Wer heutzutage nicht als völliger Vollidiot dastehen will, sollte in jedem Gespräch mindestens einmal den Satz "Ich bin ja auch ein Serienjunkie!" fallen lassen. Damit das bei Ihnen nicht nur eine leere Phrase ist, sondern Sie auch wirklich auf ein reichhaltiges Arsenal an TV-Munition zurückgreifen können, bekommen Sie von uns an dieser Stelle Tipps für die besten Serien der Welt - oder das, was die Redaktion dafür hält.

SPOILER-ALARM: Wer die dritte Staffel noch nicht gesehen hat, sollte wohl lieber nicht weiterlesen.

Spätestens am Ende der dritten Staffel von "Game of Thrones" war auch dem Letzten klar: Sicher ist hier keiner, und sei seine Rolle noch so groß und scheinbar noch so wichtig. Robb Stark (Richard Madden) will König des Nordens werden und schlägt sich fast zwei Staffeln lang mit den Lennisters herum - klingt, als stehe der Figur nach mühevollem Aufbau eine große Zukunft bevor. Nicht so bei "Game of Thrones". Da wird eine Hochzeit schon mal zur "Red Wedding", bei der nicht nur Robb, sondern auch seine schwangere Frau, seine Mutter und der Großteil seines Heeres mal so eben niedergemetzelt werden. Wieder ein paar Hauptfiguren weniger. Es ist aber nicht die schiere Anzahl der Leichen, die fasziniert. Dass es wirklich jeden treffen kann, macht die Serie so unberechenbar.

Mittelalter und Intrigen - da kann man sich auch die "Wanderhure" anschauen, mag so mancher denken. Kann man machen, dann verpasst man aber die Drachen. Die sind in jetzt vier Staffeln schon ordentlich gewachsen (und sehen hervorragend aus) und symbolisieren eines der Hauptthemen der Serie: Haben die Figuren wirklich die Kontrolle über das, was sie da anzetteln? Selbst Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), immerhin "Mutter der Drachen", blickt einmal in die hässliche und wütende Fratze des größten Drachens Drogon und ist sich ihrer Sache plötzlich gar nicht mehr so sicher.

Aber davon abgesehen ist es das fantastische Element, das "Game of Thrones" von anderen Intrigenschauspielen abhebt. Weil es nicht zum Selbstzweck verkommt, weil man so schön Drachen herumflattern und gruselige Weiße Wanderer mit leuchtend blauen Augen aus der Schneeverwehung stapfen sehen kann. Und weil sich das so perfekt in die Story einfügt, dass man sich am Ende überhaupt nicht mehr darüber wundert, dass da Drachen herumflattern. Das Unglaubliche an "Game of Thrones" sind ohnehin nicht die Fantasiewesen - sondern mit welcher Skrupellosigkeit die Menschen agieren.

Die Figuren entwickeln sich weiter

Die Zeiten, in denen Drehbuchautoren am Anfang einer Serie die Charaktereigenschaften einer Figur auf einen Zettel schrieben und dann ins Archiv legten, sind schon lange vorbei. Aber so konsequent wie bei "Game of Thrones" wurde die Weiterentwicklung der Figuren bislang selten betrieben. Am besten sieht man das wohl an Jaime Lennister (Nikolaj Coster-Waldau), einst der arrogante "Königsmörder", den außer seiner Frisur, dem nächsten Schwertkampf und den weiblichen Vorzügen seiner Schwester Cersei (Lena Headey) wenig interessierte.

In Staffel drei wird er von seinem hohen Ross geschubst und in den Dreck gezogen, verliert seine Schwerthand und muss erkennen, dass es auch Frauen gibt, die seinem Charme nicht erliegen - und plötzlich findet man ihn sympathisch.

Weiteres Beispiel: Dass Daenerys schon längst nicht mehr das kleine, schüchterne Mädchen ist, sondern die härteste Kriegsherrin seit Ursula von der Leyen - daran hat man sich gewöhnt. Dass in Staffel vier aber auch Arya Stark (Maisie Williams) an der Seite ihres unwahrscheinlichen Begleiters Sandor "Bluthund" Clegane (Rory McCann) langsam aber sicher zur eiskalten Killerin mutiert, kommt nicht nur für diejenigen, denen plötzlich eine "Nadel" im Hals steckt, ein wenig überraschend.

Fernsehen sah nie besser aus als bei "Game of Thrones"

Was hat man in den vergangenen Staffeln nicht schon alles gesehen? Monumentale Schlachtenszenen, die riesige Mauer, das bunte Treiben in Königsmund, die karge Festung Drachenstein von Stannis Baratheon (Stephen Dillane), die weiten Grasfelder und Wüsten von Essos - Kulissen, angesichts derer sich 90 Prozent aller Hollywood-Produktionsdesigner zum Schämen in die Ecke stellen müssen. Vom Vorspann, der alleine kunstvoller und spannender ist als eine ganze Staffel "CSI", ganz zu schweigen. Und dann auch noch Drachen!