Was soll man machen – irgendwie kommt der Luzerner "Tatort" von seiner doch recht betulichen Art nicht los – auch im fünften Film "Geburtstagskind" mit Stefan Gubser als Reto Flückiger werden wieder bedeutungsschwere Blicke getauscht, fuchtelt ein Familienvater mit Taschenlampe durch die Nacht, müssen die Kommissare einander in langen Papierdialogen den Stand der Ermittlungen erklären. Eher fad ist das Ganze.

Darum ging's

Dabei hat sich das Luzerner Pärchen Gubser und Delia Mayer als Liz Ritschard doch spätestens seit Dani Levys Fastnachtsspuk "Schmutziger Donnerstag" ins Gedächtnis geprägt – auch mit privater Liebelei.
Diesmal aber weiß Liz nur schmallippig "Vielleicht war ich auch ein Problemkind" zu verkünden, als die Spur nach einem Mädchenmord in die offensichtlich vorhandene Luzerner Drogen- und "illegale Clubszene" führt. Ein 14-jähriges Mädchen wurde im Wald erschlagen aufgefunden, es war "im dritten Monat schwanger", wie sogleich die Luzerner Zeitung verkündet – offensichtlich üblich in der Schweiz. Die öffentliche Bloßstellung ist insofern von besonderer Bedeutung, als sie jene Stimmung signalisiert, die zur Kurzschlusshandlung eines bigotten Vaters führt – so etwas darf nicht an die Öffentlichkeit.

Schon der Beginn des Schweizer "Tatorts" (Regie: Tobias Ineichen) verhieß nichts Gutes: Als die 14-jährige Amina gerade die Kerzen auf der Geburtstagstorte ausgeblasen hat, steht eine verwegene Gestalt vor der Tür. Caspar Vogt (Marcus Signer) will seiner leiblichen Tochter ein Geburtstagsgeschenk überbringen, doch spätestens bei der ihr ins Ohr gehauchten Ankündigung "Ich hol euch zu mir!" ergreift Amina die Flucht. Bevor Aminas Mutter einen braven Sektenpredigter heiratete, war sie mit Vogt zusammen – als Junkies hatten sie die Luzerner Drogenszene durchkämmt.

Ungefährlich und belanglos

Wie alles kam, das zu zeigen wäre das einzig Spannende an diesem Fall gewesen – doch leider ließ nur Sarah Spales verhärmtes Muttergesicht von dieser Vergangenheit etwas ahnen. Marcus Signer, ein Shooting-Star am Schweizer Film- und Fernsehhimmel, mimte dafür den längst Bekehrten. Zwar gab er sich als auf dem Campingplatz hausender Outcast grimmig. Doch wusste man beim ersten Auftritt gleich: Der konnte es nicht gewesen sein. Dabei war der Krimi ja ganz nach dem Whodunit-Muster gestrickt: Ratet mal, wer der Mörder war. Viel zu kurz kam die Sektenszenerie, die Aminas Familie umfing. Oliver Bürgin blieb als Aminas Vater und Häuptling der Sekte "Kreis der Gnade" das schwächste Tatort-Glied: ein braver Frömmling mit Kinderaugen und leider auch ohne jede Gefährlichkeit.

Auch die schönsten Luzern-Bilder, aus der Vogelperspektive und in Zeitraffer gefilmt, halfen diesem Heimatkrimi nicht auf die Sprünge. Zu eindimensional, zu viel Erklärungstext. Allein Flückigers Umgang mit dem Schraubbohrer ("Hab' ich bei den Pfadfindern gelernt!") und sein Sektenwissen ("Immer dasselbe: Die Welt geht bald unter, und nur die überleben!") tröstete über die grassierende Fadheit hinweg.