Hugh Jackman verabschiedet sich mit "Logan" von der Rolle, die seine Karriere bestimmt hat. Wolverine mag jetzt Geschichte sein - sein Abgesang ist noch einmal ein Höhepunkt der "X-Men"-Reihe.

Eine Kritik
von Mathias Ottmann, Redakteur Unterhaltung (nicht mehr im Unternehmen)

Wir schreiben das Jahr 2029: Die Mutanten scheinen ihren Kampf verloren zu haben. Logan (Hugh Jackman) - besser bekannt als Wolverine -, Professor X (Patrick Stewart) und Caliban (Stephen Merchant) sind die letzten genveränderten Wesen. Und auch für sie sieht es nicht rosig aus.

Der Professor leidet an einer degenerativen Hirnerkrankung, seine Anfälle sind nicht nur für ihn, sondern für alle Menschen um ihn herum lebensgefährlich. Logans Körper wehrt sich gegen das Adamantium, mit dem ihn das Militär zum Supersoldaten gemacht hat. Er heilt nicht mehr so schnell - und er altert. Seine Schmerzen betäubt er mit Alkohol, sein Geld verdient er als Limousinen-Fahrer. Es ist ein trostloses Dasein, bis er Laura (Dafne Keen) begegnet.

Ein Mädchen als Killer-Maschine

Das Mädchen ist aus einem Forschungslabor geflohen, in dem das US-Militär Krieger züchtet, die sie aus dem Erbgut von ehemaligen X-Men geklont haben. Logan merkt bald, dass Laura ganz besondere Fähigkeiten besitzt, die ihm irgendwie bekannt vorkommen. Er begleitet sie quer durch die USA auf der Suche nach einem Ort, an dem sie in Sicherheit leben kann.


Der Schauspieler muss sich zum sechsten Mal behandeln lassen.

In "Logan" schlüpft Hugh Jackman zum neunten und letzten Mal in die Rolle, die ihn weltberühmt gemacht hat. Und es könnte kein passenderes Ende geben für diese Figur: "Logan" ist mit Sicherheit der beste Film aus der "Wolverine"-Reihe, vielleicht auch der beste von allen "X-Men"-Filmen.

So kompromisslos und brutal war noch kein Teil der Serie. "Logan" ist mehr Western als Superhelden-Film. Der einsame Kämpfer, der zum Helden wider Willen wird, ganz im Stile eines Clint-Eastwood- oder John-Wayne-Films.

Regisseur James Mangold weiß genau, dass er in Hugh Jackman und Patrick Stewart zwei unvergleichlich charismatische Schauspieler zur Verfügung hat - und er gibt ihnen alle Freiheiten, ihr Können auf die Leinwand zu bringen. Die beiden Stars danken es ihm, indem sie ihren Figuren eine für Comic-Verfilmungen außergewöhnliche Tiefe verleihen.

Hugh Jackmans Abgang mit Knalleffekt

Der Professor weiß, dass es mit ihm zu Ende geht, er besitzt aber unbändigen Spaß daran, noch ein letztes Mal mit seinem alten Freund Logan für das Gute zu kämpfen. Logan selbst will eigentlich nur seine Ruhe, kann aber auch nicht tatenlos dabei zusehen, wie das Militär an Laura die gleichen Verbrechen begeht wie einst an ihm.

In der Welt der Comics ist vieles möglich und vorstellbar: Wahrscheinlich werden wir irgendwann Wolverine in einer anderen Besetzung wiedersehen. Wer auch immer ihn dann spielt, muss ein denkbar schweres Erbe antreten. Hugh Jackman tritt hier mit einem Knall ab, der noch lange nachhallen wird.