In der vergangenen Woche war das Umstyling das beherrschende Thema. In Folge sechs gibt es bei "Germany's Next Topmodel" nun ein bisschen mehr Baustellen: ein unvorhergesehener Walk, Streit unter den Kandidatinnen und das erste Casting. Jetzt dürfen bloß nicht die Zigaretten ausgehen.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock
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Puh. Oder besser noch: Puuuuh. Erst einmal durchschnaufen. In der vergangenen Woche war ja das große Umstyling. Das ist für Heidi Klum immer so der Höhepunkt jeder "Germany's Next Topmodel"-Staffel. Für alle anderen ist es ein Frisörbesuch, aber für Heidi Klum und ihre Show ist das große Umstyling enorm wichtig. Wegen des Wiedererkennungswertes. Also wegen des Wiedererkennungswertes der Show, nicht der Mädchen. Nur, damit es keine Missverständnisse gibt.

Aber das ist Spliss von gestern, denn jetzt ist Folge sechs und da kann man erst einmal durchatmen. Oder doch nicht? Heidi Klum jedenfalls denkt gar nicht daran, den Zuschauer das große Umstyling verkraften zu lassen, sondern hat gleich den nächsten Hammer im Handgepäck: "Dieses Jahr ist ja alles anders. Deshalb starten wir diese Woche einfach mal mit einem Walk statt mit einem Shooting." Wahnsinn! Wo soll die Pandemie noch hinführen, wenn jetzt schon ein Walk vor dem Shooting kommt? Ja, Corona macht aus uns allen Tiere.

Selbst die Models zeigen angesichts dieser Schicksalswendung Auflösungserscheinungen und wagen sich an eigene Gedanken. "Was soll das eigentlich auf unserem Kopf? Soll das aussehen wie Feuer?", fragt sich Dascha vor dem Schminkspiegel, als sie die Knödel-Stangen-Frisur betrachtet, die man ihr für den Walk auf den Kopf gefriemelt hat. Offenbar hat Heidi Klum mit ihrem Walk-Shooting-Tausch die Damen so aus dem Konzept gebracht, dass sie plötzlich nach dem Warum fragen. Das darfst du bei "Germany's Next Topmodel" natürlich nicht machen. Sonst wirst du nur unglücklich.

Winterwonderlandwalk bei "Germany's Next Topmodel"

Doch dafür ist es jetzt zu spät, denn auch bei Ashley brechen plötzlich alle Dämme: "Ich versuche, so das Künstlerische dahinter zu sehen. Aber das ist noch ein Prozess. Ich such's noch." Viel Erfolg an dieser Stelle, aber das ist natürlich auch der Mythos, von dem Knödel-Stangen-Frisuren leben – dass man denkt, es stecke irgendetwas dahinter. Meistens sind Knödel-Stangen-Frisuren einfach nur Knödel-Stangen-Frisuren. Völlig ohne Sinn. So wie die Pizza-Schere. Oder Unterwasser-Flöten.

Hier kommen wir also nicht weiter, daher gut, dass endlich der Fotograf hereinschneit. Hereinschneit ist in diesem Fall ein gut platzierter, aber dennoch schlechter Kalauer, was der Fotograf mit einem Satz erklärt, der besonders dann Spaß macht, wenn man ihn ganz schnell dreimal hintereinander laut ausspricht: "Der Walk ist ein Winterwonderlandwalk."

Apropos Fotograf. Der ist diesmal wieder Christian Anwander. "Christian gehört zu den Topfotografen der Fashion-Welt", stellt die Klum aus dem Off den Topfotografen der Fashion-Welt vor. Die meisten "Germany's Next Topmodel"-Gucker dürften ihn aber wohl aus "Germany's Next Topmodel" kennen, wo er ihnen seit Jahren als einer der Topfotografen der Fashion-Welt vorgestellt wird.

Gastjuror Christian Anwander darf Stopp sagen

Nun gut, los geht er, der Vor-Shooting-Winterwonderlandwalk und für den muss man Folgendes wissen, wie der Anwander erklärt: "Wir können den Walk jederzeit stoppen, wenn wir wollen. Das heißt: Wenn ihr einen falschen Schritt macht, wenn ihr irgendwie komisch dreinschaut oder irgendwas macht, was uns nicht gefällt, können wir den Walk jederzeit stoppen. Und das ist nicht gut."

Soso. Ein Walk, den man jederzeit stoppen kann, wenn eine Dame den falschen Schritt macht. Aber, lieber Herr Anwander, warum sollte man das tun? Wir haben da mal was vorbereitet, suchen Sie sich einfach was aus.

A: Weil es genau so in Paragraf 7, Absatz 3, Buchstabe b der Rahmenprüfungsordnung der IHK Berlin für die Ausbildung zum Fachwirt Model steht. Kannste nix machen.

B: Weil … herrje, die Produktionsfirma hat uns das so gesagt, dann mache ich das eben. Für die ist es auch schon die 16. Staffel. Da muss man jetzt nicht jede Idee zerreden!

C: Weil, … Oh! Sekunde bitte, ich hab' noch Fisch im Auto!

Wie auch immer. Die Idee ist jetzt laut ausgesprochen und so machen die Klum und der Herr Anwander eben von ihrem Winterwonderlandwalkstopprufrecht gebrauch, wenn sie glauben, etwas Relevantes entdeckt zu haben. Nicht "Stopp" rufen müssen die beiden bei Kandidatin Linda, denn die macht ihren eigenen Stopp, als sie auf dem Laufsteg ausrutscht und seitlich abkippt. Und so wird gestoppt, gekippt und gestrauchelt, bis genug gewinterwonderlandwalked wurde.

GNTM 2021: Miriam darf gehen

Der Rest der Folge ist einigermaßen schnell erzählt: Zwischen Chanel, Linda und Soulin wird ein Streit vorbereitet, durchgeführt und nachbesprochen, Linda versucht bei Heidi Klum Zigaretten-Nachschub für die Raucherfraktion zu organisieren, das Ausscheiden von Miriam wird dramaturgisch eingeleitet, weil man sie Sätze zu ihrer Model-Erfahrung sagen lässt, was später dann genau die Kritik an ihren Leistungen sein wird und Dascha, Soulin, Liliana und Romina werden zum Casting eines Jeansschneiders geschickt.

Dort müssen die vier Models je einen Videoclip produzieren, für den sie den Leuten von der Jeansfirma von ihren Erfahrungen mit Flucht, Krieg, Mobbing, Diskriminierung, Selbstfindung und anderen persönlichen Erlebnissen erzählen sollen, damit die Leute von der Jeansfirma noch mehr Jeans verkaufen können. Soulin gelingt das am besten, weshalb sie den Videojob bekommt, den sie offenbar gut macht. "Zufriedener könnten wir nicht sein", urteilt jedenfalls die Frau von der Jeansfirma, was nicht überrascht, denn sonst hätte die Frau von der Jeansfirma ja bei ihrer Auswahl einen schlechten Job gemacht. Aber schlechte Jobs machen bei "Germany's Next Topmodel" traditionell nur die Kandidatinnen.

Das muss auch Miriam feststellen, als bei der Entscheidungsfindung, wer die Show verlassen muss, der zuvor ausgelegte rote Faden wieder aufgegriffen wird. Der besagt, dass ihr ihre Routine beim Modeln nun zum Verhängnis werden sollte. Zu einstudiert sei ihre Leistung gewesen. "Ich suche jemanden mit Persönlichkeit, mit Ecken und Kanten", erklärt ihr die Klum. Das ist insofern interessant, als dass es in der kommenden Folge ums Interview-Training gehen wird, wo den Damen traditionell beigebracht wird, auf die Außendarstellung ihrer Ecken und Kanten zu verzichten. Miriam kann's egal sein, sie darf sich nun endlich vom großen Umstyling erholen.

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