Alles anders bei GNTM? Nach eigener Aussage sucht die Jury dieses Jahr "Mädels mit Kurven und interessante Mädchen". Laut Heidi Klum und ihren Co-Juroren definiert sich Schönheit ja sowieso über Persönlichkeit und Ausstrahlung. Ob es mit den Änderungen wirklich geklappt hat?

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Die durchschnittliche GNTM-Teilnehmerin der letzten Jahre sieht folgendermaßen aus: Sie ist etwa 20 Jahre alt, schlank, groß, blond, weiß, privilegiert, ist entweder Schülerin oder studiert BWL - oder sich selbst im Spiegel und hält ihre Persönlichkeit für außergewöhnlich.

Das kann man so sehen. Es soll ja auch Menschen geben, die ein Stück Toastbrot für ein Geschmackserlebnis halten. Diversität? Fehlanzeige.

Das soll in der neuen Staffel allerdings anders werden – sagt zumindest Modelmama Heidi Klum, 44 Jahre alt, schlank, groß, blond, weiß und privilegiert.

Sendungskonzepte können sich ändern. Zumindest in der Theorie. Doch war das auch bei GNTM der Fall? Wie war die erste Folge der 13. Staffel wirklich?

GNTM: Drei Stunden Modelsuche

In erster Linie: lang. Über drei Stunden – inklusive Werbepausen – ging der Auftakt zur größten Modelsuche Deutschlands. Der Unterhaltungsfaktor war durchaus gegeben, manchmal mehr, manchmal weniger auf Kosten der jungen Kandidatinnen.

Am Anfang präsentierten sich die Mädchen den beiden Juroren Thomas Hayo und Michael Michalsky. Für ihre jeweiligen Teams – Team Schwarz für Thomas, Team Weiß für Michael – wollten die sich natürlich die besten Models sichern.

In gewohnt giftiger Manier lieferten sich die beiden ständig kleine Wortgefechte um besonders gute Kandidatinnen.

Dabei konnte Thomas zumindest noch mit Begründungen auftrumpfen, warum er ein Mädchen in seinem Team wollte, während Michael die Kandidatinnen meist mit den höchst überzeugenden Worten "Ich finde dich aber auch toll" umstimmen wollte. Trotzdem fiel einigen Mädchen die Wahl schwer.

Im Gänsemarsch in die nächste Runde

Zum Schluss des Castings bekamen die sogenannten Wackelkandidatinnen noch einmal eine Chance, sich vor den Juroren zu präsentieren und im Gänsemarsch im Kreis zu laufen. Dieser Kreislauf wurde nur durch gelegentliche "Stopp!"-Rufe der Jury unterbrochen, wenn ihnen ein Mädchen zusagte.

Etwas Bizarres hatte dieses Bild ja schon: Eine Gruppe junger Frauen läuft im Kreis, um von zwei älteren Männern ihr Aussehen bewerten zu lassen.

50 glückliche Damen – 25 in Team Schwarz und 25 in Team Weiß – durften im Anschluss die Reise in die Karibik antreten. Ihre Freude taten sie mit lautem Gekreische kund. Denn so freuen sich Frauen eben.

Immer wieder das Gleiche

Aber wie war denn nun die Auswahl im Hinblick auf Diversität? Immerhin zwei "curvy" Models schafften es – geschätzte Kleidergröße übrigens etwa 38 oder 40 – ein paar dunkelhäutige Kandidatinnen, eine Asiatin, ein Transgender-Model und eine Mutter.

Zusammen bildet diese durchmischte Vorzeigegruppe aber nicht mal die Hälfte der 50 Kandidatinnen. Der Rest – man ahnt es bereits – schlank, weiß, Schülerin oder Studentin, privilegiertes Elternhaus. Gähn!

Da haben wir zum Beispiel die 23-jährige Sara (ohne H) – für GNTM ein recht fortgeschrittenes Alter –, Ehefrau eines Schweizer Bachelor-Kandidaten, die 21-jährige Viktoria, die nach eigener Aussage über keinerlei Talente verfügt oder die 19-jährige Karoline, die "schon mal ganz gerne lästert".

Die von den Juroren im Vorfeld vielgepriesene Persönlichkeit ist also vorhanden.

"Curvy" Model mit Minderwertigkeitskomplexen

Dass es sich bei Kandidatin Sarah (mit H) um ein "curvy" Model handelt, wird im Übrigen ausführlich besprochen und immer wieder betont. So hat die zuvor noch sehr selbstbewusste 18-Jährige vor dem ersten Fotoshooting in der Karibik plötzlich Minderwertigkeitskomplexe wegen ihrer Figur.

GNTM hält natürlich die Kamera darauf und zeigt kleinen Mädchen vor ihren Fernsehern, dass eine durchschnittliche Kleidergröße etwas ist, weswegen Frauen sich schämen sollten. Wie kommt man nur auf diesen Gedanken? Bestimmt nicht durch Sendungen wie "Germany’s next Topmodel", die Mädchen wie Sarah jahrelang eingetrichtert haben, dass es nur ein ideales Körperbild gibt – und zwar eine Kleidergröße 32. So viel zur Diversität.

Alles für den Kunden

Warum aber der von Heidi proklamierte Wandel der Sendung hin zu weniger konventionellen Schönheitsidealen?

Wegen des Trends der "Body Positivity" in der Modeindustrie, repräsentiert von Frauen wie Plus-Size-Model Ashley Graham und Winnie Harlow, bei der im Alter von vier Jahren die Hautkrankheit Vitiligo festgestellt wurde. So lautet jedenfalls Heidis Begründung.

Und wieder mal geht ihre Sendung nur mit dem Trend, anstatt einmal mutig selbst ein Zeichen zu setzen. Denn das sei ja "das, was auf dem Markt gerade gefragt ist". Alles für den Kunden.

Es wurde wieder kräftig retouchiert

Weniger im Sinne der "Body Positivity" ist allerdings das Intro der Sendung: Heidi strahlend im knappen Bikini. Mit Haut, so glatt, falten- und porenfrei, wie es nicht mal eine 16-Jährige vorweisen kann.

GNTM 2018: Probleme mit dem Nacktshooting

Das bevorstehende Nacktshooting bereitet vielen der Models Kopfzerbrechen. Flugbegleiterin Valèrie hat vor allem aus beruflichen Gründen bedenken. Lässt sie sich trotzdem auf die Challenge ein? © ProSiebenSat.1

Da war wohl die Retouche kräftig am Werk. Nach einer 44-Jährigen sehen diese Aufnahmen jedenfalls nicht aus. Nach einem normalen, atmenden, lebenden Menschen auch nicht.

Zickenkrieg im Paradies

Zurück in die Karibik: Während des Fotoshootings gab es, wie könnte es auch anders sein, reichlich Zickenkrieg. Transgender-Model Soraya legte sich mit den besten Freundinnen Victoria und Zoe an. Da flossen natürlich wieder ein paar Tränen.

Im Anschluss an das Shooting folgte der Laufsteg. Von Team Weiß war Heidi nicht ganz so überzeugt, was man ihrem stetig kritischer werdenden Blick entnehmen konnte.

Am Ende mussten auch einige Kandidatinnen ihre Koffer packen, vor allem in Michaels Team lichteten sich die Reihen.

Auch für Soraya war die Reise zu Ende, was Victoria zu einem hämischen "Jedem so, wie er es verdient" verleitete.

Bloß nicht aus der Reihe tanzen

Zickenkrieg, Tränen und jede Menge dünner Mädchen im Bikini: Wirklich viel Neues gab es in der ersten Folge der neuen Staffel also nicht zu sehen. Bei Heidi scheint das Motto zu gelten: "Body Positivity" ja, aber bitte nur, wenn sie im Trend liegt.

Ansonsten: Bloß nicht zu sehr aus der Reihe tanzen.

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Teaserbild: © ProSieben / Richard Hübner