ProSieben steckt in seiner neuen Show "Global Gladiators" Promis wie Oliver Pocher und Lilly Becker in einen Container und lässt sie gegeneinander antreten. Das sollte wohl die Reize von "Schlag den Raab" und "Big Brother" vereinen, funktionierte aber überhaupt nicht.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Mehr Infos zu "Global Gladiators"

Wir wollen fair sein. Man erfindet nicht jeden Tag "Wetten, dass..?" oder "Wer wird Millionär?". So gesehen ist es nichts Unehrenhaftes, wenn man sich bei einer neuen Show all der Zutaten bedient, die momentan so in der Fernsehunterhaltung funktionieren.

Das sind derzeit Quiz-Shows, Casting-Shows, "Big Brother"-Derivate und abendfüllende Action-Shows à la "Schlag den Raab".

Und da offenbar gerade niemandem das neue "Wetten, dass..?" eingefallen ist, hat sich ProSieben eben mit "Global Gladiators" eine Show ins Programm geholt, die sich aus den letzten beiden Zutaten zusammensetzt, also Video-Überwachung und Action-Spielchen.

Brot und Spiele für die Promis

Oder, um im hinkenden Vergleich der Gladiatoren-Motto-Party zu bleiben: Brot und Spiele.

Vom Comedian ist man einiges gewohnt - doch er unterbietet sich einmal mehr.

Die Details sind schnell erklärt: Acht TV-Bekanntheiten hausen zusammen in einem videoüberwachten Container, der um die Welt gefahren wird. Ab und an verlassen die Bewohner ihren Container, um sich in zwei Teams bei Action-Spielchen zu messen. In Folge eins waren das Helikopter-Darts, Quad-Polo oder Spinnennetz-Boule.

Am Ende bestimmt dann das Sieger-Team, wer von den Verlierern nach Hause fahren muss.

Wie bitte? "Fashion-Ikone" Lilly Becker?

So weit, so unspektakulär also und da gehört es dazu, dass ProSieben "Global Gladiators" mit dem üblichen PR-Superlativgeschnatter angekündigt.

Vom "ultimativen Adrenalin-Kick", einem "einzigartigen Abenteuer" oder dem "Roadtrip des Lebens" ist da im Vorfeld die Rede und man ist sich sogar nicht zu schade, Teilnehmerin Lilly Becker als "Fashion Ikone" anzukündigen.

Das ist alles schön und gut, nur muss sich die Show dann eben an den eigenen Versprechen messen lassen.

Um die zu erfüllen, hat ProSieben beim "Big Brother"-Teil nichts dem Zufall überlassen und mit Larissa Marolt, Lilly Becker und Oliver Pocher Promis eingeladen, die bislang nicht gerade durch eine allzu große Impulskontrolle aufgefallen sind. Soll ja auch ordentlich scheppern im Container.

Pietro Lombardi bisher Nebendarsteller

In einer TV-Show stieß Lombardi an seine Grenzen.

Die anderen Teilnehmer wie die Ex-Fußballer Ulf Kirsten und Nadine Angerer, Schauspieler Raúl Richter, Model Mario Galla und DSDS-Gewinner Pietro Lombardi sind zumindest in Folge eins nur Kulisse für die anderen drei.

Aber außer einem dummen Spruch von Pocher hier und einer Überreaktion von Frau Becker dort, erreichen die Frotzeleien noch nicht einmal Trash-TV-Niveau. Stattdessen kann man zugucken, wie Ulf Kirsten Kreuzworträtsel löst oder den Weisheiten eines Pietro Lombardi lauschen.

Oder aber man taut endlich mal wieder das Eisfach ab oder geht mit dem Hund raus. Das versprochene Trash-TV-Brot ist jedenfalls nur ein feuchter Toast.

"Global Gladiators" ist langatmig inszeniert

Nicht wesentlich besser läuft es da in der Abteilung "Spiele". Es mag ja sein, dass jeder der Promis, wie diese immer wieder betonen, seine Grenzen und Ängste überwinden möchte.

Doch wer von den Teilnehmern auch immer gehofft hatte, sich durch die Action-Spiele zuhause einen Chuck-Norris-Status anzueignen: Es kommt von dem ganzen Abenteuer einfach nichts rüber.

Selbst das wegen seiner Höhe wirklich spektakulär anmutende Spinnennetzspiel, bei dem die Kandidaten aus einer riesigen Seil-Konstruktion, die über einen Canyon gespannt wurde, springen müssen, ist wirklich behäbig und langatmig inszeniert.

Wenn dann auch noch der bräsige Off-Kommentar mit Sprüchen wie "Jetzt kann der Tag voller Schwung beginnen" die eigene Spannungskurve torpediert, dann ist das Ganze vor allem eines: stinklangweilig.

Zieh die Schuhe aus, Larissa Marolt!

Es fehlt der Show so ziemlich alles: ein knackiger Sprecher, eine spannende Erzählweise, ein strafferes Konzept, ein bissiger Moderator.

Stattdessen konnte man sich einfach nicht entscheiden zwischen Raab-Spielchen und "Big Brother"-Gafferei.

Am Ende bleibt dann eine viel zu lange Show, deren Höhepunkt in der Frage bestand, ob sich Larissa Marolt nun vor Betreten des Containers die Schuhe auszieht oder nicht.

Das mag wichtig für die Hygiene sein - nur spannend ist es eben nicht.