Fünf Jahre sind seit dem letzten "Harry Potter"-Film vergangen. Jetzt lässt Joanne K. Rowling uns wieder eintauchen in die Welt der Zauberer: "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" ist eine Art Prequel - das aber auch gut auf eigenen Beinen stehen kann.

Eine Kritik
von Mathias Ottmann, Redakteur Unterhaltung (nicht mehr im Unternehmen)

Der Zauberer Newt Scamanger (Eddie Redmayne) kommt in den 1920er-Jahren mit einem ungewöhnlichen Koffer in New York an: In ihm wohnen allerlei bunte, wilde, fantastische Wesen, die er sammelt, untersucht und beschützt. Als er seinen Koffer mit dem eines Fabrikarbeiters verwechselt, entkommen ein paar der Tiere und richten heillose Verwirrung in den Straßen der Stadt an. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der Magier von der Gesellschaft verfolgt werden. Und in der ein finsteres Wesen Menschen tötet.

Schnell kommt der Verdacht auf, Scamander und seine Tierwesen könnten für die Morde verantwortlich sein. Der Zauberer muss mit Hilfe von drei ungewöhnlichen Komplizen den wahren Hintergrund der düsteren Bedrohung aufdecken.

Fans der Welt von "Harry Potter" dürften schon vom legendären Newt Scamanger gehört haben, denn sein Buch "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" ist Pflichtlektüre in Hogwarts. Joanne K. Rowling hat sich jetzt den Spaß gemacht, die Entstehungsgeschichte dieses Nachschlagewerks zu erzählen. Natürlich mit reichlich Anspielungen und Verweisen auf die Geschichten von Harry, Hermine, Ron und Co.

Aber Rowling sucht auch ganz gezielt Unterschiede zwischen den Welten. "Phantastische Tierwesen" spielt in einem großartig animierten New York der 1920er-Jahre und die Muggels heißen in den USA No-Mags. Ihre Hauptfigur ist zwar wieder ein eher schüchterner Geselle, aber zumindest schon erwachsen und bereits zu Beginn des Films ein mächtiger Zauberer.

Dennoch ist es erstaunlich, wie schnell man sich in vertrauter Umgebung fühlt. Schon mit den ersten Einstellungen des Films ist man zurück in einer Welt, die man schon verloren glaubte. Dazu gesellt sich eine ganze Reihe charmanter Nebenfiguren. Ein ungleiches Paar aus einem No-Mag, der in die Geschichte verwickelt wird, und der charmantesten Zauberin jenseits des Atlantiks (Dan Fogler und Alison Sudol) wird zum heimlichen Zentrum des Films. Und das, obwohl sich die Filmemacher bei den phantastischen Tierwesen so richtig austoben durften und Colin Farrel als Bösewicht seine dunklen Augen wunderbar funkeln lassen darf.

Das Team hinter der Kamera stellt jederzeit sicher, dass kein Fan enttäuscht wird: Weil es zu dem Film keine Romanvorlage gibt, schrieb Joanne K. Rowling das Drehbuch komplett selbst - so ist sichergestellt, dass in fast jeder Szene der ihr ganz eigene Witz und Zauber versprüht wird. Regie führt wie schon bei den letzten vier "Harry Potter"-Filmen David Yates.

Eine Warnung aber noch vor dem Kinobesuch: Auch wenn viele der phantastischen Tierwesen sehr süß animiert sind - für junge Kinder ist der Film doch etwas arg gruselig. Denn der Puffer, alles schon gelesen oder vorgelesen bekommen zu haben, fällt bei einem Originalfilm nun mal weg. Und zu was ein Gellert Grindelwald in Hochform fähig ist, dürfte allen Lesern der "Potter"-Bücher bekannt sein.

Teaserbild: © Warner Brothers