Selten wurde ein Film schon vor seiner Veröffentlichung so verteufelt wie die Neuauflage von "Ghostbusters" - weil jetzt vier Frauen auf Geisterjagd gehen. Hätten die selbsternannten Kritiker doch nur mal gewartet, bis sie den fertigen Film gesehen haben.

Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Kate McKinnon und Leslie Jones statt Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson? Das kann ja nicht gut gehen - meinen beinharte "Ghostbusters"-Fans, seit bekannt wurde, dass ein Remake geplant ist. Und schimpfen über jede Kleinigkeit.

"Ghostbusters": Neuer Trailer

"Ghostbusters" - ab dem 28. Juli im Kino. Und jetzt schon bei Facebook unter www.facebook.com/ghostbustersDe

Und das alles, bevor irgendjemand den fertigen Film überhaupt gesehen hat. Jetzt ist "Ghostbusters" in den USA gestartet, die Kritiken sind ordentlich - aber das Publikum will trotzdem nicht so recht. Der Film droht zu einem Opfer seines schlechten Rufs und damit ein Flop zu werden.

Was für Frauen!

Dabei sollten alle, die jetzt schimpfen, dass hier eine heißgeliebte Filmreihe zerstört wird, sich mal fragen, ob "Ghostbusters 2" das nicht schon vorher erledigt hat. Und der Frauenpower in der neuen Version eine Chance geben.

Die Geschichte ist natürlich bekannt: Drei Wissenschaftler werden für ihre Forschungen auf dem Feld der übernatürlichen Erscheinungen nicht ernst genommen. Als dann tatsächlich Geister in New York auftauchen, werden sie - unterstützt von einem Zivilisten - schlagartig zu Helden, die die Welt vor dem drohenden Untergang retten müssen. Ein klassisches Remake eben, nur mit Frauen statt Männern.

Aber was für Frauen! Kristen Wiig ist in den USA ein Star, bei uns allerdings noch relativ unbekannt - obwohl sie derzeit einer der witzigsten und wandlungsfähigsten Comedians ist. Geschlechterübergreifend.

Melissa McCarthy wurde für ihre Rolle in den "Gilmore Girls" geliebt, glänzte in "Brautalarm" und "Spy - Susan Cooper Undercover" und wird seit Jahren mit Preisen überhäuft.

Und Kate McKinnon und Leslie Jones sind in den USA dank der Sketch-Show "Saturday Night Live" ebenfalls Stars.

Dazu sitzt auf dem Regiestuhl mit Paul Feig ein Mann, der schon mehrfach gezeigt hat, dass er starke Frauen unterhaltsam in Szene setzen kann. Sei es Kristen Wiig (und Melissa McCarthy) in "Brautalarm" oder Sandra Bullock (und Melissa McCarthy) in "Taffe Mädels".

Chris Hemsworth als einfältiger Sekretär

Und es sind ja auch nicht nur Frauen in dem Film zu sehen. Chris Hemsworth spielt einen Telefonisten, der zu doof zum Telefonieren ist. Der sich vielmehr damit beschäftigt, ob er sich für eine Rolle als Arzt mit einem Foto bewerben soll, auf dem er mit nacktem Oberkörper Saxofon spielt oder lieber mit einem, auf dem er ein Saxofon umarmt. Die Klischee-Blondine also, die vor nicht allzu langer Zeit noch Komödien-Standard war und jetzt endlich auch mal ein Y-Chromosom besitzt.

Bei all den skurrilen Momenten, schrillen Szenen und feinhumorigen Seitenhieben, die "Ghostbusters" bietet, hat er aber auch seine Mängel. Nicht jede Pointe ist ein Treffer, an manchen Stellen verliert sich der Film ein bisschen und hier und da wäre weniger mehr gewesen. Und dass ausgerechnet der Auftritt von Bill Murray einer der Witze ist, die gar nicht zünden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Aber insgesamt ist der Film mehr als nur eine solide Sommerkomödie und eigentlich freut man sich am Ende schon auf die angedeutete Fortsetzung. Daraus wird aber nichts, wenn die Nörgler tatsächlich dafür sorgen, dass er an der Kinokasse floppt.