Am 15. Oktober startet auf Prime Video die Horror-Serie "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast". Die Serie ist eine Neuinterpretation des Kultfilms von 1997. Die Serie geht aber andere Wege und legt mehr Wert auf die Beziehungen und Hintergründe der Figuren. Horror-Fans werden an der zeitgemäßen Variation der Geschichte Spaß haben, wirklich Neues hat die Amazon-Serie aber nicht zu bieten.

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Eine Kritik
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Wohl kaum eine andere Sparte des Filmgeschäfts köchelt so sehr im eigenen Saft wie das Horror-Genre. Und das seit Jahren, eigentlich sogar seit Jahrzehnten. Prequels, Sequels und Remakes bestimmen das Geschehen. Wirklich innovative Filme sind selten, ein echter Meilenstein für das Genre gelingt nur alle paar Jahre. "Scream" war zweifellos ein solcher Film, der das Subgenre des Teen-Horrorfilms 1996 neu belebte.
Auch "Scream" zog logischerweise mehrere Fortsetzungen nach sich, viele andere Produktionen versuchten, im Fahrwasser des weltweiten Erfolgs mitzuschwimmen und kupferten das Slasherkonzept ab.

Die meisten dieser Filme sind völlig zu Recht vergessen, "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" wurde allerdings ebenfalls zum Hit und genießt auch beinahe 25 Jahre später noch Kultstatus. Alleine schon die Besetzung war außergewöhnlich, "Buffy"-Darstellerin Sarah Michelle Gellar, Jennifer Love Hewitt, Ryan Phillippe, Freddie Prinze Jr. und "Big Bang Theory"-Star Johnny Galecki waren damals zu sehen. Für einige wurde der Film zum Sprungbrett für große Karrieren.

Dass Amazon den Film nun im Serienformat für den hauseigenen Streamingdienst Prime Video neu aufgelegt hat, ist deshalb absolut nachvollziehbar. Schließlich steht Halloween vor der Tür und der Herbst ist generell die beste Jahreszeit zum Gruseln. Ab 15. Oktober sind die ersten vier Folgen von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" abrufbar, jeden darauffolgen Freitag wird eine weitere der insgesamt acht Folgen online gestellt.

"Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast": Serie muss Spagat schaffen

Die großen Fußstapfen sind für die Serie aber auch eine Belastung, da sie den Spagat schaffen muss, dem Film von 1997 gerecht zu werden und gleichzeitig vieles neu zu machen. "Ich kenne den Film sehr gut und habe ihn mir nochmal angeschaut, bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe", erklärte die Produzentin und Autorin Sara Goodman bei einer internationalen Pressekonferenz auf Nachfrage unserer Redaktion: "Danach habe ich ihn nicht mehr geschaut, weil es wichtig war, etwas Neues zu schaffen, aber gleichzeitig das Original zu respektieren."

Der offensichtlich größte Unterschied ist die Spielzeit. Während der Film knapp 100 Minuten dauerte, müssen nun acht Stunden gefüllt werden. Die Serie nimmt sich deshalb auch viel Zeit, um die Figuren einzuführen. Diese wirken dabei teilweise überzeichnet und nicht sonderlich sympathisch. Sympathiepreise müssen sie aber auch nicht gewinnen, schließlich geht es in "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" um Schuld, Reue, Gewissenskonflikte und Rache.

Die Amazon-Serie verlegt die Geschichte nach Hawaii

Die Geschichte dreht sich um eine Gruppe reicher Teenager, die auf Hawaii lebt und es gerne ordentlich krachen lässt. Partys, Drogen, Sex, TikTok und Instagram sind ihre Lebensinhalte, doch schon bald beendet ein verhängnisvoller Verkehrsunfall diese Unbeschwertheit. Ein Jahr später beginnt ein geheimnisvoller Mörder damit, Jagd auf die Jugendlichen zu machen. Der berühmt-berüchtigte Schriftzug "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" taucht gemeinsam mit einem abgetrennten Ziegenkopf in einem Kleiderschrank auf.

Der Cast besteht mit Brianne Tju, Ezekiel Goodman, Ashley Moore und Sebastian Amoruso aus frischen Gesichtern, besonders stark ist Madison Iseman in der Doppelrolle der Zwillingsschwestern Lennon und Alison. Teilweise fragt man sich, ob das nicht doch zwei verschiedene Personen sein müssen.

"Die große Herausforderung war es, Charaktere in einer Welt zu schaffen, in der er es sehr viel mehr Geheimnisse gibt. Es geht um mehr als nur die Frage, wer hinter ihnen her ist", erzählte Autorin Goodman. Tatsächlich geht die Serie viel tiefer auf die Beziehungen der Figuren untereinander ein, ihre Geheimnisse, Geschichten und Abgründe werden beleuchtet. Auch wenn das Blut reichlich spritzt, ist "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" somit kein reiner Slasher-Horror, sondern auch ein Stück weit Beziehungsdrama.

Die Serie ist eine zeitgemäße Neuinterpretation des Films

Serie und Film gehen übrigens auf den gleichnamigen Roman der Schriftstellerin Lois Duncan von 1973 zurück. Die 2016 verstorbene Autorin hasste die Verfilmung, weil ihr Psychothriller um Schuld und Reue als überdrehter Teenie-Horrorfilm interpretiert worden war. Die Serie nimmt sich nun mehr Zeit für die psychologischen Aspekte der Geschichte. Allerdings wird auch schnell klar, dass doch eher der Film als das Buch Pate stand, Fans der ersten Verfilmung werden jedenfalls das eine oder andere Osterei entdecken.

Letztlich ist die Amazon-Serie eine zeitgemäße Neuinterpretation eines Kultfilms aus den 90ern. Die Serie ist düster, moderne Technik wie Smartphones und Social Media verändern das Storytelling. Wer das Original mochte oder generell auf Horrorfilme steht, wird auch an der Serie "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" dranbleiben.

Für etwas wirklich Neues in einem nach Innovation lechzenden Genre sorgt sie aber nicht. Dafür steckt dann doch zu viel von dem Kultfilm von 1997 in der Serie.

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Verwendete Quellen:

  • Internationale Pressekonferenz mit der Produzentin und Autorin Sara Goodmann
  • Vorabsichtung der ersten vier Folgen von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast"