Tag eins nach Janina Youssefians Rassismus-Disqualifikation und im Dschungel ist bereits wieder Business as usual. Draußen auf den Tastaturen der Kommentarspalten-Matadore mit Allround-Diplom für alle gesellschaftlichen Fragen ist noch Ausnahmezustand, da geht es im Survival-Urlaubsparadies für Zerebral-Artisten mit Ex-Promi-Hintergrund bereits wieder um das Übliche: infantile Flirtsimulationen, Verbal-Duelle auf schmerzhaft niederschwelligem Niveau und spirituelle Märchenstunden.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Janina Youssefian wollte Linda Nobat "zurück in den Busch, wo du herkommst" schicken und holte sich damit die erste rassismusbedingte fristlose Kündigung ab, seit sich DJ Tomekk 2008 beim Hitlergruß filmen ließ. Christin Okpara durfte erst gar nicht einziehen, nachdem sie versehentlich kein plausibles Impfzertifikat dabei hatte. Lucas Cordalis erwischte eine Corona-Infektion und konnte daher ebenfalls nicht antreten. Wenn jetzt noch einer der Kandidaten einen Spaziergang gegen Corona-Maßnahmen organisiert, lichtet sich das Camp schneller als der Haaransatz von Oliver Welke.

Dann krönt sich der Dschungelkönig im Prinzip von alleine: Manuel Flickinger. Einfach, weil er 14 Tage lang gar nichts gesagt hat, sich somit keiner an ihn erinnert, er aber auch niemanden beleidigt hat und im Finale plötzlich aus seiner Hängematte fällt, ein paar Pilates-Übungen macht, verblüfft feststellt, dass neben Dr. Bob, Daniel Hartwich und Sonja Zietlow nur noch ein paar Fußnägel von Tara Tabitha aufzufinden sind und er somit quasi automatisch das Zepter mit nach Hause nimmt.

Dschungelcamp: Spiritistische Sitzung mit pompöösem Medium

Bis dahin ist aber noch ein langer Weg zu gehen und noch viele Ekelprüfungen zu bestehen. Die erste des Tages muss Eric Stehfest über sich ergehen lassen.

Er findet sich unvermittelt in einem Spiritualitäten-Kongress mit Keynote-Speaker Harald Glööckler wieder. Eine ziemliche Tortur, sogar für den Ritter aus dem Jahr 1311. Tattoo-Sammler und Pompöös-Designer Harald eröffnet dem staunenden GZSZ-Pflichtkandidaten, vor 7000 Jahren hätten Mönche in Indien die Lebensgeschichte von Menschen auf Palmblätter geschrieben, die heute leben – und alles würde stimmen! Einmal in die Zwischenwelt abgedriftet, berichtet er auch noch darüber, wie er über Hellseher mit seiner verstorbenen Mutter kommuniziert und posthum einige Familienfehden mit seinem gewalttätigen Vater befrieden konnte. Ein facettenreicher Ritt durch verschiedene übersinnliche Ebenen. Eine Séance vom Wühltisch der Trash-TV-Aufmerksamkeitsgenerierungsindustrie. Quasi Globuli fürs Gehirn.

Das ganze gipfelt in einer Art Fabel, mit der Harald seine tiefe Verbundenheit mit seiner Mutter dokumentiert: "Als meine Mutter gestorben ist, erschien draußen ein Pfau." Eric guckt dabei ein bisschen so, als würde er denken: "Hieß seine Mutter Veronika oder warum war da ein V?" Zum Glück ist Harald von sich selbst so ergriffen, dass er die unverschämte Reaktion des Seelenreisen-Banausen Stehfest nicht richtig mitbekommt.

Linda Nobat gegen alle

Ganz andere Probleme hat der weibliche Kern der Belegschaft. Nachdem mit Janina Youssefian ihre Lieblingsfeindin bereits eliminiert ist, braucht Konfrontations-Magnet und Fäkalsprachen-Superspreader Linda natürlich neue Gegner. Zunächst versucht sie es bei Filip Pavlovic.

Erinnern Sie sich an den legendären Interview-Moment, als Friedrich Merz im "Bericht aus Berlin" die Namen seiner eigenen Kollegen in Armin Laschets Zukunftsteam nicht kannte und sich mit dem Moderator einen der Peinlichkeits-Höhepunkte im Bundestagswahlkampf geleistet hatte? Mit Sätzen wie "ist das jetzt hier ein Test?" hatte Merz damals versucht, sich um die Antwort zu drücken und in einer Art Anfall von Kindergartenpsychologie den Fragesteller zu einem fiesen Fallensteller zu degradieren.

Dasselbe probiert Linda nun mit Filip. Um für den männlichen Teil der Dschungel-Fans daheim vor den Empfangsgeräten eine möglichst vielschichtig attraktive Person zu kreieren, posierte Linda nicht nur pünktlich zum Dschungelstart komplett hüllenlos im "Playboy", sondern inszeniert sich im Camp auch als Fußballfan. Ihr Herz, das verkündet sie ungefragt und zusammenhangslos, schlüge für Eintracht Frankfurt.

Fußball-Experte Filip kontert mit der Frage, ob sie überhaupt einen einzigen Spieler von Eintracht Frankfurt kennen würde. Zu viel für Linda, deren Toleranzgrenze hinsichtlich unaufgeregter Gesprächsführung nicht existent ist. Sie grätscht Filip mit einem gekonnten Friedrich-Merz-Move um und stellt fest: "Einen? Ich kenne alle!" Allerdings möchte sie keinen einzigen nennen, denn sie lässt sich ungern prüfen. Und schon gar nicht von einem dahergelaufenen Qualifikanten wie Filip.

Armin Laschet übrigens, die Älteren werden sich erinnern, war mal irgendwas bei der CDU und gilt inzwischen als heißester Anwärter auf das Dschungelcamp 2023. Das nur als kurzer Einschub, falls Sie sich gerade auch gefragt haben, wer dieser Laschet noch mal gewesen ist und bei welcher Staffel der dabei war.

Sympathie-Weltmeisterin Anouschka Renzi

Nicht weit entfernt, zumindest intellektuell, geraten auch Jasmin und Anouschka Renzi aufmerksamkeitsrelevant aufeinander. Renzi gibt die hochgeistige Kultur-Akademikerin und klärt mit Sätzen wie diesem auf: "Ich komme nicht klar mit Proletentum." Ein Hauch Überheblichkeit hat noch keinem geschadet. Das spürt auch Publikumsunliebling Renzi und legt nach: "Entschuldigung, aber ich lasse mir doch von einer Jasmin Herren nichts erklären."

Worum es in der Auseinandersetzung zwischen ihr und Jasmin geht, ist irgendwie nicht so ganz eindeutig zu bestimmen. Aber irgendwie hat es wohl was damit zu tun, dass Jasmin den ganzen Tag für die Dschungelgemeinschaft schuftet, während Anouschka sich in erster Linie darauf beschränkt, ständig ihr Haarband neu zu sortieren und sich über irgendwas zu beschweren.

Das stößt Teamplayerin Jasmin übel auf, Feingeist Renzi signalisiert allerdings keinerlei Bereitschaft, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob vielleicht auch sie in den letzten Tagen womöglich nicht alles zu 100 Prozent richtig gemacht hat: "Ich kann mich an Regeln halten, aber hier sind zu viele Regeln." Zu viele Regeln, aha. Da ist der Weg zu verfälscht dargestellten Corona-Statistiken à la Stefan Homburg nicht mehr weit.

Das Essen wird Renzi

Als ausgewiesener TV-Profi analysiert Dr. Dr. Prof. Renzi das Verhalten von Frau Herren im Anschluss kurz und prägnant: "Alles, was Jasmin macht, ist gespielt." Womit Jasmin während der fünf Tage im Dschungel schon mal mehr Minuten als Schauspielerin in TV-Erfolgsformaten generiert hat, als Anouschka Renzi in den vergangenen 70 Jahren.

Bevor hier nun allerdings ein falsches Bild von Anouschka Renzi entsteht, muss gesagt werden: Sie hat nicht nur Drama und verbale Dauerfehden, sondern auch enge Verbündete. Harald zum Beispiel. Das passt. Anouschka Renzi und Harald Glööckler verbindet so einiges. Die Liebe zu Schönheitsoperationen beispielsweise. Harald, selbst Vegetarier – außer jetzt bei den Dschungelprüfungen, wenn es Tierpenis zu verköstigen gibt –, würde ihr sogar von seinen raren, fleischlosen Essensrationen abgeben. Ganz anders als zum Beispiel Tina Ruland. Die ist beim Thema Essensverteilung kompromissloser als Beatrix von Storch beim Thema Mausgerutscht.

Folgerichtig legt Pöbel-Anouschka auch hier offiziell Protest ein. Warum bekommen die Vegetarier zu ihrem Reis noch Couscous, während sie als Fleischesserin mit einer winzigen Sardine abgespeist wird? Final resümiert sie anschließend im Sprechzimmer: "Ich komme nicht mit Frauen mit hohen Stimmen klar, ich habe halt eine Theaterausbildung."

Mal abgesehen davon, dass dieser Moment der denkbar schlechteste ist, um der Nation endlich mal ihre Theaterausbildung unter die Nase zu halten, hat die von Anouschka Renzi konstruierte Kausalkette ungefähr eine Belastbarkeit wie: "Ich mag keine Frauen mit langen Beinen, ich habe halt mal bei der Müllabfuhr gearbeitet".

Manuel wird ganz Flickinger

Um das Publikum wieder abzukühlen und den Aggro-Modus mit erotischen Schmankerln aus dem österreichischen Massage-Kama-Sutra auszugleichen, entscheidet der Deeskalationsbeauftragte bei RTL, erstmal minutenlang nur zu zeigen, wie Tara Tabitha den nackten Manuel Flickinger ins Koma massiert. Dessen letzte Anweisungen vor dem Wohlfühl-Trauma lauten: "Wenn du etwas Hartes fühlst, ist es eine Verspannung." Vermutlich hatte er Fußnagel-Mogul Tara nicht richtig zugehört, als sie neulich von ihrer Haupteinnahmequelle berichtete. Tara betreibt nämlich einen erfolgreichen OnlyFans-Account. Wenn sich also jemand mit Verhärtungen auskennt, dann Tara.

Weniger hart, dafür sehr luftig geht es derweil für Linda und Harald bei der Dschungelprüfung zu. Kaum vor Ort, sieht man bereits an der sich langsam zu einer 3D-Skulptur des Turmbaus zu Babel aufrichtenden, naja, Frisur von Daniel Hartwich: Es ist ungefähr Windstärke 9 auf dem Game-Plateau in Südafrika. Aus Sicherheitsgründen wird die Prüfung abgesagt. Einen weiteren Kandidaten zu verlieren, das möchte RTL nicht riskieren.

Am Mittwoch treten dann Linda und Tara gemeinsam zur Lotto-Prüfung an. So will es das Publikums-Voting. Es ist Lindas vierte Nominierung in Folge. Langsam machen sich sogar Sarah Knappik, Danni Büchner und Larissa Marolt Sorgen. In der Prüfung geht es selbstredend wieder um Sterne, die dann am Abend gegen Nahrungsmittel eingetauscht werden können. Wenn man so will also: Lotto King Aal. Ob alle satt werden, das berichte ich am Donnerstag.

Costa Cordalis
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Diese Dschungelcamp-Teilnehmer sind bereits gestorben

Momentan flimmert die 15. Staffel der beliebten RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" über die TV-Bildschirme. Schon viele Stars wagten sich in den Dschungel – allerdings weilen einige Kandidaten der vergangenen Jahre nicht mehr unter uns.