Sie haben ein Problem? Dann gehen Sie zur "Höhle der Löwen"! Sie haben eine Lösung? Dann gehen Sie auch dorthin! Sie haben weder ein Problem noch eine Lösung? Dann müssen Sie auf jeden Fall in die Show! Das zumindest hat man in der jüngsten Folge der "Höhle der Löwen" gelernt.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Mehr Infos zu "Die Höhle der Löwen" 2018 finden Sie hier

Man mag nicht unfair sein, aber in dieser Staffel "Die Höhle der Löwen" waren bislang nicht unbedingt Produkte dabei, von denen man sagen kann: Das bringt die Menschheit einen gehörigen Schritt weiter, hier werden echte Probleme gelöst. Und die Produkte, die zumindest in diese Richtung gehen, fanden keinen Investor.

Man denke zum Beispiel an die Simulationspuppe, an der Ärzte die Behandlung von Frühchen üben können. Diese Unwucht mag man der Show gar nicht vorwerfen, das gehört einfach nicht zum Konzept. Die Währung bei "Die Höhle der Löwen" ist eben nicht Zukunftsfähigkeit, sondern nach wie vor Geld.

Die ersten Gründer der jüngsten Folge haben allerdings verstanden, dass das eine das andere nicht unbedingt ausschließen muss.

In einer Bar kam den drei Gründern die Idee zu eatapple, einem essbaren Trinkhalm aus Apfeltrester. "Gute Haptik, funktioniert, hätte ich niemals gedacht, dass man so ein hartes Produkt aus einem Apfel machen kann", fällt Frank Thelens Ersteindruck aus.

Kein Geld gegen Plastikmüll

"Essen können sie den alleine, der schmeckt gruselig", urteilt hingegen Carsten Maschmeyer, versteht aber den grundsätzlichen Gedanken hinter dem Produkt: "Aber dass sie keinen Plastikmüll verursachen, das ist schon einmal eine lobenswerte Idee."

Auch die anderen "Löwen" haben verstanden, dass das Konzept des Plastikstrohhalms nicht zu Ende gedacht wurde. Allerdings gefällt ihnen der jetzige Zustand der Apfelstrohhalme noch nicht, denn sie verlieren schon während der Vorführung ihre Form.

Deshalb schicken die "Löwen" die drei Gründer noch einmal zum Nachbessern. Geld für dieses Nachbessern will aber niemand von ihnen investieren.

Vielleicht hätten die Gründer statt Trester einfach ein anderes Material nehmen sollen für ihre Strohhalme. Zum Beispiel Stroh.

Maschmeyer weiß noch, wie andere seine Wäsche gewaschen haben

"In den 1950er Jahren wurde der Wäscheständer erfunden. Damals eine Revolution für jeden Haushalt", leitet der nächste Gründer, Andreas Plath, die Vorstellung seiner Erfindung ein: einen spiralförmigen Trockenständer für Bettwäsche, den man an einen Haken hängt. Und weil es ihm offenbar die 1950er Jahre angetan haben, hat er sich einen Namen für seine Erfindung ausgedacht, der damals ein Knaller gewesen wäre: Trockenfix.

"Sorry, ich kann's doch nicht an die Tür hängen", erhebt Frank Thelen sogleich Einspruch und gesteht, dass er vom Haushalt keine Ahnung hat: "Mein Endziel ist, dass das alles Roboter machen."

Auch Carsten Maschmeyer muss in Kindheitserinnerungen nach Bildern vom Wäschewaschen kramen und kommt irgendwann drauf, dass man Wäsche wohl zum Trocknen auf Schnüre hängt.

Kofler und Dümmel kennen Wäschewaschen nicht nur vom Hörensagen und wollen in die Idee investieren. "Ich liebe es, Problemlöser groß zu machen", erklärt Ralf Dümmel seine Gründe und offenbar liebt es Plath, Investoren groß zu machen, die es lieben, Problemlöser groß zu machen. Am Ende steht jedenfalls der Deal mit Dümmel.

Kein Problem? Kein Problem!

Katharina Baumann hat leider kein Problem mitgebracht. Eine Lösung auch nicht. Baumann will ihr Unternehmen Design Bubbles zur "coolsten Candle-Company der Welt machen". Die Idee: Baumann verkauft Kerzen in alten Champagnerflaschen. Für bis zu 119 Euro. Ernsthaft.

"It's all about the story", zeigt Frank Thelen seine Begeisterung dafür, dass Baumann alte Flaschen zu deftigen Preisen verkauft. "Es ist einfach großartig, wie du hier eine Geschichte aufgebaut hast und eine so große Nachfrage generiert hast, die du nicht bedienen kannst und Kerzen für 79 Euro in abgeschnitten Flaschen verkaufst. Das ist einfach brillant."

Der Samen für diese "Brillanz" wurde bei Baumann in einem Start-up-Seminar im Silicon Valley gelegt: "Damals wurde mir beigebracht, meine Träume immer zu verdoppeln." Was man nicht alles für einen Unfug in Start-up-Seminaren lernt.

Zumindest finanziell scheint sich der Ratschlag aber gelohnt zu haben. Dagmar Wöhrl will in die Flaschen-Kerzen investieren.

Nur noch 60 Sekunden

Beim nächsten Start-up, einer Kokosnuss-Chips-Firma, lies sich Georg Kofler für das Wettbieten etwas Besonderes einfallen.

Mit "Dieses Angebot gilt nur in den nächsten 60 Sekunden", unterbreitete er sein Angebot ganz in Shopping-Kanal-Manier und man wartete nur darauf, dass er noch einen Messerblock und ein Set Handtücher obendrauf packt.

Die Gründer ließen sich von dieser plumpen Show nicht unter Druck setzen und hörten sich lieber noch die Angebote von Ralf Dümmel, Frank Thelen und Dagmar Wöhrl an. Am Ende wird es wieder Ralf Dümmel.

Was waren die Erkenntnisse dieser Folge von "Die Höhle der Löwen"? Mit dem Trockenfix-Gründer konnte man lernen, dass man kein Problem braucht, sondern nur eine Lösung, die man verkaufen kann. Die Apfelstrohhalm-Gründer haben gezeigt, dass man zwar ein Problem haben kann, aber die Lösung auch verkaufen können muss.

Die Flaschen-Kerzen-Frau hingegen hat veranschaulicht, dass man weder Problem noch Lösung braucht, um eine Investorin zu finden. Und Vox hat gelehrt, dass man mit dem Finden von Lösungen und Problemen zwar kein Problem lösen, dafür aber eine erfolgreiche TV-Show machen kann.