"Die Höhle der Löwen" ist ein großer Erfolg für Vox, obwohl die Show eigentlich ziemlich monoton abläuft. Daher tat ein bisschen frischer Wind am Montagabend ganz gut. Mit den Lemckes von Ankerkraut kamen nämlich zwei alte Bekannte als Gast-Investoren in die Show und mischten die Alt-"Löwen" auf – zumindest ein bisschen.

Christian Vock.
Eine Kritik
von Christian Vock
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Eigentlich freut man sich als Lehrer, wenn aus den Schülern was geworden ist. Bei den Investoren aus "Die Höhle der Löwen" ist das nicht anders. Zumindest wenn man den hübschen und überharmonischen Einspielfilmchen glaubt, mit denen Vox während der Show erzählt, was denn aus so manchem Deal geworden ist. Da kann man leicht das Gefühl bekommen, dass Judith Williams, Carsten Maschmeyer und Co. bei ihren Gründern schon fast zur Familie gehören.

In der jüngsten Ausgabe läuft es ein bisschen anders. Am Montagabend treffen zwar wieder Lehrer und Schüler aufeinander, aber diesmal erstens nicht im Filmchen, sondern im Studio und zweitens wird es diesmal nicht so harmonisch wie sonst. Denn wo sonst jeder seinen Platz kennt, kommen die ehemaligen Gründer in dieser Folge ihren einstigen Lehrmeistern in die Quere.

Vox ist nämlich am Montagabend aus der üblichen Routine ausgebrochen und hat zwei ehemalige Gründer kurzerhand zu Gast-Juroren gemacht, die den arrivierten "Löwen" die Beute streitig machen wollen. Oder wie es Ex-Gründer Stefan Lemcke formuliert: "Wir sind wieder da. Ankerkraut is in da house."

Stefan Lemcke über Carsten Maschmeyer: "Das müsst ihr ihm nicht unbedingt glauben"

Vor fünf Jahren haben Stefan und Anne Lemcke bei der "Höhle der Löwen" ihr Start-up, die Gewürzmanufaktur Ankerkraut, präsentiert. Frank Thelen gefiel das Unternehmen so gut, dass er seinerzeit investierte.

Inzwischen ist Ankerkraut so stark gewachsen, dass die Lemckes ein bisschen was von ihrem Unternehmen verkauft haben und nun auf die Seite der Investoren gewechselt sind. Für Vox ein Glücksfall, schließlich kann man so ein kleines Geschichtchen erzählen und gleichzeitig den immer gleichen Ablauf der Show ein bisschen aufpeppen.

Dass die Lemckes aber nicht nur wegen zu viel Freizeit oder Unterhaltungsabwechslung gekommen sind, stellt Anne Lemcke von Anfang an klar: "Wir sind gespannt, wir wollen uns keine Butter vom Brot nehmen lassen." Die Gelegenheit dazu haben die beiden gleich beim ersten Start-up. Hier stellen nämlich Filip Mierzwa und Simon Köstler einen scheinbar alltäglichen Gegenstand vor, der aber Begeisterung bei Stefan Lemcke weckt: eine Pfanne.

Ihr Unternehmen STUR vertreibt eine Gusseisenpfanne, die leichter als die Konkurrenz sein soll und die buchstäblich aus einem Guss ist. Nicht nur Pfannen-Fan Lemcke ist angetan, sondern auch die anderen "Löwen".

Kleiner Haken: Zwar stimmen auch dank Crowdfunding die Zahlen, aber bisher gibt es nur Vorbestellungen. Carsten Maschmeyer glaubt daher nicht daran, dass die Bestellungen weiterhin so hoch bleiben - doch da grätscht Stefan Lemcke sofort dazwischen: "Das hat er bei uns damals auch gesagt, deshalb müsst ihr ihm das nicht unbedingt glauben."

"Die Höhle der Löwen": Pfannen-Gründer bleiben STUR

Tun sie auch nicht, doch weil sie am Ende auf ihren Prozentzahlen bestehen, kommt trotz mehrerer Angebote kein Deal zustande. "Es muss sich auch lohnen", zeigt Stefan Lemcke zwar Verständnis, aber keine Investitionsbereitschaft. Und so stehen auf der Ankerkraut-Habenseite erst einmal null Investments und ein flotter Spruch gegen die alten "Löwen". Ein zweiter sollte beim Deo-Start-up Holy Pit! hinzukommen.

Branka Puljic und Asmir Samardzic aus Wien wollen den Müll bei Pflegeprodukten reduzieren und haben eine vegane Deo-Creme entwickelt, die Bakterien hemmt, deren Verpackung aus Zuckerrohr ist und die man nachfüllen kann. Wöhrl findet's gut, sieht aber eine Gefahr in der Nachahmbarkeit. Und auch hier stichelt Lemcke wieder: "Genau diese Argumente hören wir auch wirklich oft und ich sag euch: Blendet das bitte aus, macht genau so weiter!"

Den Rat nehmen die beiden Gründer gerne an, denn sie wollen sogar kopiert werden, "weil das produziert keinen Müll mehr". Am Ende bekommen die Lemckes mit Holy Pit! ihren ersten Gründer-Deal in der Show. Somit stehen bis hierhin ein Deal und zwei Sprüche auf dem Konto der Lemckes - und jeweils einer sollten noch dazukommen.

Wayne Kock und Marlon Harms kommen nämlich mit ihrem Produkt Veggie Crumbz in die "Höhle der Löwen", wollen dort 200.000 Euro einsammeln und dafür 10 Prozent Unternehmensanteile abgeben.

Georg Kofler teilt aus: "Ihr Teilzeit-Löwen"

Die beiden haben eine Panade aus Gemüse entwickelt, die es bisher nur für B2B-Kunden gibt; nun wollen sie damit auch in die Supermarktregale. Nach Ansicht der Investoren ein guter Plan, denn die Panade schmeckt allen außergewöhnlich gut. So gut, dass nun mit ein bisschen Ellbogen gekämpft wird.

Stefan Lemcke will gerade seine Vorteile als Investor ausbreiten, als Maschmeyer dazwischenredet. "Darf ich mal kurz, Carsten?", unterbricht Lemcke wiederum den Unterbrecher und macht dann sofort weiter. Er könne sich viel persönlicher um die Gründer kümmern als seine Konkurrenten Georg Kofler und Ralf Dümmel mit ihren "Riesenläden".

Da fühlt sich Kofler verpflichtet, seinerseits auszuteilen: "Ihr Teilzeit-Löwen, ja. Die Diskriminierung eurer Mit-Löwen nur bitte in Grenzen! Sonst fangen wir an."

Stefan Lemcke gibt noch einmal kurz Widerworte, was aus dem kleinen Scharmützel zwar keinen Riesenstreit macht, aber immerhin bekommt "Die Höhle der Löwen" hier mal ein bisschen erhöhten Puls. Für die Show hat sich die Einladung der Gast-Investoren aus Unterhaltungssicht also schon mal gelohnt.

Aber auch die Ankerkraut-Löwen dürften ihren Spaß gehabt haben. Zum einen ist so ein Auftritt immer gutes Marketing. Zum anderen bekommen sie an diesem Abend mit Veggie Crumbz noch einen zweiten Deal, obwohl sie damit gar nicht gerechnet haben. "Ich glaub, die machen das mit den beiden", mutmaßt Stefan Lemcke, dass das Kombi-Angebot von Kofler und Dümmel den Zuschlag erhält. Doch die Veggie-Crumbz-Gründer entscheiden sich für die Lemckes, weil sie hier weniger Anteile abgeben müssen.

Und so zieht Georg Kofler, wenn auch amüsiert, ein anderes Fazit als das Paar von Ankerkraut: "Ich find, das mit den Gäste-Löwen ist keine gute Idee."

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