Jenke von Wilmsdorff begleitet am Montagabend in der RTL-Sendung "Jenke macht Mut: Der schwere Kampf gegen die Kilos" übergewichtige Menschen, die abnehmen wollen. Dabei besucht der Journalist aber so viele Menschen und Schauplätze, dass es schwer ist, den Überblick zu behalten. Und wirklich neue Erkenntnisse hat die Sendung auch nicht zu bieten.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

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Es waren erschreckende Zahlen, die gleich zu Beginn präsentiert wurden. Während in den 1970er Jahren die Deutschen im Schnitt noch normalgewichtig waren, gilt mittlerweile jeder zweite Erwachsene als übergewichtig, jeder vierte sogar als krankhaft adipös. Bei Kindern und Jugendlichen sieht es kaum besser aus.

Schuld daran sind falsche Ernährung, Fertiggerichte und zu viel Zucker. Und natürlich mangelnde Bewegung. In seinem Reportage-Format "Jenke macht Mut" begleitete Jenke von Wilmsdorff am Montagabend Menschen, die stark übergewichtig sind und abnehmen wollen.

Zu dick für die Achterbahn

Im Mittelpunkt standen Simone Metzerath, 1,62 Meter groß und zu Beginn der Sendung 130 Kilogramm schwer, sowie Nadya Jelil, 1,66 Meter groß und 136 Kilogramm schwer. "Ich möchte möglichst lange für meine Kinder da sein. Aber das geht mit dem Fett nicht. Das ist Suizid auf Raten", erklärte Metzerath. Ähnlich erschreckend verlief ein Besuch auf dem Jahrmarkt für Jelil, als sie nicht in einer Achterbahn fahren durfte, da sich der Sicherheitsbügel nicht schließen ließ.

Kurzatmigkeit, drohende Diabetes, Bänderrisse, die Blicke der anderen Menschen. Die geschilderten Probleme ähnelten sich. Ihre ungesunde Ernährung und ihre Fressattacken bekamen beide Frauen dennoch nicht in den Griff. Im Rahmen der Sendung sollte nun endlich die Wende gelingen, mit völlig unterschiedlichen Ansätzen. Während Metzerath auf eine Ernährungsumstellung und Sport setzte, ließ sich Jelil einen Magenbypass legen.

So weit, so spannend. Doch anstatt sich auf den Weg der beiden Frauen zu konzentrieren, entführte die RTL-Sendung die Zuschauer an etliche andere Schauplätze. Für knapp zwei Wochen reiste von Wilmsdorff mit seinem Kameramann in die USA, die dort gedrehten Beiträge trugen aber wenig Inhaltliches bei, sondern erinnerten eher an ein Kuriositäten-Kabinett.

Besuch in der Stadt mit den meisten dicken Menschen der USA

Der Fernsehjournalist besuchte McAllen in Texas, die Stadt mit den meisten dicken Menschen in den USA. Dort erzählte ihm eine ziemlich dicke Frau in einem Restaurant, dass sie sich sogar auf ihre Spaghetti und ihre Pizza Zucker streut. Die Reise führte weiter zum schwersten Säugling der USA, der bei seiner Geburt bereits 6,5 Kilogramm wog und wenig überraschend auch stark übergewichtige Eltern hat.

Ein weiterer Halt führte zu einem Diätarzt, der seinen Patienten eine Magensonde legt und sie darüber mehrere Tage lang mit einer Lösung aus Fett und Eiweiß versorgt. Diese fragwürdige Praxis soll zu einer Gewichtsreduktion führen. Auch die ehemals schwerste Mutter der Welt besuchte von Wilmsdorff, die Tochter der 200-Kilo-Frau ist mittlerweile elf Jahre alt und wiegt ebenfalls bereits 90 Kilogramm. "Das Land frisst sich zu Tode", lautete von Wilmsdorffs Fazit nach der USA-Reise. Ob er alle diese Menschen besuchen hätte müssen, um zu diesem Schluss zu kommen, sei mal dahingestellt.

Von Wilmsdorff spricht mit zu vielen Menschen

Generell wurde in den knapp zwei Stunden einschließlich Werbung einfach mit zu vielen Menschen gesprochen. Ärzte, Experten, Ernährungsberater, da konnte man schon fast den Überblick verlieren. Zwischenzeitlich war von Wilmsdorff bei Foodwatch in Berlin, dann in einer Abnehmklinik bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, dann bei einem Mann, der einen Magenbypass erhalten und danach mit Depressionen und Selbstmordgedanken zu kämpfen hatte. Selbst von Wilmsdorffs Kameramann Corny wurde noch Teil der Sendung und musste sich im Intervallfasten probieren. Am Ende hatte er sieben Kilogramm abgenommen.

Deutlich mehr schafften Simone Metzerath und Nadya Jelil. Mit Ernährungsumstellung und Sport gelang es Metzerath, innerhalb von drei Monaten 15 Kilogramm reines Fett zu verlieren, Jelil hatte drei Monate nach der Operation 25 Kilogramm und fünf Kleidergrößen weniger vorzuweisen.

"Die schlechte Nachricht: Diäten machen eigentlich nur dick", zog Jenke von Wilmsdorff am Ende Fazit: "Die gute Nachricht: Man kann es schaffen. Wenn man es will. Wenn man die eine oder andere Versuchung aushält, ihr lernt zu widerstehen. Denn mit jedem Kilo, das man verliert, wird das Leben leichter." Das ist sicherlich richtig. Aber nichts, was man nicht auch schon vor der Sendung gewusst hätte.

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