Beim traditionellen Nackt-Shooting von "Germany's next Topmodel" kommt es am Donnerstagabend zu einer Reihe von Missverständnissen: Ist beim Nackt-Shooting nackt oder bedeckt besser? Was ist gefährlicher, Höhe oder Tiefe? Und: Macht blauer Lidschatten selbstbewusst?

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock
Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Man weiß nicht, was man Heidi Klum zu Beginn ihrer Karriere übers Model-Business erzählt hat, aber es scheint eine wirklich besondere Welt mit ihren ganz eigenen Regeln zu sein.

Ganz offensichtlich kann nämlich in die Model-Innung nur aufgenommen werden, wer seinen Job in Stelzenschuhen auf Berggipfeln, als Meerjungfrau unter Wasser oder eben nackt ausüben kann.

Wir Nicht-Models wollen das gar nicht infrage stellen, wer sind wir denn. Nein, wir vertrauen Frau Klum hier vollends und freuen uns stattdessen, dass das nur für Models gilt und nicht etwa für andere Berufsgruppen.

So können wir nämlich völlig ohne Bedenken die Tür öffnen, wenn der Klempner kommt oder wir ein paar Brötchen beim Bäcker holen wollen. Keine Meerjungfrauen, keine Nackedereien, keine unangenehmen Fragen.

Das überlassen wir lieber den Models oder vielmehr den Model-Fernsehshows von Heidi Klum und die lebt in der aktuellen Folge ihr Faible fürs Nacktsein aus.

Also fürs Nacktsein von anderen, nur, damit es keine Missverständnisse gibt. Die aktuelle Staffel hatte ja bereits einen Nackt-Walk und nun glaubt die Klum, dass es Zeit für ein Nackt-Shooting sei.

Offiziell will sie damit aber bei ihren Damen nur überprüfen, "ob sie auch in absoluten Extremsituationen abliefern können." Mit einem "Raus aus der Komfortzone, Mädels!" ruft die Klum ihre Truppen zum gemeinsamen Kleiderlupfen zusammen, was insofern interessant ist, da angezogen zu sein, für Klum offenbar schon als Komfort zählt.

Aber mit dieser Meinung ist Klum erstaunlicherweise gar nicht alleine: "Das Nackt-Shooting gehört zu GNTM, man hat sich so drauf eingestellt", stellt beispielsweise Ana fest und fragt gar nicht mehr nach dem Sinn.

GNTM: Wie angezogen kann nackt sein?

So ein kleiner Sinn-Check wäre aber nach all den Jahren vielleicht gar nicht so schlecht gewesen, denn beim Nackt-Shooting kommt es zu einigen Missverständnissen. Und das, obwohl die Klum im Vorfeld doch so "fleißig" war. Um eine Kulisse für das Nackt-Shooting zu haben, muss die Klum nämlich "ein ganzes Zimmer ansprühen mit Graffiti". Dafür hat sie auf dem kurzen Dienstweg die Kaulitz-Twins zusammengetrommelt und so sprühen, zu den rauen Rap-Rhymes von NWA, die zwei fröhlichen Drei in Schutzanzügen und -brillen für eine GNTM-Kulisse ein Herz und einen Schmetterling an die Wand. Mehr Gangster geht eigentlich gar nicht.

Auch beim eigentlichen Shooting legt die Klum offenbar Wert auf niedrige Produktionskosten. Die Kandidatinnen müssen sich diesmal selbst schminken und frisieren und die Kosten für die Klamotten sind beim Nackt-Shooting bekanntlich auch überschaubar. Beim Shooting selbst geht Klum dann den umgekehrten Weg, denn es gibt hier ein Foto zum Preis von dreien. Die Damen sollen nämlich drei verschiedene Posen einnehmen, am Ende photoshoppt der Fotograf dann ein einziges Bild zusammen.

Klingt eigentlich recht simpel, doch bereits der Arbeitsauftrag verursacht Kopfschmerzen. Die Klum wünscht sich nämlich, dass die Fotos "cool, lässig und modern" aussehen und gibt Romina dafür als Tipp, sie solle so posieren, "als hättest du Klamotten an." Hm. Wie bekommt man wohl am besten ein Bild hin, das so aussieht, als hätte man Klamotten an? Kurzes Brainstorming: A: nackt oder B: mit Klamotten?

"Germany's next Topmodel" oder: Mit Schlüpper wär das nicht passiert

Auch wenn es verwegen klingt, könnte man mit Klamotten eher so aussehen, als hätte man Klamotten an, denn dann müssten sich die Damen nämlich auch nicht ständig die Brüste bedecken.

Das würden nämlich die Klamotten übernehmen. Aber was wissen wir denn schon vom Ohneklamottenwiemitklamottenposieren in Heidi-Klum-Unterhaltungsshows. Offenbar gibt es hier nämlich zwei unterschiedliche Ebenen des Nacktseins.

Beim einem Nacktsein geht es darum, aufmerksamkeitserzeugender Dauertabubruch zu sein. Beim anderen Nacktsein hingegen darum, diesen Tabubruch so harmlos wie möglich hinzubekommen.

Dascha kennt diese zwei unterschiedlichen Ebenen offenbar nicht und antwortet auf Klums Frage "Weißt du genau, was du machen musst?" mit einem unbekümmerten "Nackt sein". Da unterschätzt sie die Komplexität von "Germany's next Topmodel" aber gewaltig und ist dabei nicht die Einzige.

Denn auch die anderen Models lassen sich vom Titel "Nackt-Shooting" in die Irre führen und so muss die Klum immer wieder eingreifen und die Damen darauf hinweisen, beim nackt sein doch bitte nicht nackt zu sein.

Mit "Guck, dass du wirklich alles bedeckt hast", "Busen bedecken!" oder "Wir sehen zu viel. Überall sehen wir zu viel", führt die Klum Regie und wird an manchen Stellen auch ganz konkret: "Wenn du den Hintern zu sehr zu mir drehst, kann ich dir zu sehr rein gucken." Ja, es ist schon verrückt, was man alles mit einer einfachen Unterbuxe verhindern kann.

Ana und die Sache mit dem Lidschatten

Am Ende war dann jedes Model mindestens einmal so nackt, dass es aussah, als hätte es Klamotten an und so kann sich der Zuschauer endlich den anderen Baustellen der Folge widmen.

Soulin und Yasmin diskutieren das Verallgemeinerungspotenzial einer Aussage von Soulin aus, Romina wird das neue Gesicht eines Föhnherstellers und Heidi Klum bereichert das Ganze mit offenkundigen Zusatzinformationen: "In Berlin liegt am nächsten Tag Schnee", erklärt Klum, was der Zuschauer am in Berlin liegenden Schnee erkennen kann.

Jochen Schweizer jedenfalls hätte diesen Hinweis nicht gebraucht, als er an besagtem Tag die Models zu einem Shooting in einem Berliner Einkaufszentrum trifft.

Dort sollen die Damen nämlich in 20 Metern Höhe über einen Laufsteg stöckeln, was die von Höhenangst geplagte Romina mit Unbehagen zur Kenntnis nimmt: "Ich würd' lieber in die Tiefe tauchen, aber Höhe?", erklärt Romina und unterliegt hier dem Irrglauben, dass das Gefährliche an Höhe die Höhe ist und nicht die unter dieser Höhe befindliche Tiefe.

Aber egal, denn am Ende verlassen alle Models den Laufsteg auf dem Weg, auf dem sie ihn auch betreten haben. Doch zurück zu Jochen Schweizer. Der ist nämlich nicht vor Ort, weil er an freien Tagen so gerne in Berliner Einkaufszentren herumlungert, sondern weil er für sein Action-Unternehmen Werbe-Personal sucht und am Ende auch in Yasmin findet.

Für "die Elimination" ist das natürlich Gold wert und so ist es Ana, die nach Hause fahren muss. Ein Missverständnis, wie könnte es in dieser Folge anders sein, wurde ihr zum Verhängnis.

Die Klum hatte in der vergangenen Woche nämlich "mehr Selbstbewusstsein" von ihr gefordert, Ana hat aber offenbar "mehr blauer Lidschatten" verstanden. Gibt so Tage. Ana nimmt das Ausscheiden aber so gefasst wie möglich auf: "Ich bin richtig taff geworden", erklärt sie unter Tränen.

Ihr Bett ist ihr Office: Heidi Klum zeigt sich ungeschminkt im Pyjama

Heidi Klum und ihre Schnappschüsse: Dieses Mal zeigt sie sich im Pyjama, während sie im Bett liegt und - arbeitet.
Teaserbild: © ProSieben/Richard Hübner