Ach, wenn man doch nur so eine Persönlichkeit wie Heidi Klum hätte. Dann wäre man vielleicht im Finale von "Germany's next Topmodel". Zumindest Alicija wäre das, doch die Klum diagnostiziert bei ihr Persönlichkeitsdefizite. Die hat Vanessa nicht, will aber plötzlich doch nicht mehr ins Finale. Premiere für Heidi!

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Mehr zu "Germany's next Topmodel" finden Sie hier

"Nach dreieinhalb Monaten ist es endlich so weit: Unser großes Halbfinale steht an", begrüßt Heidi Klum die Zuschauer mit einem Satz, den sie genau einmal im Jahr sagen kann.

Auch wenn das mit dem Halbfinale definitorischer Unfug ist, ist die Botschaft doch klar: Man ist nur noch einen Wimperntuschenschlag vom Finale entfernt.

Ein letztes Mal also kommt der Zuschauer in den Genuss einer regulären Folge "Germany's next Topmodel" und ein letztes Mal steht er wieder vor einem Berg von Fragen: Wer bekommt diesmal einen Platz für ein bisschen Face-Marketing? Was müssen die Kandidatinnen diesmal wieder über sich ergehen lassen wollen? Und natürlich: Wer kommt ins Finale?

In chronologischer Reihenfolge wären das: Lena Meyer-Landrut, eine Blumenstraußverkleidung und alle außer Alicija und Vanessa. So, nun sind die Katzen aus den Säcken.

Davon wissen die Damen zu Beginn von Folge 15 natürlich noch nichts und machen deshalb noch einmal Werbung in eigener Sache.

Lesen Sie auch: Wer hat das Finale von "Germany's next Topmodel" gewonnen?

GNTM: Die Familien kommen

Vanessa beispielsweise sieht sich in der Finalshow, weil sie sich in ihrer GNTM-Zeit immer treu geblieben ist. Es wäre nur gerecht, wenn so viel Treue belohnt würde.

Cäcilia geht die Sache ganz anders an und verspricht dem Zuschauer eine enorme Überperformance: "Ich werd' jetzt 100.000 Prozent geben."

Alicija ist sich hingegen sicher, dass der Grund, warum sie ins Finale sollte, in ihrer familiären Vergangenheit zu suchen ist: "Ich bin einfach dafür geboren worden." Ob dem wirklich so ist, kann Alicija gleich vor Ort klären, denn das Produktionsteam hat einen Ausflug von Freunden und Familien der Mädchen ans Filmset organisiert.

Doch wer Heidi Klum kennt, weiß, dass ein einfaches Meet and Greet zu popelig gewesen wäre und so hat sich die Klum stattdessen eine wirkliche Hammer-Überraschung ausgedacht.

Dafür tut sie so, als hätten die Familien lediglich Briefe geschrieben, doch – brat mir einer einen Storch: In Wirklichkeit stehen sie schon vor der Tür.

Wo hat die Klum neben dem ganzen Modelsuchen nur die Zeit, sich solche Knaller auszudenken? Damit konnte wirklich niemand rechnen. Vor der Tür! Wahnsinn.

Das Wiedersehen hingegen ist für den Zuschauer dann relativ unspektakulär: Man erkennt sich wieder, Sayanas Freund zieht plötzlich blank, Alicija glaubt, eine Surrealität festgestellt zu haben und Vanessa bekommt Kreislauf.

Nur "drei top" beim GNTM-Covershooting

Ein wenig Ablenkung tut den Damen jedenfalls gut, denn zuvor mussten die Mädchen "das wohl wichtigste Shooting der Staffel" absolvieren: Das Covershooting für die spätere Gewinnerin.

Genau genommen ist es also gar nicht das wichtigste, sondern das uneffizienteste Shooting, denn vier der fünf Abzüge werden für die Tonne gemacht. Schließlich ist nach offiziellen GNTM-Regeln nur für eine Dame Platz auf dem Zeitschriften-Titelbild.

Damit das auch den Erwartungen entspricht, hat Heidi Klum die Chefredakteurin der Zeitschrift dazu gebeten und gleichzeitig als Gastjurorin verpflichtet. Die Chefredakteurin begrüßt diesen Schritt, denn damit sei sie "in die Entscheidung mit Heidi zusammen wirklich involviert".

Wer "Germany's next Topmodel" kennt, weiß, dass sich die Frau Chefredakteurin da nicht allzu große Hoffnungen machen sollte, denn das Klumsche "die Entscheidung liegt bei mir" klingelt einem aus den vorangegangenen Folgen noch immer in den Ohren.

Das Shooting selbst verläuft dann nach dem üblichen Muster, nur dass die Mädchen diesmal mit einem an ein Blumenbouquet erinnerndes Outfit vergleichsweise glimpflich davon kommen. Ansonsten liefen die Mädchen wie immer erst hin, dann her, so dass sich die Klum ausreichend Notizen machen konnte.

Demnach waren "drei top. Zwei, die waren gut, aber die waren nicht top", wie die Klum erklärt und man kann das durchaus als Fingerzeig fürs Finale deuten, schließlich geht es ja um "Germany's next Topmodel" und nicht um "Germany's next Gutmodel."

Alicija darf nicht, Vanessa will nicht

Für diesen Titel müssen die Kandidatinnen am Ende noch einmal den obligatorischen Laufsteg entlangstöckeln und auch hier hat sich die Klum wieder nicht lumpen lassen: "Für die Musik während der Fashionshow habe ich einen Star aus Deutschland einfliegen lassen", begründet die Klum Lena Meyer-Landruts Beitrag zum Klimawandel.

Und so laufen die Mädels ein letztes Mal zu fünft für Heidi Klum, die Verwandtschaft und die Dame von der Zeitschrift, während Meyer-Landrut auf der Bühne in einem durchsichtigen Rock Werbung für ihr neues Album macht.

Ein bisschen Werbung hätte auch Alicija gebrauchen können, denn bei der Entscheidung entspricht sie nicht dem extrovertierten Typ Model, den Klum für einzig erstrebenswert hält. Deshalb sieht die Klum bei Alicija sogar einen "kleinen Nachholbedarf" bei ihrer Persönlichkeit.

Mit einem "Dankeschön für die tolle Zeit" nimmt Alicija diese Frechheit klaglos hin, ebenso wie die damit zunichte gemachte Aussicht auf das Preisgeld im Finale.

Für das muss die Klum übrigens ein paar Stühle weniger in die Halle tragen, denn Vanessa, so verrät sie es am Ende der Folge in einem Videogruß, wird "aus persönlichen Gründen" doch nicht im Finale antreten.