In der neuen Show "Kampf der Realitystars" schickt RTL2 seit Mittwochabend das Who is Who der deutschen Trash-TV-Szene zum Infight in eine thailändische Strandhütte. Für Fans sinnbefreiter TV-Rüpeleien hat der Sender hier so ziemlich alles vorbereitet, damit auch wirklich die Fetzen fliegen. Ach ja: Cathy Hummels schneite auch mal kurz vorbei.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Nun also der "Kampf der Realitystars". Es ist Kandidat Sandy Fähse vorbehalten, als Erster seine Entdeckung kundzutun: "'Kampf der Realitystars' – das steckt ja schon irgendwie im Satz drin: Das wird ein Kampf." Nun muss man keinen Abschluss von der Désirée-Nick-Universität haben, um zu ahnen, dass es hier nicht um Reality geht, erst recht nicht um Stars und nur vielleicht um Realitystars, sondern in erster Linie um Kampf. Dass RTL2 aber derart auf Krawall gebürstet ist, das hat Sandy Fähse da wohl selbst noch nicht ahnen können.

Wer Sandy Fähse ist? Sekunde, das erklärt Herr Fähse am besten selbst: "Ich bin Sandy Fähse. Bin 35 Jahre alt und man kennt mich aus 'Berlin Tag und Nacht'." Ja, kennt man – oder eben nicht. Aber Fähse ist nicht der letzte Teilnehmer, der sich mit einem "Man kennt mich aus ..." vorstellt, was insofern absurd ist, da man sich ja nicht mit "Man kennt mich aus ..." vorstellen müsste, wenn man denjenigen aus woher auch immer kennen würde.

Wie auch immer: Sandy Fähse sollte am Mittwochabend nicht lange mit seinem Spruch alleine bleiben und so findet sich nach und nach eine kleine, aber illustre Runde von Menschen bei einer mondänen Strandhütte in Thailand ein, die man aus irgendeinem Reality-Format kennen könnte: Kate Merlan, Annemarie Eilfeld, Momo Chahine, Hubert Fella, Oliver Sanne, Jürgen Milski und Fürstin Andrea von Sayn-Wittgenstein. Sie alle eint die Verlockung von 50.000 Euro Siegprämie und, wie es bei Realitystars nun mal zum Geschäft gehört, auch die Hoffnung auf ein paar Minuten Sendezeit.

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"Wer auf Sendung bleiben will, muss allerbeste Reality bieten"

"Das ist die ultimative Realityshow. Realer geht’s nicht", steigert sich der Off-Sprecher von Minute eins an in Superlative, nur um sich im nächsten Moment zu widersprechen: "Die Challenge: Wer auf Sendung bleiben will, muss allerbeste Reality bieten." Es sei verziehen, schließlich kann man zwischen Reality und Realität manchmal eben nur schwer unterscheiden, auch wenn Reality mit Realität so herzlich wenig zu tun hat. Erst recht nicht bei "Kampf der Realtiystars".

Worum geht es? Bei "Kampf der Realitystars – Schiffbruch am Traumstrand", wie die Show mit Vor- und Zunamen heißt, werden zunächst acht Menschen aus den Trash-TV-Shows der Republik in eine gehobene Strandhütte gebracht. Dort ergehen sie sich in den üblichen Spielchen und Reibereien, bis ein paar neue Realitystars angekarrt werden. Die Neuen dürfen dann nach kurzem Kennenlernen bestimmen, wer von den bisherigen Teilnehmern die Hütte räumen muss.

Das ist schon einmal eine solide Grundausstattung für ein funktionierendes Trash-Format. Damit aber so richtig die Fetzen fliegen, hat man noch ein paar Gereiztheitskatalysatoren eingebaut: Spielchen, bei denen die wenigen Annehmlichkeiten riskiert und die Kandidaten an ihren Befindlichkeiten gepackt werden. Wer den Zinnober bis zum Ende durchhält, bekommt 50.000 Euro überwiesen und eine Empfehlung für weitere Trash-Formate. Kurzum: Man hat sich wirklich Mühe gegeben, dass es hier so bald wie möglich raucht.

"Kampf der Realitystars": Zigarettenentzug und Tennis-Twins

Die ersten Rauchzeichen setzt in Folge eins Jürgen Milski ab. An der "Wand der Wahrheit" sollen sich die Kandidaten in eine Beliebtheitsreihenfolge bringen, um dann ihre Selbst- mit der Fremdwahrnehmung der Zuschauer abzugleichen. Doch zu Milskis Verwunderung ist nicht er der Zuschauerliebling, sondern DSDS-Teilnehmer Momo. Ein verheißungsvoller Auftakt.

Zum ersten Mal funken sollte es dann aber, als Ex-"Berlin Tag & Nacht"-Darsteller Fähse gerügt wird, weil er zu weit ins Meer hinaus geschwommen ist. Da greift die Produktionsfirma kurzerhand zu einem Trash-TV-Klassiker und nimmt Fähse seine Zigaretten weg. Ein Wutausbruch, ein Wortgefecht mit Milski und ein Schlag gegen eine Schranktür sind die Folge des kalten Entzugs.

Doch bevor den Erstbewohnern die Gelegenheit gegeben wird, ausreichend Antipathien zu entwickeln, kommt schon der Nachschub angeschippert. Die ersten Neuen sind die Zwillinge Yana Morderger und Tayisiya Morderger. Sie dürfen sich Realitystar nennen, weil sie bei "Bauer sucht Frau" beziehungsweise "Shopping Queen" mitgemacht haben und "irgendwas Besonders haben, ich weiß aber nicht genau was", wie Tayisiya erklärt. Außerdem spielen sie gerne Tennis. Für Krawall sind die Tennis-Twins aber offenbar eher nicht gebucht worden, da verspricht man sich bei RTL2 von den nächsten beiden Neuen sicher mehr: Georgina Fleur und Sam Dylan.

Hubert Fella und Oliver Sanne sind schon wieder raus

Fleur pflegt nach ihrem Auftauchen bei "Der Bachelor" nach wie vor das Image der Luxus-Zicke: "Ich bin die zickige Bitch. Ich hab' 'ne ganz kurze Zündschnur", stimmt Fleur die Zuschauer auf ihren Auftritt ein. Sam Dylan hingegen ist bei seiner Teilnahme an "Prince Charming" vielleicht mit dem Satz "Nennt die Fotze mich einfach Schlampe" in Erinnerung geblieben. Es sollte nicht lange dauern, bis das RTL2-Kalkül aufgeht und Dylan mit Kate Merlan aneinander gerät, weil er das Gerücht aufgreift, dass Merlans Ex-Freund Benjamin Boyce schwul sei.

Derart emotional aufgeladen geht es zur ersten Entscheidungsrunde und dort hat dann auch Cathy Hummels ihren Kurzauftritt. "Guten Abend", sind die ersten schlichten Worte von Hummels, von der RTL2 behauptet, sie sei "das Gesicht der Sendung". Allerdings ist dieses "Gesicht der Sendung" nur ein paar Szenen lang zu sehen. Cathy Hummels ist also eher so etwas wie das Ohrläppchen der Sendung, wenn man in dieser Analogie bleiben möchte.

Die wahren Gesichter der Sendung sind nämlich die wahren Gesichter der Sendung, also die, die man dann auch tatsächlich sieht und die für Missstimmung sorgen sollen. Zu denen gehört aber in Zukunft nicht Hubert Fella. Der sympathische Franke muss zusammen mit Oliver Sanne auf Geheiß der neuen Kandidaten die Heimreise antreten. Bei dem Krawall, den RTL2 plant, wäre Fella wahrscheinlich ohnehin nur der Streitschlichter gewesen. Und ein geschlichteter Streit scheint das letzte zu sein, was man bei "Kampf der Realitystars" haben möchte.

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