Die "Guardians of the Galaxy" sind zurück, und auch in "Vol. 2" hat die schrägste Patchwork-Familie des Universum nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren. Im Gegenteil: Mit alten Helden und neuen Charakteren macht dieser Teil sogar noch mehr Spaß.

Es ist eine der universellen Wahrheiten des Lebens: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen, seine Freunde schon. Doch wahr ist leider auch, dass selbst diese Freunde bisweilen echte Nervensägen sind.

In "Guardians of the Galaxy Vol. 2" dreht sich fast alles um diese große Erkenntnis und die damit verbundenen Komplikationen. Doch keine Sorge: die Leichtigkeit ist noch immer da.

Hier sind sogar Penis-Witze ok

Am bewährten Rezept hat Regisseur James Gunn nämlich – zum Glück - nichts geändert. Wie schon in Teil eins reihen sich auch diesmal witzig-coole Dialoge aneinander, deren Sprüche auch mal unter die Gürtellinie zielen, jedoch kurz vor der ultimativen Peinlichkeit die Kurve kriegen. Da gehen sogar Penis-Witze. Eine echte Leistung! Dazu besticht der Soundtrack wieder durch eine Lässigkeit – und die LSD-Trip-Optik knallt bis knapp vor dem Overkill.

Bei der Story will der zweite Teil tiefer gehen und den Charakteren mehr Tiefe verleihen. Das gelingt weitgehend auch erstaunlich gut.

Exklusiver Clip aus "Guardians of the Galaxy Vol. 2"

"Guardians of the Galaxy Vol. 2" mit Chris Pratt, Kurt Russell, Zoe Saldana und Dave Bautista läuft ab dem 27. April im Kino.

Star-Lord Peter Quill (Chris Pratt) trifft endlich seinen Vater (Kurt Russell), der sich nicht nur als ganzer Planet entpuppt, sondern auch sonst für den einen oder anderen Schockmoment sorgt.

Und als wäre diese Familiengeschichte nicht schon kompliziert genug, sind da ja auch noch Gamora (Zoe Saldana) – in deren Beziehung zu Peter auch nicht gerade eitel Sonnenschein herrscht – und Schwester Nebula (Karen Gillan).

Nebenfiguren werden zu Helden

Letztere soll von den Guardians ausgeliefert werden, kann jedoch flüchten – nicht, ohne sich noch einen amtlichen Showdown mit Gamora zu liefern.

Bei diesem Zusammentreffen wird deutlich, wie sehr die beiden noch immer unter den die Quälereien ihres Adoptiv-Vaters Thanos leiden und noch lange brauchen werden, sich einander anzunähern.

Noch irrer, noch süßer: Star-Lord, Gamora, Baby Groot & Co. im neuen Trailer.


Die größte Entwicklung legt aber ganz sicher Drax, der Zerstörer (Dave Bautista), hin. Er trägt noch immer sein Herz auf der Zunge – jedoch ist sein Auftritt viel facettenreicher geworden und er ist nicht mehr nur witziger Sidekick.

In der ähnlich naiven und supersüßen Mantis (Pom Klementieff) hat er ein perfektes Gegenstück gefunden. Zwar sagt er ihr ins Gesicht: "Du bist hässlich" und empfindet das auch noch als Kompliment.

Er ist aber auch derjenige, der in der emphatischen Insekten-Frau das erkennt, was im Grunde alle Guardians sind: Outsider, die allein ihren Weg finden müssen und sich einander die Familien ersetzen und Halt geben.

Gegenentwurf zu den "Avengers"

Beste Chancen auf den Titel "Fanliebling" hat aber –neben dem symphatisch-nervigen Waschbären Rocket (deutsche Stimme: Fahri Yardim) und natürlich Baby-Groot – vor allem der Yondu (Michael Rooker).

Und das ist erstaunlich, denn den blauen Ravager hatte man nach dem ersten Film nicht gerade als Obersympathen in Erinnerung.


Doch wie bereits erwähnt: Charakterentwicklung wird hier groß geschrieben, und jeder bekommt die Chance, sein wahres Ich zu zeigen und über sich hinaus zu wachsen. (Pssst: Sie sollten eine Packung Taschentücher mit ins Kino nehmen!)

Im Jahr 2014 waren die "Guardians" ein echter Überraschungshit. Dieser Haufen schräger Typen, die so etwas wie die rotzigen Cousins der allzu glatten "Avengers" sind, schaffte es, sich im riesigen Marvel-Universum einen Ehrenplatz zu erspielen.

Kein Wunder also, dass die Truppe wieder auf die Leinwand geschickt wurde - und sie hat sich der Vorschusslorbeeren mehr als würdig erwiesen.

Schon der Vorspann ist großes Kino

Klar, wer mehr von einem Film erwartet als flotte Sprüche, coole Typen und Weltraum-Geballer, wird natürlich nicht viel Freude an den "Guardians" haben.


Und ehrlicherweise mag auch so mancher Wohlgeneigte sich denken, dass die Story an einigen Ecken doch noch hätte ausgefeilter sein können, dass für so manchen Lacher ein arg flacher Spruch herhalten musste und dass vor allem Chris Pratt als Star-Lord erstaunlich blass bleibt.

Aber trotzdem: Allein der Vorspann macht mehr Spaß, als so mancher ganze Film des Genres, und man erkennt schon hier, dass von der Regie über die Darsteller bis zum Special-Effects-Team Leute am Werk waren, die mit dem gleichen kindlichen Enthusiasmus an die Sache gehen wie der überwiegende Teil der Zuschauer.

Und auch der Abspann hat es in sich. Als kleiner Service hier ein Tipp: Bleiben Sie unbedingt in ihrem Kinosessel sitzen!

James Gunn ist für seine Liebe für "Easter Eggs" (kleine Gags oder Hinweise für Fans) hinlänglich bekannt und liefert nicht nur den schon Standard gewordenen Cliffhanger, also den Ausblick auf die Fortsetzung, sondern unterbricht die Credits gleich fünfmal (!) mit großartigen Szenen. Da ist auch sogar für Comic-Nerds was dabei!

"Guardians of the Galaxy Vol. 2" mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Michael Rooker, Kurt Russell, Sylvester Stallone UND DAVID HASSELHOFF startet bei uns am 27. April in den Kinos.