(mcb/seb) - Sie hat begonnen, die heiße Phase der RTL-Erfolgsshow "Deutschland sucht den Superstar". Die erste Motto-Show mit dem Thema "Megahits" ist überstanden, zumindest für neun der zehn Kandidaten. Doch wie immer musste auch ein Mitstreiter nach einer durchwachsenen Sendung die Segel streichen.

Als erster Kandidat am Zug war Bohlens "Ösi simpathicus" Marco Angelini. Mit auffallend weißen Zähnen, von halbnackten Tänzerinnen umschwirrt und betatscht, zappelte er zu Mando Diao über die Bühne und brachte den Überschuss an Reißverschlüssen an seiner Hose ganz schön zum klirren. Das kam an und bot Dieter Bohlen die perfekte Gelegenheit, seine Sprüche-Maschine anzuwerfen: "Für einen angehenden Chirurgen müsste es ja das größte Kompliment sein, wenn ich sage - du hast gut abgeschnitten".Als nächstes trat die langbeinige Zazou mit Lichtershow, dünnem Stimmchen und buntem Röckchen ins Rampenlicht. Obwohl sie sich auf der Bühne sichtlich wohl fühlte, hagelte es Kritik. Fernanda wünschte sich zungenbrecherisch das "Feuer in voller Fülle", das sie in der Schweizerin ahnte aber noch nicht spürte. Selbst Patrick Nuo ließ sich zu einem spitzen Kommentar hinreißen, auch wenn er merklich noch nicht an den großen Bohlen heranreichte: "Ich fand den Auftritt ein Riesen-Feuerwerk, du gehst wirklich ab wie eine Rakete. Aber stimmlich fand ich das so ein bisschen wie eine Fehlzündung." Übung macht den Meister.

Meister Dieter setzte dann noch einen drauf: "Deine Beine sind dünner als die von Rihanna", stichelte er, "deine Stimme auch". Aus dem Publikum gab es jedoch Kontra: "Du hast auch nicht immer die Töne getroffen", rief ein Zuschauer aus der Menge. Bohlen war selbstverständlich "not amused".

Mit dem Song "Break Away" von Kelly Clarkson nahm die "Kämpferin mit Herz", Nina Richel, anschließend eine große Herausforderung an. Mit ihren Bikini-Fotos im einleitenden Film unzufrieden, machte sie im Abendkleid und mit wackeliger Stimme leider keine bessere Figur. Das bemerkte auch Dieter Bohlen: "Ich glaube, dass du ein Bisschen abgenommen hast. Aber an der falschen Stelle - an den Stimmbändern".

Ardian, der in der letzten Sendung zum "Macho" gestempelt worden war und eine Verschwörung von RTL witterte, rechtfertigte sich in seinem Einspielfilm prompt und outete sich als emotionaler Familienmensch. Sein Auftritt war aber auch dieses Mal der eines Womanizers, eine gefühlvolle Ballade hätte seine Aussagen vielleicht besser untermauert. Mit einem Sprint zu seiner Mutter versuchte er doch noch den Emo in sich zu offenbaren.

Doch der Jury gefiel die Song-Wahl nicht, der Pop-Titan wollte ihm dennoch eine "zweite Chance" geben. Am Ende schaffte er es immerhin zum Nickname "Knuddel-Macho" - eine deutliche Steigerung. Zu den Vorwürfen Ardians gegenüber RTL hatte Dieter auch noch etwas zu sagen: "Ihr macht euch ja selber zum Affen bei RTL und nicht: RTL macht euch dazu", stellte er fest. Und hatte damit irgendwie recht.

Insgesamt gab es einige durchwachsene Leistungen an diesem Abend. Schlager-Onkel Norman verpatzte seinen Text und war am Ende seiner Vorstellung sichtlich geknickt. "Du darfst mich hier nicht mehr enttäuschen", wetterte Dieter Bohlen daraufhin. Immerhin repräsentiere er die Schlager-Tür, die Bohlen mit ihm bei DSDS weit offen geschlagen habe."Balladen-Queen" Sarah Engels hatte in der letzten Sendung Buh-Rufe bekommen weil sie - wie Bohlen es nannte - immer so tue als "habe sie den Längsten". Dieses Mal überzeugte sie jedoch scheinbar Jury und Publikum. "Letztes mal Schokoriegel, heute Mousse au Chocolat", erkannte Patrick Nuo in einer leichten Steigerung seiner Sprüchequalitäten.

DSDS-Knirps und früher Favorit Sebastian Wurth nahm sich im Anschluss einer gewaltigen Westlife-Nummer an. Der Kleinste und Jüngste der Kandidaten bewies dabei paradoxerweise die größte und reifste Stimme und das meiste Gefühl. Lediglich in den Pausen zwischen Textpassagen merkte man ihm an seinem unsicheren Verhalten die Unerfahrenheit an. "Der einzige Kritikpunkt, den ich habe", schloss Fernanda die Performance ab, "ist, dass du verdammt nochmal zu jung für mich bist."

Der kleine, freche Pedro Lombardi bekam im Einspielvideo von Zazou Nachhilfeunterricht im Tanzen, doch leider nicht im Singen. Über die schwache Stimme konnte auch nicht das niedliche Milchbubi-Gesicht hinwegtäuschen. Mit seinem Charme und seiner frischen Art punktete er aber dennoch. Weil er seinen Text behielt, bekam er von Dieter erneut "Belohnungstaschengeld" - auf 100 Euro gedoppelt. Und eins muss man dem kleinen Pedro lassen - authentischer geht es nicht.

Das einzige Mädchen, das direkt von den Zuschauern und nicht der Jury in die Motto-Shows gewählt wurde, war als nächstes an der Reihe: Puppenspielerin Anna-Carina Woitschak wagte sich an Whitney Houstons Mega-Hit "I will always love you" heran. Fernanda gefiel die Performance: "Windmaschine, die Locken flogen, Dramatik pur". Dieter Bohlen observierte allerdings mit einem kritischen Auge Anna-Carinas Wandel von der sexy Puppenspielerin auf den Malediven zu einem "eingesperrten Tier, das sich nicht wohl fühlt". Doch er pflegte weiterhin seine "gute" Verbindung zu ihr: "Wir haben auf jeden Fall was gemeinsam. Wir haben beide noch nie einen Mann geküsst". Sie enttäusche insgesamt mit einem steifen Auftritt und vielen schrägen Tönen und übernahm sich mit dem Lied und den Zickenattacken gegen Sarah Engels im Einleitungsfilm sichtlich.Als letzter auf der Bühne: "Kuschelbär" Marvin. Sein Auftritt war wie immer bewegungslos, so als ob er für ein Gemälde posiere, fand Bohlen, doch der Pop-Titan konnte einfach nicht den Maler sehen. Die Zuschauer auch nicht, aber die samtweiche Stimme des Familienvaters kam an.

Am Ende eines an Zickenkrieg und Tratsch reichen Abends musste RTL wieder Nägel mit Köpfen machen. Bei der Verlesung der Voting-Ergebnisse waren alle Kandidaten nervös, denn niemand hatte seine beste Leistung abrufen können. Doch nur ein Superstar-Traum platzte an diesem Abend - der von Sarah Engels. Sie erhielt die wenigsten Stimmen und muss "DSDS" verlassen.