"Get the F*ck out of my House": Härter als "Big Brother"

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Härter war noch kein "TV-Knast": Bei "Get the F*ck out of my House" pfercht ProSieben 100 Kandidaten in ein Haus. Ihnen bleibt lächerlich wenig Platz auf nur 116 Quadratmetern. Nicht nur der Streit ums Essen sorgte für Aufruhr - auch der Notarzt musste anrücken. © teleschau - der mediendienst GmbH

Ja, richtig gelesen: Wenn 100 TV-Show-Teilnehmer (plus Kamera-Teams) ein Einfamilienhaus beziehen, ist der Lagerkoller vorprogrammiert. In der Eifel veranstaltet ProSieben fünf Folgen lang auf gerade einmal 116 Quadratmetern Wohnfläche die Show "Get the F*ck out of my House". Ein Unterhaltungs-Feldversuch, der irgendwo zwischen Trash à la "Big Brother" und Sozialexperiment zu verorten ist.
Konflikte in der Menschen(m)enge sind von ProSieben durchaus gewollt. Das bestätigte Jana Julie Kilka. Die Schauspielerin und Moderatorin erklärte vorab: "Die Kandidaten leben dort vier Wochen in einem Ausnahmezustand. Da kann schon eine einzelne Krokette eine Revolution auslösen."
Bei dem Format - ProSieben nennt es eine "Strategie-Reality-Show" - geht es immerhin auch um sehr viel Geld. Nur der Kandidat, der das Haus als Letzter verlässt, gewinnt 100.000 Euro. Moderator Thore Schölermann - übrigens der Freund Kilkas - winkte vor dem Einzug schon mal mit den begehrten Scheinchen.
Für das viele liebe Geld nehmen die Kandidaten aber auch echte Strapazen auf sich. Im Schnitt stehen jedem der 19- bis 82-jährigen Bewohner genau 1,16 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die 100 Leute müssen also auf insgesamt 116 Quadratmetern mit vier Betten, einer Küche und einem Badezimmer auskommen.
Und hier, in einem nur von außen hübsch anzusehenden Haus in Satzvey in der Eifel, sollte es alsbald brodeln. Die Brennpunkte vor allem: Küche, eingerichtet für eine vierköpfige Familie, und Badezimmer mit nur einer Toilette. Wer darf rein - wann und wie lange? So lauteten schnell erste Fragen unter den insgesamt 45 Frauen und 55 Männern unter dem viel zu kleinen Dach. Dampf ablassen und "abkühlen" allerdings ist auch möglich - auf einer Terrasse. Ihre Fläche: nur neun Quadratmeter.
Nur mit wenig Hab und Gut pilgerten die 100 Kandidaten in Richtung ihrer neuen, engen Bleibe. Für die kommenden Tage hatte sich jeder seine eigene mehr oder weniger schlüssige Strategie ausgedacht. Eine Sunny aus Wuppertal beispielsweise wollte alles nur auf sich zukommen lassen ...
Die tätowierte Elisa, freilich ein Fotomodel mit üppiger Oberweite, das wohl bei keinem Reality-Format fehlen darf, erklärte mit starkem österreichischen Akzent: "Ich gehe ganz gechillt hinein und suche mir meinen Platz. Und dort will ich keinen Stress machen. Ich schaue, dass ich weggehe vom Streit. Weil ich bin voll nett."
Ob die tätowierte Elisa wirklich so nett ist, das wird Fitore wohl niemals erfahren. Die 25-Jährige scheiterte bereits an einer ersten langen Schlange vor der Badezimmertür. "Dass ich jetzt nicht auf die Toilette kann, ist wirklich das Schlimmste. Dass ich keine Ruhe finde, das ist wirklich auch das Schlimmste für mich", jammerte sie noch. Nach nur 90 Minuten im dichten Gewimmel verließ die alleinerziehende Mutter das Haus - und ging heim zu ihrem Kind. Sie hätte sich die Regeln der Sendung zuvor wohl besser durchlesen sollen.
Das ist Kurt. Er kommt aus der Schweiz. So weit, so normal. Erstaunlich aber: sein Alter! Kurt hat die 80 bereits überschritten. Mit 82 Jahren ist er der älteste Kandidat im Haus. Das allerdings sieht man ihm bestimmt nicht an. Er hat sich so wunderbar jung gehalten durch seine Hobbys: Fitness und Musik.
Der Kurt konnte sich nur ein kleines Plätzchen auf dem Boden sichern. Das sorgte für ersten Unmut. Zumindest bei Henri, einem leidenschaftlichen Lastwagenfahrer aus Riesa. Er moserte: "Für mich ist es selbstverständlich, dass ein 82-jähriger Mann in einem Bett schläft und nicht irgendwo auf dem Boden liegt. Dass sich hingegen irgendwelche jungen Kerle das Bett krallen, finde ich sehr traurig."
Das Rudel braucht einen Leitwolf. Und dieser ist ausschließlich männlich. Drei Männer - Jackson, Norbert und Wolfgang - lagen nach dem Voting aller 99 Insassen vorne. Das Rennen machte schließlich Norbert, ein 56-jähriger Rentner aus Schleswig. Er wurde zum ersten Hausboss ernannt.
Als "Hausboss" verfügt Norbert über besondere Rechte. Nur er hat den Schlüssel zu einer Vorratskammer. Nur er verfügt über einen eigenen Bereich - mit eigenem Bett und WC. Seine erste Amtshandlung: Er erklärte sein Badezimmer zur Damentoilette. Das brachte ihm freilich sogleich dramatisch hohe Sympathiepunkte ein.
Wollte die Elisa, das tätowierte Model mit üppiger Oberweite, nicht eigentlich keinen Stress machen? Als das Licht ausging, ermahnte sie als Erste die ganz vielen anderen, doch endlich leiser zu sein. Das stieß freilich auf allerlei Gelächter. Auch forderte die erste Nacht weitere Abgänge. Als die Sonne wieder am Himmel stand, waren es fünf Kandidaten weniger im Haus.
Zu einem weiteren Auszugsgrund wurden die insgesamt 34 Kameras. "Das war zu viel der Beobachtung, vor allem im Bad, in der Toilette", moserte beispielsweise Zahnarzthelferin Vanessa. Sie ging als nunmehr siebte Kandidatin freiwillig. Dabei hatte sie noch nicht einmal 24 Stunden in der Enge überstanden.
Gemein natürlich auch: Nach der ersten Nacht und einigen weiteren Stunden machte sich der Hunger unter den 93 Verbliebenen breit. "Hausboss" Norbert verteilte Äpfel aus seiner Vorratskammer. Und zwar für alle! Mehr sollte es zunächst nicht mehr geben.
Die Kandidaten jedoch haben die Möglichkeit, eine Haushaltskasse mit Geld zu füllen. Dafür müssen sie bei Spielchen möglichst gut abschneiden. Traurig war das Ergebnis beim "Torwandschießen". Bei fünf Schützen mit jeweils zwei Versuchen trafen nur drei Bälle ihr Ziel.
Nach Spielen wie "Torwandschießen", "Frisbee", "Basketball" und "Schnibbeln" machte sich Frust breit. "Nur" 1.250 Euro nahmen die 93 Hausinsassen ein. Damit konnten sie "Einkaufen" gehen. Möglich aber wären 5.000 Euro gewesen. Kandidat Henri, der leidenschaftliche Lastwagenfahrer, kritisierte, dass nicht die jeweils besten Spielteilnehmer ausgesucht wurden.
Und dann das Drama am Abend des zweiten Tages: Da Kandidat Sebastian bislang weder gegessen noch getrunken hatte, brach er zusammen. Er war dehydriert. Ein Notarzt-Team rückte schnellstens an. Sebastian wurde außerhalb des Hauses behandelt. Es folgte eine bitterböse Konsequenz. Sebastian ist raus, wenigstens aber in ärztlicher Obhut. Kurzum: Die Regeln sind schon ziemlich hart.
Nach weiteren, freiwilligen Auszügen bekam die erste Sendung doch noch fast seine Massenkeilerei. Die verbliebenen 86 Insassen probten den Aufstand. Schuld daran: das Essen. Manche naschten von den anderen oder hamsterten. Melanie aus Berlin rastete aus: "Schande!"
Nach den ersten dramatischen Tagen musste der "Hausboss" bestimmen, wer und wie viele Insassen das Haus verlassen müssen. "Aufgeregt bin ich deshalb nicht", sagte er ziemlich cool - und gab sieben Kandidaten, der maximalen Anzahl, den Laufpass. Für diese sieben war die Chance auf 100.000 Euro somit futsch. Wenigstens aber hatten sie ihre Freiheit wieder.
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