Lassen wir die Katze einfach gleich aus dem Haarnetz: Diesmal ist niemand bei "Germany's next Topmodel" rausgeflogen. Und selbst wenn, wäre es wurscht gewesen, denn in Folge fünf gibt es ohnehin nur einen echten Hauptdarsteller. Und der ist diesmal nicht Heidi Klum.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

"Ich will keinen Pony haben", bettelt Anastasia. Darfst du natürlich nicht machen, alte GNTM-Regel. Aber da ist es schon zu spät, denn natürlich hat die Klum ganz andere Pläne mit Anastasia: "Ich weiß, du wolltest keinen Pony – upsi", lacht die Klum tumb-fröhlich über ihre kleine, schelmische Idee.

Ja, mit guten Ideen ist es bei "Germany's next Topmodel" so eine Sache. Manche sagen sogar, "Germany's next Topmodel" selbst sei keine gute Idee und es gibt da tatsächlich wenig Gegenargumente.

GNTM: Die Kinder weinen wieder

Eine Idee von GNTM zum Beispiel, und das erklärt auch die Anfangsszene, ist es, junge Frauen zum Weinen zu bringen. Das kann man natürlich machen, schließlich praktizieren selbst seriösere Institutionen als ProSieben das Konzept, Kinder zum Weinen zu bringen. Die Schule zum Beispiel.

Bei "Germany's next Topmodel" dürfte man sich jedenfalls noch heute ein Loch ins Knie freuen, dass damals jemand die Idee hatte, die Teenie-Models einem Team von Stylisten auszuliefern, das sich an den Gruppenzwang gebeugten Mädchen ohne Rücksicht auf Moral, Ästhetik oder deren Wünsche austoben darf.

Doch genau deswegen hat sich die große Umstyling-Folge zum eigentlichen Star der Sendung gemausert. Es gibt zwar noch andere Konzept-Folgen, wie das fragwürdige Nackt-Shooting, den gesundheitlich bedenklichen Fantasie-Kostüme-Catwalk oder das peinlich-unnötige, weil unnötig-peinliche Male-Model-Shooting, aber das große Umstyling ist von all diesen Folgen doch der Markenkern von GNTM.

Das große GNTM-Umstyling: The first Hair-Cut is the deepest

Also lässt die Klum auch in Staffel 15 ihre Damen wieder beim Frisör vorstellig werden, denn im Klumiversum kann nur Model werden, wer vorher mal ein bisschen gelitten hat und seien wir froh, dass sich die Klum hier für das große Umstyling entschieden hat und nicht für andere unangenehme Dinge. Das große Flusensieb-Reinigen zum Beispiel. Oder die große Darmspiegelung.

Also wird gefärbt, gefriemelt und gefönt und auch wenn man es nicht sicher sagen kann, hätte Anastasia vermutlich lieber ein Flusensieb gereinigt: "Am meisten hätte ich Angst vor einem Pony", erklärt die Schülerin noch, bevor ihr die langen Haare gestutzt werden und Kollegin Larissa leidet mit: "Wär' ich das gewesen, ich glaube, ich hätte geweint."

Macht Anastasia dann auch, aber erst, als ihr zusätzlich noch der verschmähte Pony vor die Stirn gefräst wird: "Meine Tränen kamen einfach." In der Regie wird man das mit Erleichterung zur Kenntnis genommen haben, denn fast hätte Anastasia völlig tränenlos das ganze Konzept des großen Umstylings gekillt.

Aber so ist man in Umstyling-Stimmung und da wirft die Klum voller Inbrunst ihre Stimme an und untermalt die Situation mit dem Sound einer singenden Säge: ""Aaaaaaaaaaaaaaaaah!" Und damit das Glück komplett ist, fangen auch noch ein paar andere Mädchen an zu heulen, weil die Frisöre wohl arg an den Haaren zubbeln. Ein großes Umstyling, bei dem nur ein Mädchen heult, ist einfach kein großes Umstyling. Es ist noch nicht einmal ein kleines Umstyling.

Das GNTM-Sedcard-Shooting oder die Frage: Wer bin ich?

Damit nicht nur die Mädchen, sondern auch der Rest der Welt von der Sinnhaftigkeit ihres Tuns überzeugt ist, nutzt die Klum nach dem Umstyling den berühmten Vorher-Nachher-Trick, den man auch aus dem Online-Shopping kennt. Also gucken die Damen erst mit der alten, zerwühlten Mähne finster in die Kamera, ehe sie im Glitterregen ausgelassen ihre neue Frisur bejubeln wollen müssen.

Wer jetzt unserer Heidi plumpe Inszenierung vorwirft, ist auf dem völlig falschen Dampfer, denn natürlich will die Klum die Mädchen nur zu ihrem wahren Ich führen. Und das geht am besten mit einem Sedcard-Shooting.

Dort herrscht nur eine einzige Regel: "Seid kreativ und hebt euch von den anderen Mädchen ab, denn Floskeln sind heute nicht erlaubt!", befiehlt die Klum und bricht ihre eigene Regel nur Sekunden später: "Ich will sie einfach so sehen, wie sie wirklich sind", erklärt die Klum das Ziel des Sedcard-Videodrehs, nachdem sie kurz zuvor noch mit einem Stylisten-Heer einen ganzen Tag lang versucht hat, die Mädchen nicht so sehen zu müssen, wie sie wirklich sind.

Aber offenbar hat das Klumsche Umstyling Nebenwirkungen: "Nach dem Umstyling fühle ich mich wie ein anderer Mensch", behauptet Anastasia und demnach nehmen gerade drei Anastasias bei GNTM teil: die Anastasia, die sie war, die, die sie wirklich ist und die, die sie ist, nur anders.

Und Anastasia ist noch lange nicht fertig mit ihrer Persönlichkeitsbildung: "Oft kann ich mich gar nicht entscheiden, wer ich heute eigentlich bin: crazy, sexy, süß, strong oder doch ein bisschen cool?", arbeitet sich Anastasia beim Selbst-PR-Video an Heidis Lieblingscharakterschlagworten ab. Das ist halt die Kehrseite vom großen Umstyling. Am Ende hast du die Haare schön, weißt aber überhaupt nicht mehr, wer du gerade bist.

Heidi hat Parasiten

Auch die anderen Damen legen sich ins Zeug: "Sexy sein, das kann ich", "50 Prozent Aussehen und 50 Prozent Attitude und Charakter", "P, i, n, a, r – das P wird großgeschrieben" oder "Ich bin das Einhorn unter den Pferden". Manchmal kannst du dir deinen Aluhelm gar nicht schnell genug aufsetzen.

Und so dusselt man sich durch die Selbstvermarktungsvideos und schwupps, schon steht der Entscheidungswalk an, der allerdings ohne Heidi bestöckelt werden muss, denn die Klum ist krank: "Kaum zu glauben, aber ich habe mir einen Parasiten eingefangen", verrät Klum den Grund und schon sieht man Bilder von Heidi Klums Parasiten-Behandlung, denn "das wollte ich sofort mit meinen Fans teilen." Ja, danke nochmal an dieser Stelle.

Also muss Sedcard-Fotograf Christian Anwander ran, aber da er ein alter GNTM-Haudegen ist, wuppt er das mit links, "weil ich öfter schon auf Fashion-Shows in New York und Paris war". Eben. Und wie schwer kann es schon sein, Mädchen nach nicht nachprüfbaren Fantasie-Kriterien aus der Show zu schmeißen?

Doch am Ende hat der Anwander Christian doch Angst vor der eigenen Courage: "Ich möchte die Verantwortung nicht tragen, eine von euch nach Hause zu schicken", erklärt Herr Anwander und schickt lediglich Tamara, Maribel, Cassandra, Johanna und Marie in der nächsten Folge ins Shoot-Out. Noch so eine Konzeptfolgengedönsidee von GNTM.

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