobbing-Attacken im "Sommerhaus der Stars" wohl nicht mehr so viel Begeisterung bei seiner Ankunft erfahren hat, wie hier: Ex-Bachelor Andrej Mangold. Vielleicht liegt der Jubel aber auch nur an den gewonnenen weiteren fünf Duschminuten.

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"Egoismus wird belohnt": Frédéric provoziert bei "Kampf der Realitystars" aufs Äußerste

Er fühlt sich als "die Nummer eins", die anderen sollen sehr gern leiden: Frédéric Prinz von Anhalt setzt bei "Kampf der Realitystars" (RTLZWEI) auf Totalkonfrontation.

Der ehrgeizige Schönling zumindest hat eine Agenda: Er will sein öffentliches Bild zurechtrücken und beweisen, dass er "ein sympathischer und liebenswerter Typ ist". Warum das nach "Der Bachelor" und "Das Sommerhaus der Stars" jetzt endlich gelingen soll, weiß wohl nur er.

Wahnsinn kann so fad sein

Dummerweise zeigt sich für Mangold schnell: Die Teilnehmer an Realityshows sind selbst ihre besten Zuschauer. Weswegen sofort das Geläster und die daraus unvermeidlich folgende Konfrontation folgt. In diesem Fall zwischen Gina-Lisa und Andrej, die ausdiskutieren, wer hier nun eigentlich "echt" sei. Angesichts der beiden Teilnehmer dieses Gespräch an sich eine Farce.

Am besten weiß es eh Jenefer Riili: "Hier gehts darum, authentisch zu sein, hier gehts darum, ehrlich zu sein." Was selbstverständlich kompletter Unsinn ist. Sie als Influencerin sollte das eigentlich wissen.

Nur für Ärger sorgt das alles nicht. Der Bachelor zwirbelt einmal an Gina-Lisas güldenem Haar und schon ist alles Misstrauen vergessen. Da muss wohl wieder RTL2 die Daumenschrauben anlegen und verhängt für die 69 Regelverstöße Rauchverbot. Seit "Big Brother" ein Mittel, um besonders anfällige Bewohner in den Wahnsinn zu treiben.

Lange dauert es nicht, da schleppt Narumol einen Palmwedel an und versucht, diesen zu rauchen. Dann heult sie. Sie brüllt. Claudia Obert brüllt zurück, weil Narumol brüllt. Und heult. Und Prinz Frédéric von Anhalt? Zieht wieder einsam seine Runden durch die Villa und läuft und läuft und läuft. Wahnsinn kann so fad sein.

Der Farbloseste muss gehen: Tim Kühnel

Da hilft es auch nicht, das altbekannte "Von wem glauben die Zuschauer, dass er am egoistischsten ist"-Spielchen zu reaktivieren. Die Antwort ist klar: Frédéric von Anhalt, der sich gebührend feiert. Wo er ist, ist oben. Und wenn er mal unten ist, ist unten oben.

Selbst das letzte Spiel kann die Kandidaten nicht gegeneinander aufbringen. In einem Wasserloch stehend, sollen die Teammitglieder Loona, Claudia Obert und Leon Machère sich die Ellenbogen in die Rippen im Kampf um den Ball rammen. Stattdessen reichen die Damen den Ball jedes Mal an Machère weiter, der somit vor dem Rauswurf durch die Neuankömmlinge Evil Jared und Andrej Mangold geschützt ist.

Am Ende erwischt es sowieso den mit der wenigsten Kamerazeit: "Love Island"-Beau Tim, dem Mangold mit auf den Weg gibt: "Der Typ hat es drauf, du wirst mal Bachelor werden." Als ob das eine Auszeichnung wäre.

Tim geht so farblos, wie er gekommen ist: "Ich wünsch' euch nur das Beste", sagt er zu den anderen, das Format offensichtlich nicht ansatzweise verstehend.

Vielleicht erklärt ihm das nochmal Evil Jared auf dem Weg nach draußen: "Reality-TV ist ein bisschen wie: Viele Arschlöcher wohnen in einem Haus zusammen und können etwas gewinnen." Hoffentlich fällt das den restlichen Promis rechtzeitig zur nächsten Folge wieder ein.

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