Selten war es so egal, wer gewinnt. Im Finale von "Get the F*ck out of my House" bleibt Guggi aus Deitenheim am längsten im Haus und gewinnt 100.000 Euro. Eigentlich hätten aber die Zuschauer ein Preisgeld verdient, zumindest diejenigen, die zusammen mit Guggi die TV-Ödnis bis zum Ende ausgehalten haben.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Am Ende ging es dann doch ganz schnell. Die letzten beiden Kandidaten, Sarah und ein gewisser Guggi, müssen im Finalspiel eine Münze mit der Hand drehen und diese dann im senkrechten Zustand wieder anhalten. Guggi löst die Herausforderung am schnellsten und ist im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen um 100.000 Euro reicher.

Das Finalspiel aus der Kategorie "Schlag den Raab"-Spielchen ist nicht nur denkbar simpel, sondern zeigt auch den seltsamen Humor von ProSieben. Da müssen die Kandidaten knapp fünf Wochen lang auf engstem Raum und unter Dauerbeobachtung zusammenleben und am Ende gewinnt nicht derjenige, der den ganzen Wahnsinn am längsten aushält, sondern eine Münze besser drehen kann.

Isabelle steht in der Kritik

Bis zum finalen Münzdreh war es aber ein langer Weg für den Zuschauer. Es beginnt mit dem Auszug der ehemaligen Hausherrin Petra und der Wahl Guggis zum neuen Hausboss. Für ProSieben die Gelegenheit, noch einmal die Geschichte um Isabelle hochkochen zu lassen, denn zu Guggis Amtseinführung gibt es erst einmal eine Gesprächsrunde, bei der er mehr Harmonie und weniger Lästereien einfordert.

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Die Runde nutzt diese Steilvorlage, um noch einmal Isabelle wegen ihres vergangenen Stimmenfangtäuschungsmanövers an den Pranger zu stellen. Seitdem lebte die Friseurin isoliert vom Rudel, doch bei der Gesprächsrunde platzt ihr dann doch der Kragen.

Für die junge Frau dürfte die tagelange Diskussion und Isolation umso bitterer gewesen sein, denn wenig später scheidet Isabelle aus dem Haus aus. Nicht etwa, weil sie die Anfeindungen nicht mehr ausgehalten hat, sondern weil sie ein Tischtennisballpustespielchen vergeigt.

Die Episode um Isabelle wäre an sich sehr belanglos, hätte sie nicht gezeigt, worin für die meisten Zuschauer der eigentliche Reiz der Show liegen dürfte: im Zwischenmenschlichen. All die anderen Manöver, die ProSieben eingestreut hat, haben selbst kaum einen Unterhaltungswert, sondern waren lediglich Mittel zum Zweck.

Saskia Atzerodt und der Streit ums Essen

Allen voran die Promis: Unterhaltungstechnisch war das ein Totalausfall. Was auch immer sich ProSieben von Micaela Schäfer und Co. erhofft hatte - es hat nicht funktioniert.

Vielleicht hat die einzig verbliebene Prominente, Saskia Atzerodt, dieses Unterhaltungsdefizit im Finale bemerkt, vielleicht war ihr aber auch ihr Dauergeknutsche mit Peter selbst nicht mehr abendformatfüllend genug. Jedenfalls zettelt die Blondine urplötzlich eine Diskussion ums Essen an.

Selbst ihre Mitbewohner sind von dem Streit völlig überrascht, vor allem aber von dem Vorwurf der Undankbarkeit. Irgendwann zieht Saskia auch noch die hungerleidenden Familien dieser Welt in die Diskussion mit rein und bilanziert am Ende des Streits ihre persönliche Lage: "Wenn's hier nicht um so viel Scheißgeld gehen würde, wäre ich hier schon längst raus."

Aus Zuschauersicht wäre das sicherlich verkraftbar gewesen, die Idee, die zweite Staffel mit Promis aufzuschütten, war jedenfalls unnötig.

Sind es zu viele Kandidaten?

Dass die Normalos allen Trash-TV-Fans auch so genügend Nahrung liefern können, haben die zahlreichen Eskalationen bewiesen. All die Spielchen, die ständige Wohnraumverknappung, die Dauer-Überwachung und die überraschenden Regeländerungen waren lediglich dazu da, das Menschelnde in der Show permanent am Köcheln zu halten.

Dass das nicht immer funktioniert hat und die Show auch im Finale weitgehend langweilig war, lag vielleicht ein bisschen am Konzept der Show. Wo ähnliche Voyeurismusshows wie "Big Brother" noch weitgehend übersichtlich sind, verliert der Zuschauer bei "Get the F*ck out of my House" bei 100 Kandidaten schnell den Überblick, mit wem er mitfiebern soll. Mit weniger Kandidaten funktioniert die Show allerdings noch weniger.

Und so ist es nicht überraschend, wenn es am Ende niemanden interessieren sollte, dass ein gewisser Guggi aus Deitenheim die Show gewinnt. Bisher war der 26-Jährige jedenfalls nicht aufgefallen.

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