Statt neuer Kleidung verpasst Guido Maria Kretschmer seinen Kandidatinnen in "Guidos Deko Queen" ein neues Wohnzimmer. So groß sind die Unterschiede zu "Shopping Queen" allerdings nicht.

Felix Reek
Eine Kritik
von Felix Reek
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Wer erinnert sich nicht mit Schrecken an all die Wohnungen, die Tine Wittler in ihrer Einrichtungsshow in den Nullerjahren verschlimmschönerte. Da saß der Kranfahrer mit seiner Familie auf einmal in einem pastellfarbenen Ikea-Traum, von dem klar war, dass er am Ende der Woche auf dem Sperrmüll landen würde. Eine ganze Reihe Nachahmer-Heimwerkersendungen folgte, doch dieser Trend im Fernsehen ist glücklicherweise lange vorbei. Zumindest bis jetzt.

Zunächst sechsmal sucht Guido Maria Kretschmer am Samstagnachmittag nach der "Shopping Queen" die "Deko Queen" auf VOX. Was der Designer mit Inneneinrichtung zu tun hat? Eigentlich nichts, er ist aber auch kein Journalist und bringt trotzdem unter seinem Namen eine Zeitschrift heraus.

Beziehungsweise zwei: Pünktlich zum Start von "Guidos Deko Queen" startet ein weiteres Magazin, das sich genau mit diesem Themengebiet beschäftigen soll. Nicht weiter verwunderlich: Manche unken, dass das Unterhaltsamste an "Shopping Queen" sowieso immer die Einblicke in die Wohnungen der Teilnehmerinnen waren.

"Guidos Deko Queen": Tiny House trifft auf Bauernhof

In Folge eins von "Guidos Deko Queen" geben diese Innenansichten Carolin und Mebel, die auf maximale Unterschiede gecastet wurden. Erstere Anfang 40, sozial engagiert, ein wenig unauffällig spießig, mit eigenem Gutshof samt fünf Gebäuden.

Mebel in den Zwanzigern, im perfekten Fünfzigerjahre-Look, sie lebt auf dem Grundstück der Eltern in einem sogenannten Tiny House, der Hipster-Variante des Peter-Lustig-Wohnwagens. Beruf: Pyrotechnikerin. Guido Maria Kretschmer füllt wie gewohnt den Bildrand und kommentiert zwischen freundlich und freundlich bissig.

Das Prinzip der neuen Show unterscheidet sich gar nicht mal so sehr von der bewährten "Shopping Queen". Statt Modeboutiquen wird für jeweils 2.500 Euro in Baumärkten geshoppt, dem Bus mit den Kandidatinnen folgt ein zweiter - um die Möbel zu transportieren.

Ein maximal unverständliches Motto gibt es auch: "Go Wild - Verwandle dein Wohnzimmer in einen Urban Jungle", das von Kretschmer im Anschluss noch langatmig erklärt wird. Bis beide Kandidatinnen gar nicht mehr wissen, worum es geht. Das ist aber eigentlich egal, Hauptsache, sie bringen eine scheußliche Lampe mit riesigem Tukan irgendwo unter, die zweite Aufgabe bei "Guidos Deko Queen". Jeweils zwei Helfer unterstützen Carolin und Mebel beim Versuch, ihr Wohnzimmer in einen Dschungel zu verwandeln.

Kretschmer ist fasziniert, "was in so einem kleinen Raum passieren kann"

Wobei "unterstützen" schwer untertrieben ist: Eigentlich leisten sie einen Großteil der Arbeit. Der Bruder von Mebel entkernt den ganzen Wohnwagen und sägt zwei Bäume als Deko im Garten um, der Mann von Carolin räumt das Zimmer aus und streicht es neu.

Zu sehen bekommt der Zuschauer davon wenig. Stattdessen verfolgt die Kamera das gewohnte Bild: Carolin kauft einen halben Pflanzenladen leer, Mebel ist zurückhaltender, hat aber auch weniger Platz: Ihr Wohnzimmer ist das einzige Zimmer ihres Bauwagens.

Dazwischen werden viele Sachen aus Regalen genommen, begutachtet, noch einmal über den Preis verhandelt und sich gefreut, wenn es klappt. Zum Beispiel, als Carolin einen Sitzsack ergattert, sodass er gerade noch in ihr Budget passt.

Am Ende der Show steht das Finale bei Guido Maria Kretschmer im Studio oder besser gesagt Wohnatelier an. Die Kandidatinnen führen noch einmal die Kamera gemeinsam durch ihr neues Wohnzimmer und Kretschmer spricht ein paar abschließende Worte.

Zu Mebel sagt er: "Ich bin fasziniert, wie viel passieren kann in so einem kleinen Raum." Offensichtlich aber nicht genug, es gewinnt Carolin, die ihr Wohnzimmer "ganz leicht angehippiet" hat. Sie darf mit 5.000 Euro wieder nach Hause fahren.

Die dürfte sie auch dringend brauchen, die einzige Sitzgelegenheit in ihrem Wohnzimmer ist der erhandelte Sitzsack, dem die Couch weichen musste. Wer in Zukunft hier Platz nehmen darf, muss das mit dem Rest ihrer Familie aushandeln.

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