Stefanie Seitz ist Model, Miss und Medizinerin. Sie freut sich über die neue Staffel von "Germany's next Topmodel" - und das nicht nur, weil sie selbst eine der Kandidatinnen war. Sie wurde zum Live-Casting eingeladen - dort war dann Schluss. Für uns hat sich die schöne Regensburgerin die erste Folge GNTM 2017 angeschaut - und berichtet mit Blick durch die Modelbrille.

Gastkommentar
von Stefanie Seitz

Der kritische Blick in die Menge, wenn du beim Casting das erste Mal auf deine hübschen sowie äußerst schlanken Konkurrentinnen triffst.

Das gleichzeitig aufkommende schlechte Gewissen, weil du es während der Vorbereitung doch nicht gänzlich geschafft hast, das Nutella-Glas vor dir selbst zu verstecken.

Der spontane Moment, wenn du plötzlich zu einer vierstelligen Nummer wirst, die dein sorgfältig ausgewähltes Casting-Outfit optisch erstmal völlig zerstört.

Der nervende Frosch im Hals, wenn das erste Mal Backstage die Kamera auf dich gerichtet ist und dir einfach keine cool wirkende Antwort auf die gestellte Frage einfällt.

Und schließlich die feuchten Hände und der Herzschlag bis zum Hals, wenn dich das Team zur Türe führt, hinter der nicht nur die Jury, sondern auch das große Ungewisse auf dich wartet.

Testosteron-Krieg in der Jury

Es ist Donnerstag. Die Prosecco-Flaschen sind gekühlt. Die Mädels haben ausgetüftelt, wann, wo und mit wem der Auftakt von "Germany's next Topmodel" geschaut wird. Und die Männer verdrehen schon mal die Augen. Tja. Da müssen sie jetzt durch.

Heidi Klum begrüßt uns hübsch wie immer. Auch zu Beginn der 12. Staffel. Ja, meine Herren. So oft habt ihr euch das schon anschauen müssen.

Das erste Casting fand allerdings ohne die Modelmama statt. Hat auch einen Vorteil: Man sieht, dass nicht nur bei Frauen Zickenkrieg hinter den Kulissen möglich ist. Dieses Mal gibt's Testosteron-Krieg zwischen den zwei Männern vor der Kamera. Thomas Hayo und Michael Michalsky bepöbeln sich nach Kräften.

Denn in dieser Staffel durften die Mädchen selbst entscheiden, in welches Team sie wollen. Wenn sie denn zu den Glücklichen gehören, welche tatsächlich von beiden Männern gleichzeitig gewollt werden.

Aber seien wir ehrlich: Nicht nur bei den Juroren, auch bei manchen Mädels stelle ich mir dann doch die Frage, ob ich an ihrer Stelle so handeln würde.

Ist es zum Beispiel der richtige Zeitpunkt dort mitzumachen, wenn ich gerade kurz vor meinem Abitur stehe? Würde ich vor Millionen von Zuschauern in die Kamera sagen, dass ich meinen Freund definitiv für die Sendung stehen lassen würde? Und würde ich mit meinem Freund mein halbes Leben auf YouTube hochladen?

Nun ja. Würde ich nicht. Muss aber auch jede selbst wissen.

Immerhin unterhält uns noch eine Domina, die direkt im Bikini auftaucht. Und ziemlich direkt artikuliert, was sie von anderen Frauen in der GNTM-Runde unterscheidet: Sie hat Brüste.

50 bildhübsche und gertenschlanke Mädchen haben die Juroren am Ende rausgepickt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Als Zuschauerin hat man sich direkt in die eine oder andere "schockverliebt". Könnte unterhaltsam werden in den nächsten Wochen.

Teil zwei der Auftaktshow steigt im Flughafen in Kassel. Den ProSieben einfach mal gemietet hat. Ziemlich cool. Und dort lernen wir, dass die GNTM-Jury sich nicht mit Wurstsalat bestechen lässt. War aber ein tapferer Versuch.

Frauen als lebende (hübsche) Koffer

Der Walk der Models findet dabei direkt auf dem Gepäckband statt, Endlich, endlich, endlich darf man sich zur Abwechslung mal wie ein lebender Koffer auf dem laufenden Fließband fühlen. Und wenn Heidi es will und ein Flugticket für die nächste Runde auspackt, sogar wie ein richtig hübscher lebender Koffer.

Maja, die mit den Achselhaaren, darf bleiben. Sieben andere Mädchen sind schon raus.

Der Rest freut sich auf eine Haute-Couture-Show. Keine gute Idee ist, sich darüber zu freuen, dass das Kleid glitzert. Besser wäre, sich zu überlegen, ob man darin in Kombination mit hohen Schuhen überhaupt laufen kann. Manchmal siegt das Köpfchen eben im Kampf gegen die Schönheit.

Auf die letztlich 28 auserwählten Mädchen wartet nun eine unvergessliche Reise. Manche werden es noch bereuen, keine Tabletten gegen Reiseübelkeit eingesteckt zu haben. Da bin ich mir sicher.

Zuhause fühlt man sich nicht mehr so sexy ...

Und auf dem heimischen Sofa sollte spätestens jetzt den Männern bewusst sein, dass sie die kommenden Donnerstagabende definitiv erstmal auf Aufmerksamkeit verzichten müssen. Womöglich auch prinzipiell auf Sex. Schließlich fühlt Frau sich nach GNTM irgendwie gar nicht mal mehr sooo sexy.

Ich selbst trinke mein Glas Prosecco aus. Und gehe mit dem Wissen ins Bett, dass ich mir um meine abstehenden Ohren in der Modelwelt wohl keine Gedanken mehr machen muss. Ist auch ein gutes Gefühl.